Das Wichtigste in 30 Sekunden

  • Jeder WooCommerce-Shop braucht vier Pflichtrechtstexte: Impressum, Datenschutzerklärung, AGB und Widerrufsbelehrung mit Muster-Widerrufsformular. Fehlt die Widerrufsbelehrung, verlängert sich das Rückgaberecht auf bis zu 12 Monate und 14 Tage (§ 356 Abs. 3 BGB).
  • Versandkosten müssen nach § 3 PAngV spätestens vor dem letzten Schritt im Checkout vollständig sichtbar sein. Streichpreise erfordern seit Mai 2022 den 30-Tage-Tiefstpreis als Bezugsgröße (§ 11 PAngV).
  • Wer physische Pakete versendet, muss sich im Verpackungsregister LUCID registrieren. Für alle Umsatzsteuerpflichtigen gilt außerdem: Bei EU-weitem Jahresumsatz über 10.000 Euro aus B2C-Verkäufen greift das OSS-Verfahren.
  • Ab 19. Juni 2026 ist ein elektronischer Widerrufsbutton mit der Aufschrift „Vertrag widerrufen“ gesetzlich vorgeschrieben (§ 356a BGB). Wer ihn nicht einbaut, riskiert Bußgelder bis 50.000 Euro.

Wer einen WooCommerce-Shop eröffnet, hat drei technische Baustellen gleichzeitig: Versandkosten müssen stimmen, Steuersätze müssen passen, und die gesetzlich vorgeschriebenen Rechtstexte müssen an den richtigen Stellen eingebunden sein. Alle drei Bereiche greifen ineinander. Ein falscher Versandsteuersatz bedeutet falsche Rechnungen. Eine fehlende Widerrufsbelehrung bedeutet verlängertes Rückgaberecht. Und ein Button mit der Aufschrift „Weiter“ statt „zahlungspflichtig bestellen“ ist ein Abmahnrisiko.

Dieser Artikel zeigt, welche Einstellungen notwendig sind, welche Paragraphen dahinterstehen und was konkret in WooCommerce eingetragen werden muss. Eines vorweg: Dieser Text ist eine fachliche Einordnung, kein Ersatz für Rechtsberatung im Einzelfall.

Versandkosten in WooCommerce korrekt einrichten

Kurz gesagt: WooCommerce berechnet Versandkosten über Versandzonen und Versandmethoden. Fehlt eine Restzone, werden Bestellungen aus nicht definierten Ländern ungewollt versandkostenfrei. Versandkosten sind mehrwertsteuerpflichtig und teilen steuerlich das Schicksal der Hauptware.

WooCommerce unterscheidet zwischen Versandzonen (für welches Gebiet gilt eine Regel) und Versandmethoden (wie wird der Preis berechnet). Innerhalb einer Zone lassen sich mehrere Methoden parallel aktivieren: Pauschale, kostenloser Versand ab einem Mindestwert oder eine Echtzeit-Abfrage beim Paketdienstleister.

Drei Fehler treten in der Praxis besonders häufig auf:

  • Keine Restzone. Wer nur „Deutschland“ und „Österreich“ definiert, lässt alle anderen Liefergebiete ohne Regel. WooCommerce behandelt das als versandkostenfrei. Die Lösung ist eine „Restliche Welt“-Zone ohne aktive Versandmethode, dann scheitert die Bestellung mit einer Fehlermeldung statt still durchzugehen.
  • Gutschein hebelt den Freigrenze-Versand aus. Der kostenlose Versand ab beispielsweise 50 Euro prüft standardmäßig den Warenwert nach Gutschein. Ein Gutschein, der den Warenkorb auf 45 Euro senkt, aktiviert dann doch Versandkosten. Das lässt sich in der Versandmethode konfigurieren.
  • Versandklassen ohne Produktzuweisung. Sperrige Artikel, Gefahrgut oder schwere Pakete brauchen oft eigene Versandklassen mit höheren Pauschalpreisen. Die Klasse muss aber auch jedem Produkt zugewiesen sein, sonst greift sie nicht.

Für digitale Produkte (Software, PDFs, Videokurse) gilt: in WooCommerce als „virtuell“ markieren. Dann fallen sie aus der Versandberechnung heraus, und für sie entstehen keine Versandkosten. Bei gemischten Warenkörben aus physischen und digitalen Produkten berechnet WooCommerce nur für die physischen Ware Versandkosten.

Zur Steuer: Versandkosten sind eine Nebenleistung zur Hauptlieferung. Das bedeutet, sie tragen denselben Mehrwertsteuersatz wie die Hauptware. Enthält ein Warenkorb Artikel mit 19 Prozent und 7 Prozent, wird der Versandanteil anteilig aufgeteilt. WooCommerce erledigt das automatisch, wenn die Versandsteuerklasse auf „Basierend auf Warenkorb“ gesetzt ist.

Steuereinstellungen: MwSt, Kleinunternehmer, OSS

Kurz gesagt: Die meisten deutschen B2C-Shops arbeiten mit Bruttopreiseingabe und Standard-19-Prozent-Satz. Kleinunternehmer nach § 19 UStG stellen keine MwSt in Rechnung. Bei EU-weiten Umsätzen über 10.000 Euro gilt das OSS-Verfahren.

Brutto- oder Nettoeingabe

Der erste Schritt in WooCommerce unter „Einstellungen, Allgemein“ ist die Entscheidung, ob Produktpreise inklusive oder exklusive Mehrwertsteuer eingegeben werden. Für B2C-Shops ist Bruttopreiseingabe die einfachere Wahl: Der sichtbare Produktpreis ist der Preis, den der Kunde zahlt. WooCommerce weist die enthaltene Steuer im Checkout aus, ohne sie aufzuschlagen. B2B-Shops nutzen häufig Nettoeingabe, weil Geschäftskunden Nettopreise erwarten und die Steuer beim Einkäufer sowieso abzugsfähig ist.

Steuersätze hinterlegen

Unter „WooCommerce, Einstellungen, Steuer“ legen Sie Steuersätze als Prozentwerte an und ordnen sie Steuerklassen zu. Für Deutschland sind zwei Klassen Standard: 19 Prozent (Regelsteuersatz) und 7 Prozent (ermäßigter Satz für Lebensmittel, Bücher, bestimmte Kulturleistungen). Jedes Produkt bekommt eine Steuerklasse. Wer Mischsortimente anbietet, muss das für jedes Produkt einzeln prüfen, pauschale Zuweisungen führen zu falschen Rechnungen.

Kleinunternehmerregelung nach § 19 UStG

Wer als Kleinunternehmer nach § 19 UStG eingestuft ist, weist in Rechnungen und im Shop keine Mehrwertsteuer aus. Seit dem Jahressteuergesetz 2024 gelten ab 1. Januar 2025 neue Grenzen: Vorjahresumsatz unter 25.000 Euro (netto), laufender Jahresumsatz unter 100.000 Euro (netto). Wer die 100.000-Euro-Grenze im laufenden Jahr überschreitet, wird sofort umsatzsteuerpflichtig, nicht erst im Folgejahr. In WooCommerce bedeutet das: alle Steuersätze auf 0 Prozent, und im Shop muss deutlich sichtbar stehen, dass keine Mehrwertsteuer ausgewiesen wird. Fehlt dieser Hinweis, wirken die Bruttopreise für Käufer irreführend.

OSS-Verfahren bei EU-Verkäufen

Wer an Endverbraucher in anderen EU-Mitgliedstaaten verkauft und dabei die EU-weite Lieferschwelle von 10.000 Euro pro Kalenderjahr überschreitet, schuldet die Mehrwertsteuer des Bestimmungslandes, nicht die deutsche. Das One-Stop-Shop-Verfahren (OSS) erlaubt es, alle diese Steuern zentral über das Bundeszentralamt für Steuern zu melden und abzuführen, ohne sich in jedem Zielland registrieren zu müssen. Die praktische Konsequenz für WooCommerce: Die Steuersätze aller Zielländer müssen im System hinterlegt sein, entweder manuell oder über ein aktuell gepflegtes Plugin. Unterhalb der 10.000-Euro-Schwelle darf der deutsche Satz weiterhin angewendet werden. Details dazu, wie OSS technisch im Shop eingerichtet wird, zeigt der Artikel Mehrwertsteuer und OSS-Verfahren im Onlineshop.

Verpackungsgesetz und LUCID-Registrierung

Kurz gesagt: Wer physische Waren verschickt und dabei Verpackungsmaterial in Umlauf bringt, muss sich im Verpackungsregister LUCID registrieren und an einem dualen System teilnehmen. Es gibt keine Bagatellgrenze. Verstöße werden mit Bußgeldern bis 100.000 Euro geahndet.

Das Verpackungsgesetz (VerpackG) verpflichtet seit 2019 jeden, der mit Ware befüllte Verpackungen erstmals in Deutschland in Umlauf bringt, sich in dem öffentlichen Register LUCID (betrieben von der Zentralen Stelle Verpackungsregister, ZSVR) zu registrieren. Das gilt für jeden Onlinehändler, der seine Waren in Kartons, Polstermaterial oder Folien versendet, unabhängig von der Unternehmensgröße.

Die Pflicht besteht aus zwei Teilen:

  1. Registrierung in LUCID (kostenlos, einmalig vor dem ersten Versand)
  2. Systembeteiligung: Abschluss eines Vertrags mit einem dualen System (lizenzierter Entsorger), das die Rücknahme der Verpackungen organisiert. Dafür werden Lizenzentgelte fällig, die sich nach Verpackungsart und -menge richten.

Ohne gültige LUCID-Registrierung dürfen lizenzierte Händler und Marktplätze keine Produkte von einem nicht registrierten Versender anbieten. Die Zentrale Stelle kontrolliert das aktiv. § 36 VerpackG setzt für Verstöße gegen die Registrierungspflicht nach § 9 Bußgelder bis 100.000 Euro fest. Dass diese Sanktionen in der Praxis tatsächlich verhängt werden, belegen veröffentlichte Fallberichte der ZSVR, darunter ein fünfstelliges Bußgeld gegen einen Onlineshop.

Wer ausschließlich digitale Produkte verkauft, braucht keine LUCID-Registrierung, weil keine physische Verpackung in Umlauf gebracht wird.

Pflicht-Rechtstexte: was genau wohin gehört

Ein rechtssicherer Onlineshop braucht mindestens vier Texte: Impressum, Datenschutzerklärung, AGB und Widerrufsbelehrung mit Muster-Widerrufsformular. Vorhanden sein reicht nicht, sie müssen auch an den richtigen Stellen verlinkt und technisch eingebunden sein.

Impressum nach § 5 DDG

Das Digitale-Dienste-Gesetz (DDG) hat 2024 das frühere Telemediengesetz (TMG) abgelöst. Die inhaltlichen Anforderungen aus § 5 DDG entsprechen im Kern dem, was Händler kennen: vollständiger Name oder Firma, ladungsfähige Anschrift (kein Postfach), E-Mail-Adresse, bei GmbH oder AG zusätzlich Handelsregisternummer, Registergericht und alle Vertretungsberechtigten. Die Umsatzsteuer-Identifikationsnummer ist anzugeben, sofern vorhanden.

Das Impressum muss von jeder Seite aus leicht und unmittelbar erreichbar sein. Ein Footer-Link ist Standard. Zwei Klicks sind die anerkannte Obergrenze. Versteckte Links oder mehrfache Weiterleitungen reichen nicht.

Widerrufsbelehrung nach §§ 355, 356 BGB

Das Widerrufsrecht gibt Verbrauchern 14 Tage Zeit, bestellte Waren ohne Angabe von Gründen zurückzusenden (§ 355 BGB). Diese 14 Tage beginnen aber erst, wenn die Widerrufsbelehrung korrekt erteilt wurde. Bleibt sie aus oder ist sie fehlerhaft, beginnt die Frist nicht zu laufen. § 356 Abs. 3 BGB setzt eine Obergrenze: Das Widerrufsrecht erlischt spätestens zwölf Monate und 14 Tage nach dem Erhalt der Ware, auch ohne korrekte Belehrung. Das heißt nicht, dass das Problem klein ist. Ein Kunde, der ein Jahr nach dem Kauf widerruft, ist für den Händler ein erhebliches wirtschaftliches Problem.

Häufige Fehler: Die Belehrung ist nur auf einer Unterseite, aber nicht im Bestellprozess eingebunden. Das Muster-Widerrufsformular fehlt. Die Belehrung geht nicht per E-Mail nach dem Kauf raus. Die Belehrung enthält unzulässige Einschränkungen wie „nur im Originalkarton“.

Ausnahmen vom Widerrufsrecht bestehen für mehrere Kategorien nach § 312g Abs. 2 BGB, darunter individuell angefertigte Waren, verderbliche Lebensmittel, versiegelte Hygieneartikel nach Entsiegelung und digitale Inhalte, die auf ausdrücklichen Wunsch des Kunden vor Ablauf der Frist bereitgestellt wurden. Wer in diesen Segmenten verkauft, muss die Ausnahme korrekt in der Belehrung benennen. Mehr zum Retourenmanagement im laufenden Betrieb erklärt der Artikel Widerruf und Retoure im Onlineshop.

Bestellbutton nach § 312j BGB

Der letzte Klick vor dem Vertragsabschluss unterliegt einer eigenen gesetzlichen Regelung. § 312j Abs. 3 BGB schreibt vor, dass der Bestellbutton gut lesbar mit „zahlungspflichtig bestellen“ oder einer gleichwertig eindeutigen Formulierung beschriftet sein muss. „Kostenpflichtig bestellen“ ist ebenfalls zulässig. „Weiter“, „Bestätigen“ oder „Anmelden“ sind es nicht, weil sie dem Kunden die Zahlungspflicht nicht klar machen.

Unmittelbar vor dem Button muss außerdem eine Zusammenfassung der wesentlichen Vertragsinformationen stehen: die bestellten Waren, der Gesamtpreis inklusive Steuern, Lieferbeschränkungen und akzeptierte Zahlungsmittel (§ 312j Abs. 2 BGB). Wer den Kunden erst auf der Bestätigungsseite mit dem vollen Betrag konfrontiert, erfüllt diese Anforderung nicht.

AGB und Datenschutzerklärung

AGB regeln das Vertragsverhältnis: Liefer- und Zahlungsbedingungen, Eigentumsvorbehalt, Gewährleistung und Haftungsgrenzen. Fertige Mustertexte von Händlerbund oder IT-Recht Kanzlei sind eine seriöse Basis. Sie ersetzen nicht die Anpassung an die tatsächlich angebotenen Produkte und Zahlungsarten.

Die Datenschutzerklärung muss jeden Verarbeitungsvorgang im Shop abdecken: Bestellabwicklung, Kontaktformular, Zahlungsdienstleister, Analyse-Tools, Newsletter und Hosting. Ein generischer Text von 2021 mit Verweisen auf abgeschaltete Dienste genügt nicht. Die Rechtsgrundlage muss für jeden Verarbeitungsvorgang benannt sein. Ein Cookie-Banner mit vorausgewählten Häkchen ist keine wirksame Einwilligung.

In WooCommerce unter „Einstellungen, Erweitert“ werden die Seiten für AGB und Datenschutz verknüpft, damit sie automatisch im Checkout erscheinen. Eine Pflicht-Checkbox, mit der der Kunde AGB und Widerrufsbelehrung aktiv bestätigt, gehört ebenfalls dazu. Newsletter-Opt-in muss separat und unvorbelegt bleiben.

Für die Gesamtschau aller häufigen Abmahnfallen im Onlineshop empfiehlt sich der Artikel Rechtssicherer Onlineshop: Pflichtangaben.

Neu ab Juni 2026: der elektronische Widerrufsbutton

Kurz gesagt: Ab 19. Juni 2026 müssen Onlineshops, über die Verbraucher widerrufsfähige Fernabsatzverträge schließen, einen sichtbaren elektronischen Widerrufsbutton bereitstellen. Rechtsgrundlage ist der neue § 356a BGB. Fehlt er, drohen Bußgelder bis 50.000 Euro und es gilt dieselbe Freistverlängerung wie bei fehlender Widerrufsbelehrung.

Die EU-Richtlinie 2023/2673 zur Verbraucherrechtevereinfachung ist in deutsches Recht umgesetzt worden. Das Herzstück ist § 356a BGB, der am 19. Juni 2026 in Kraft tritt. Er verpflichtet Betreiber von Online-Benutzeroberflächen, über die Verbraucher Fernabsatzverträge mit Widerrufsrecht schließen, eine elektronische Widerrufsfunktion bereitzustellen.

Die Anforderungen an den Button:

  • Beschriftung: „Vertrag widerrufen“ oder eine gleichbedeutende, eindeutig formulierte Alternative
  • Platzierung: gut lesbar, hervorgehoben und leicht zugänglich, während die Widerrufsfrist läuft
  • Nach dem Klick: zweiter Schritt mit einer Bestätigungsfläche (Aufschrift „Widerruf bestätigen“)
  • Eingangsbestätigung: unverzüglich auf einem dauerhaften Datenträger (E-Mail), mit Inhalt der Erklärung sowie Datum und Uhrzeit

Ein unauffälliger Textlink im Footer reicht nicht. Der Button muss sich optisch von Impressum und AGB abheben, etwa durch Farbe oder erhöhten Kontrast.

Bei Verstoß drohen Bußgelder bis 50.000 Euro (§ 19 UWG) und zusätzlich wettbewerbsrechtliche Abmahnungen durch Konkurrenten. Außerdem verlängert das Fehlen des Buttons die Widerrufsfrist analog zur fehlenden Widerrufsbelehrung auf bis zu zwölf Monate und 14 Tage.

Für bestehende WooCommerce-Shops bedeutet das: Vor dem 19. Juni 2026 entweder ein Plugin einsetzen, das diese Funktion abbildet, oder die Funktion im Kundenbereich manuell umsetzen und sichtbar platzieren.

Übersicht: Pflichten, Rechtsgrundlage, WooCommerce-Einstellung

Pflicht Rechtsgrundlage In WooCommerce einrichten
Gesamtpreisangabe (inkl. MwSt. und Versand) § 3 PAngV Einstellungen > Steuer: Preise inkl. MwSt. anzeigen; Versandkosten vollständig im Checkout sichtbar
30-Tage-Tiefstpreis bei Rabattwerbung § 11 PAngV Streichpreise im Produkt nur auf Basis des tatsächlichen 30-Tage-Tiefstpreises setzen
Grundpreisangabe bei mengenpflichtigen Artikeln § 4 PAngV WooCommerce Germanized oder vergleichbares Plugin: Grundpreis je kg/l/m aktivieren
Bestellbutton „zahlungspflichtig bestellen“ § 312j Abs. 3 BGB WooCommerce Germanized oder Checkout-Filter: Button-Text anpassen
Widerrufsbelehrung + Muster-Widerrufsformular § 355 BGB, § 356 BGB Eigene WP-Seite; Einstellungen > Erweitert: Seite verknüpfen; Belehrung in Bestellbestätigungs-E-Mail einfügen
AGB-Pflichtcheckbox im Checkout § 305 BGB, § 312j BGB Einstellungen > Erweitert: AGB-Seite verknüpfen; Checkbox aktivieren
Impressum leicht erreichbar § 5 DDG Footer-Link auf WP-Seite mit vollständigen Pflichtangaben
Datenschutzerklärung aktuell und vollständig Art. 13 DSGVO, § 13 DDG Eigene WP-Seite; Einstellungen > Erweitert: Datenschutz-Seite verknüpfen
Steuersätze korrekt hinterlegt § 19 UStG, § 12 UStG Einstellungen > Steuer: Steuersätze für DE und EU-Länder anlegen
OSS-Verfahren bei EU-Umsätzen > 10.000 € § 3a UStG, § 18j UStG EU-Steuersätze je Zielland hinterlegen; OSS-Meldung über BZSt
LUCID-Registrierung (physische Verpackungen) § 9 VerpackG Registrierung im LUCID-Portal; außerhalb WooCommerce (kein Plugin nötig)
Elektronischer Widerrufsbutton ab 19.06.2026 § 356a BGB Plugin oder Eigenentwicklung: Button „Vertrag widerrufen“ im Kundenbereich sichtbar platzieren

Praxisbeispiel aus unseren Projekten

In einem Projekt für einen mittelgroßen Geschenkeartikel-Shop haben wir den Shop nach einer Abmahnung grundlegend überprüft. Der Auslöser war eine fehlerhafte Widerrufsbelehrung: Sie war vorhanden, aber nicht in die Bestellbestätigungs-E-Mail integriert. Die Widerrufsfrist begann damit formal nie zu laufen. Im selben Audit stellten wir fest, dass der Bestellbutton noch die Aufschrift „Bestellung abschließen“ trug, kein „zahlungspflichtig bestellen“. Außerdem fehlte die LUCID-Registrierung, weil der Shopbetreiber sie als „nur für große Händler“ eingestuft hatte.

Die Behebung aller drei Punkte dauerte weniger als einen halben Tag. Die Abmahnung hatte deutlich mehr Zeit und Geld gekostet. Das ist der Kernpunkt: Diese Konfigurationen sind keine tage- oder wochenlangen Projekte. Sie sind Arbeit von wenigen Stunden, die sich durch das Abmahnrisiko um ein Vielfaches rechnet.

Ein Hinweis zu Rechtstexte-Generatoren: eRecht24 und der Händlerbund bieten aktuell gepflegte Textvorlagen und Schnittstellen, die Änderungen automatisch einspielen. Das ist besonders für Datenschutzerklärungen sinnvoll, weil Drittdienste (Zahlungsanbieter, Tracking) sich häufig ändern. Ob die Texte auf das konkrete Sortiment passen, muss trotzdem jemand prüfen, der den Shop kennt.

Für einen vollständigen Überblick darüber, was einen WooCommerce-Shop von einem Shopify-Shop unterscheidet, wenn es um rechtliche Anforderungen und Konfigurationsaufwand geht, lohnt sich der Artikel WooCommerce oder Shopify.

Sofort-Checkliste

  • LUCID-Registrierung vorhanden und aktiv (gilt für alle, die physische Pakete versenden)?
  • Impressum enthält vollständige Pflichtangaben nach § 5 DDG und ist vom Footer aus erreichbar?
  • Datenschutzerklärung beschreibt alle eingesetzten Dienste (Zahlungsanbieter, Plugins, Analytics)?
  • AGB auf das Sortiment und die Zahlungsarten des Shops angepasst?
  • Widerrufsbelehrung vorhanden, im Bestellprozess sichtbar und per E-Mail nach Kauf versandt?
  • Muster-Widerrufsformular bereitgestellt (eigene Seite oder als Download)?
  • Bestellbutton trägt „zahlungspflichtig bestellen“ oder gleichwertige Formulierung?
  • Bestellübersicht zeigt vor dem Button Gesamtpreis, Artikel und Lieferbedingungen?
  • Versandkosten sind spätestens im letzten Checkout-Schritt vollständig sichtbar?
  • Streichpreise basieren auf dem tatsächlichen 30-Tage-Tiefstpreis?
  • Grundpreise bei mengenpflichtigen Artikeln (Lebensmittel, Kosmetik) korrekt hinterlegt?
  • Steuersätze für alle Produktkategorien geprüft und in WooCommerce korrekt zugewiesen?
  • OSS-Verfahren geprüft: liegt EU-weiter B2C-Umsatz über 10.000 Euro?
  • Kleinunternehmer: Grenzen 25.000 Euro (Vorjahr) und 100.000 Euro (laufend) im Blick?
  • Widerrufsbutton „Vertrag widerrufen“ bis 19. Juni 2026 geplant und umgesetzt?
Das Wichtigste zum Mitnehmen

  • Vier Rechtstexte sind Pflicht: Impressum (§ 5 DDG), Datenschutzerklärung (DSGVO), AGB und Widerrufsbelehrung mit Formular (§§ 355, 356 BGB). Jeder fehlende oder veraltete Text ist ein messbares Risiko.
  • Eine fehlerhafte Widerrufsbelehrung verlängert das Rückgaberecht automatisch auf bis zu 12 Monate und 14 Tage. Das ist das eigentliche wirtschaftliche Risiko, nicht nur die Abmahngefahr.
  • LUCID gilt für alle, die Waren in physischen Verpackungen versenden, unabhängig von der Größe. Die Registrierung ist kostenlos, die Nichtregistrierung kann bis zu 100.000 Euro kosten.
  • Ab 19. Juni 2026 ist der elektronische Widerrufsbutton (§ 356a BGB) Pflicht. Wer ihn nicht einbaut, riskiert Bußgelder und dieselbe Fristverlängerung wie bei fehlender Belehrung.

Häufige Fragen

Muss ich für jeden EU-Mitgliedstaat eigene Steuersätze in WooCommerce hinterlegen?

Erst dann, wenn der EU-weite Jahresumsatz aus B2C-Verkäufen in andere EU-Länder die 10.000-Euro-Schwelle übersteigt und das OSS-Verfahren angewendet wird. Unterhalb dieser Grenze darf der deutsche Steuersatz auf EU-Lieferungen angewendet werden. Oberhalb müssen die nationalen Sätze des jeweiligen Ziellandes hinterlegt sein. Spezialisierte Plugins halten diese Tabellen aktuell gepflegt.

Gilt die Widerrufsbelehrung auch für digitale Produkte?

Grundsätzlich ja. Für digitale Inhalte besteht jedoch eine Ausnahme nach § 312g Abs. 2 Nr. 13 BGB: Wenn der Verbraucher vor dem Kauf ausdrücklich zugestimmt hat, dass mit der Lieferung vor Ablauf der Widerrufsfrist begonnen wird, und er zur Kenntnis genommen hat, dass sein Widerrufsrecht damit erlischt. Diese Ausnahme muss in der Widerrufsbelehrung klar kommuniziert und vom Kunden aktiv per Checkbox bestätigt werden.

Braucht auch ein kleiner Shopbetreiber eine LUCID-Registrierung?

Wer physische Waren in Verpackungen versendet, braucht eine LUCID-Registrierung, unabhängig von der Unternehmensgröße. Das Verpackungsgesetz kennt keine Bagatellgrenze für die Registrierungspflicht nach § 9 VerpackG. Wer ausschließlich digitale Inhalte verkauft oder Waren, die der Käufer selbst abholt, ohne Versandverpackung, ist nicht betroffen.

Was passiert, wenn der Bestellbutton nicht korrekt beschriftet ist?

Fehlt die eindeutige Formulierung nach § 312j Abs. 3 BGB, ist der Vertrag nach § 312j Abs. 4 BGB nicht wirksam geschlossen. Der Käufer kann die Zahlung dann ablehnen. Zusätzlich drohen wettbewerbsrechtliche Abmahnungen. In der Praxis ist das einer der häufigsten Abmahngründe im E-Commerce.

Was muss der neue Widerrufsbutton ab Juni 2026 konkret leisten?

Der Button muss während der Widerrufsfrist ständig erreichbar, hervorgehoben platziert und gut lesbar mit „Vertrag widerrufen“ oder einer gleichwertigen Formulierung beschriftet sein. Nach dem Klick folgt ein zweiter Schritt zur Bestätigung. Anschließend muss der Händler unverzüglich eine Eingangsbestätigung per E-Mail senden, die den Widerrufsinhalt sowie Datum und Uhrzeit enthält.

Gilt die Kleinunternehmerregelung noch, wenn ich 2024 unter 22.000 Euro Umsatz hatte?

Seit dem Jahressteuergesetz 2024 gelten ab 1. Januar 2025 neue Netto-Schwellenwerte: 25.000 Euro Vorjahresumsatz (bisher 22.000 Euro brutto) und 100.000 Euro im laufenden Kalenderjahr (bisher 50.000 Euro brutto). Die Umstellung auf Nettobeträge ist dabei wichtig: Der tatsächliche Grenzwert liegt bei Kleinunternehmern oft niedriger als auf den ersten Blick, weil die Umsatzsteuer herausgerechnet wird.