Das Wichtigste in 30 Sekunden

  • Versandkosten in WooCommerce funktionieren über Versandzonen. Passt keine Zone oder fehlt in der zutreffenden Zone eine aktive Versandmethode, bietet der Shop im Checkout keinen Versand an und der Kunde sieht eine Fehlermeldung. Versandkostenfrei wird es nur, wenn einer Auffang-Zone (z. B. Restliche Welt) versehentlich eine kostenlose Methode zugewiesen ist.
  • Flat Rate, kostenloser Versand und lokale Abholung sind Bordmittel. Für gewichts- oder warenkorbbasierte Staffeln braucht es entweder die eingebauten Formeln oder ein Plugin.
  • Nach § 6 PAngV müssen Versandkosten angegeben werden, sobald sie sich vernünftigerweise im Voraus berechnen lassen. Dass sie vor dem Bestellabschluss vollständig sichtbar sein müssen, folgt aus den vorvertraglichen Informationspflichten (§ 312j BGB).
  • Versandklassen lohnen sich, sobald das Sortiment Produkte mit sehr unterschiedlichem Gewicht oder Volumen enthält. Die Klasse muss jedem Produkt einzeln zugewiesen werden, sonst greift der Aufschlag nicht.

Versandkosten sind für viele Onlineshop-Betreiber der erste Moment, an dem die Konfiguration unübersichtlich wird. WooCommerce bringt ein durchdachtes System mit, aber es funktioniert nur, wenn die Bausteine in der richtigen Reihenfolge aufgebaut werden: erst die Zone, dann die Methode, dann die Kosten. Wer das umkehrt oder eine Zone vergisst, wundert sich über fehlendes Versandgeld oder über Bestellungen, die ungewollt versandkostenfrei durchrutschen.

Dieser Ratgeber zeigt, wie Sie Versandzonen anlegen, Pauschalpreise und Staffeln einrichten, kostenlosen Versand ab einem Schwellenwert aktivieren und Versandklassen für unterschiedliche Produkttypen nutzen. Dazu die wichtigsten rechtlichen Pflichten, die Onlineshops bei der Versandkostenangabe einhalten müssen. Was mit WooCommerce-Bordmitteln geht und wann ein Plugin sinnvoller ist, ist ebenfalls Teil des Artikels.

Die Grundkonfiguration eines WooCommerce-Shops, also Steuern, Währung und Shopstandort, setzt dieser Artikel voraus. Wer dort noch Lücken hat, findet die nötigen Schritte im Artikel WooCommerce einrichten: Die 12 Einstellungen vor dem Launch. Wem die Konfiguration zu aufwendig ist oder wer einen professionellen WooCommerce-Shop aufbauen lassen will, findet auf der Leistungsseite Websites & Onlineshops mehr dazu.

Wie WooCommerce Versandkosten berechnet

Kurz gesagt: WooCommerce ordnet jeden Kunden einer Versandzone zu, basierend auf seiner Lieferadresse. Innerhalb dieser Zone bestimmen die aktiven Versandmethoden, was berechnet wird. Passt keine Zone, gibt es keinen Versand.

Das Prinzip ist einfach: Eine Versandzone ist eine geografische Region. Jeder Zone können Sie beliebig viele Versandmethoden zuordnen, etwa eine Pauschale und gleichzeitig kostenlosen Versand ab einem Mindestbestellwert. Der Kunde sieht beim Checkout alle Methoden seiner Zone und wählt aus.

WooCommerce arbeitet die Zonenliste von oben nach unten durch und ordnet den Kunden der ersten passenden Zone zu. Das ist wichtig: Wer eine Zone für Nordrhein-Westfalen anlegt und darunter eine Zone für ganz Deutschland, muss NRW in der Liste weiter oben stehen haben. Sonst greift Deutschland zuerst und die NRW-spezifischen Konditionen gelten nie.

Am Ende der Zonenliste steht immer der Eintrag „Nicht zugeordnete Standorte“. Er greift für alle Lieferadressen, die in keine Ihrer definierten Zonen passen. Lassen Sie ihn ohne aktive Versandmethode, zeigt WooCommerce dem Kunden beim Checkout an, dass kein Versand in sein Land angeboten wird. Weisen Sie ihm versehentlich eine kostenlose Methode zu, wird jede Bestellung aus einer nicht definierten Region versandkostenfrei. Das ist ein häufiger Fehler bei neu eingerichteten Shops.

Versandzonen anlegen: Schritt für Schritt

Der Menüpfad lautet WooCommerce > Einstellungen > Versand > Versandzonen. Dort klicken Sie auf „Zone hinzufügen“.

  1. Zonenname vergeben. Der Name ist nur intern sichtbar, also darf er sprechend sein: „Deutschland Standard“, „Österreich“, „EU Zone 1″.
  2. Region auswählen. WooCommerce lässt Sie einzelne Länder, Bundesländer oder ganze Kontinente wählen. Für eine deutschlandweite Zone wählen Sie einfach „Deutschland“.
  3. Optional: PLZ-Filter aktivieren. Aktivieren Sie „Auf bestimmte Postleitzahlen begrenzen“, wenn die Zone nur für bestimmte Postleitzahlgebiete gelten soll. WooCommerce versteht Einzelwerte (80331), Platzhalter (803*) und numerische Bereiche (80331…80339). Platzhalter und Bereichsschreibweise lassen sich nicht kombinieren.
  4. Versandmethoden hinzufügen. Nach dem Speichern der Zone klicken Sie auf „Versandmethode hinzufügen“ und wählen die gewünschte Methode aus.

Für die meisten deutschen Shops genügen zwei bis drei Zonen: eine für Deutschland, eine für die EU-Nachbarländer und der nicht zugeordnete Rest ohne Methode. Wer nur nach Deutschland liefert, legt eine Zone an und lässt alles andere leer.

Flat Rate: Pauschale und Staffeln

Kurz gesagt: Flat Rate ist die flexibelste eingebaute Versandmethode. Neben einem festen Pauschalbetrag können Sie Formeln einsetzen, die Versandkosten nach Artikelanzahl oder prozentual vom Warenkorbwert berechnen.

Nachdem Sie Flat Rate als Methode zu einer Zone hinzugefügt haben, öffnet sich ein Konfigurationsdialog. Das Kostenfeld nimmt entweder einen festen Betrag (4.95) oder eine Formel an.

Verfügbare Formeln:

  • [qty] steht für die Anzahl der Artikel im Warenkorb. Mit 2 + (1.5 * [qty]) berechnen Sie 2 Euro Grundgebühr plus 1,50 Euro je Artikel.
  • [fee percent=“Wert“] berechnet einen prozentualen Anteil des Warenkorbwerts. Mit 3.90 + [fee percent="2"] erheben Sie 3,90 Euro plus 2 Prozent des Warenkorbwerts als Versandkostenzuschlag.
  • [fee percent=“Wert“ min_fee=“Betrag“] setzt eine Untergrenze. Mit [fee percent="5" min_fee="3.90"] gilt mindestens 3,90 Euro, auch wenn 5 Prozent darunter liegen.

Diese Formeln sind WooCommerce-Bordmittel. Für kompliziertere Regelwerke, etwa gestaffelte Versandkosten nach Gewichtsbändern oder echtzeit-Abfragen beim Paketdienstleister, brauchen Sie ein Plugin wie Table Rate Shipping (offizielle WooCommerce-Erweiterung, kostenpflichtig) oder eine der freien Alternativen.

Sie können mehrere Flat-Rate-Methoden innerhalb einer Zone anlegen, etwa eine für Standardlieferung und eine für Expressversand. Der Kunde wählt beim Checkout. Vergeben Sie sprechende Bezeichnungen, damit die Auswahl klar ist.

Kostenloser Versand ab Mindestbestellwert

Kostenloser Versand ab einem Schwellenwert ist eine bewährte Methode, den durchschnittlichen Bestellwert zu steigern. In WooCommerce ist das eine eigenständige Versandmethode, keine Einstellung an der Flat Rate.

Gehen Sie in die gewünschte Zone, fügen Sie „Kostenloser Versand“ als Methode hinzu und öffnen Sie die Einstellungen. Unter „Bedingungen für kostenlosen Versand“ wählen Sie:

  • Keine Voraussetzung: immer kostenlos, ohne Bedingung.
  • Coupon für kostenlosen Versand: nur bei eingelöstem Gutschein.
  • Mindestbestellwert: kostenlos ab einem definierten Betrag. Geben Sie den Schwellenwert im Feld darunter ein.
  • Mindestbestellwert ODER Coupon: eine der beiden Bedingungen reicht.
  • Mindestbestellwert UND Coupon: beide Bedingungen müssen erfüllt sein.

Ein Fallstrick bei der Mindestbestellwert-Option: Standardmäßig prüft WooCommerce den Warenkorbwert nach Gutscheinabzug. Ein Gutschein über 10 Euro auf einen 55-Euro-Warenkorb senkt den Wert auf 45 Euro, und der kostenlose Versand ab 50 Euro greift nicht mehr. Das Verhalten lässt sich in der Methode umschalten. Die Checkbox „Mindestbestellwert vor Couponabzug prüfen“ stellt sicher, dass der ursprüngliche Warenkorbwert zählt.

Empfehlung: Blenden Sie die Flat-Rate-Pauschale aus, sobald der kostenlose Versand greift. Unter WooCommerce > Einstellungen > Versand > Versandoptionen gibt es dafür die Option „Andere Versandmethoden ausblenden, wenn der kostenlose Versand verfügbar ist“. Damit sieht der Kunde keine verwirrende Auswahl zwischen bezahltem und kostenlosem Versand.

Versandklassen: unterschiedliche Tarife je Produkt

Kurz gesagt: Versandklassen gruppieren Produkte nach Versandaufwand. Ein schweres Gerät bekommt die Klasse „Schwer“ und löst damit an der Flat Rate einen höheren Betrag aus. Die Klasse muss jedem Produkt einzeln zugewiesen sein.

Versandklassen richten Sie unter WooCommerce > Einstellungen > Versand > Klassen ein. Klicken Sie auf „Versandklasse hinzufügen“, vergeben Sie einen Namen und einen Slug. Beispiele: Klasse „Schwer“ (Slug: schwer) für Artikel über 20 kg, Klasse „Sperrgut“ (Slug: sperrgut) für große Verpackungsmaße.

Die Klasse allein macht noch nichts. Sie wird erst aktiv, wenn Sie sie mit einem Kostenaufschlag an einer Flat-Rate-Methode verknüpfen. Öffnen Sie dazu die Flat-Rate-Einstellungen einer Zone. Unterhalb des Standard-Kostenfelds erscheint für jede angelegte Versandklasse ein eigenes Kostenfeld. Tragen Sie dort den Aufschlag ein, etwa 8,90 Euro für die Klasse „Schwer“.

Dann muss die Klasse jedem betroffenen Produkt zugewiesen werden: Produkt öffnen, Tab „Versand“, Versandklasse aus dem Dropdown wählen, speichern. Das muss für jedes Produkt einzeln geschehen. Eine Massenbearbeitung ist über die WordPress-Listenansicht möglich: Produkte auswählen, Bulk-Aktion „Bearbeiten“ anwenden, Versandklasse setzen.

Jedes Produkt kann nur eine Versandklasse haben. Bei variablen Produkten lässt sich die Klasse für jede Variante separat setzen.

Der Berechnungsmodus für gemischte Warenkörbe lässt sich ebenfalls in der Flat Rate einstellen: „Pro Klasse“ berechnet für jede enthaltene Klasse den jeweiligen Klassenbetrag. „Pro Bestellung“ zieht nur den Satz der teuersten Klasse heran. Welche Option sinnvoller ist, hängt vom Sortiment ab. Ein Satz pro Bestellung schützt Kunden davor, mehrfach belastet zu werden, wenn sie mehrere teure Artikel gleichzeitig kaufen.

Lokale Abholung einrichten

Local Pickup ist die dritte eingebaute Versandmethode. Sie fügen sie in der gewünschten Zone hinzu und vergeben optional einen Preis. Für viele stationäre Händler mit Onlineshop ist Abholung kostenlos (0 Euro).

WooCommerce bietet zwei Local-Pickup-Varianten:

  • Die klassische Methode funktioniert mit dem alten Shortcode-Checkout und dem Block-Checkout. Sie zeigt die Abholung als Versandoption, ohne eine Abholadresse prominent anzuzeigen.
  • Local Pickup für den Block-Checkout (im Block-Checkout integriert) zeigt dem Kunden beim Checkout direkt die Abhol-Standorte mit Adresse und Öffnungszeiten an und ermöglicht, mehrere Standorte zu hinterlegen. Die Konfiguration dafür liegt unter WooCommerce > Einstellungen > Versand > Lokale Abholung, nicht in den Versandzonen.

Wichtig: Verwenden Sie nicht beide Varianten gleichzeitig. Das verwirrt Kunden, weil dieselbe Option doppelt erscheint. Wer den Block-Checkout nutzt, sollte die neuere Variante nehmen.

Für aufwendigere Szenarien, also Abholtermine mit Zeitfenstern, eine Kartenansicht der Standorte oder eine Lieferung nur im definierten PLZ-Radius, brauchen Sie ein Plugin. Details dazu, welche Plugins für lokale Lieferung und Abholung sinnvoll sind, beschreibt der Artikel WooCommerce lokale Lieferung.

Versandmethoden im Vergleich

Methode Was sie kann Bordmittel? Typischer Einsatz
Flat Rate (Pauschale) Fester Betrag, optional Formel nach Stückzahl oder Prozentwert, Versandklassen-Aufschläge Ja Standardversand mit einheitlichem Preis
Kostenloser Versand Gratis, optional ab Mindestbestellwert oder mit Coupon Ja Gratisversand als Kaufanreiz
Lokale Abholung Click & Collect, ein oder mehrere Standorte (Block-Checkout), optional Preis Ja Stationäre Händler, lokale Abholung
Gewichtsbasierte Staffel Unterschiedliche Preise je Gewichtsband Nein (Plugin) Sortimente mit stark variierendem Gewicht
Echtzeit-Abfrage Paketdienstleister DHL, DPD, UPS, aktueller Preis je Bestellung Nein (Plugin) Shops mit vielen Ländern und variablen Gewichten
Lieferzeitfenster / Zustelltermin Auswahl des Lieferdatums oder -fensters durch den Kunden Nein (Plugin) Lebensmittel, Catering, lokale Dienstleister

Profi-Sicht: Formeln, Fallstricke und Optionen

Einige Einstellungen, die häufig übersehen werden, aber einen messbaren Unterschied machen:

Versandkostenrechner im Warenkorb. Aktivieren Sie unter WooCommerce > Einstellungen > Versand > Versandoptionen den Versandkostenrechner. Kunden sehen damit schon im Warenkorb eine Versandkostenschätzung, bevor sie ihre Adresse im Checkout eingetragen haben. Das reduziert Abbrüche, weil die Versandkosten keine Überraschung am Ende sind.

Versandsteuerklasse. Setzen Sie die Steuerklasse für Versandkosten auf „Basierend auf Warenkorbartikel“. Dann rechnet WooCommerce die Steuer auf Versandkosten anteilig nach den enthaltenen Produkten. Das ist der korrekte Ansatz für gemischte Warenkörbe mit 19 % und 7 % Produkten, weil Versandkosten steuerlich als Nebenleistung dem Hauptprodukt folgen.

Versteckte Versandkosten bis zur Adresseingabe. Unter den Versandoptionen können Sie einstellen, dass Versandkosten erst angezeigt werden, wenn der Kunde eine Adresse eingegeben hat. Sinnvoll ist das, wenn Ihre Versandkosten stark nach Region variieren und ein frühzeitiger Anzeigewert eher verwirrt als hilft. Für die meisten Standard-Shops ist die Schätzung im Warenkorb jedoch klarer.

Digitale Produkte. Artikel, die als „virtuell“ markiert sind, werden von der Versandberechnung ausgenommen. Bei gemischten Warenkörben mit physischen und digitalen Produkten berechnet WooCommerce nur für die physischen Artikel Versand. Die Markierung als virtuell nehmen Sie im Produktstamm vor: Produktdaten, Häkchen bei „Virtuell“.

Plugin-Empfehlung für Gewichtsstaffeln. Wer Versandkosten nach Gewichtsbändern berechnen will, kommt mit den eingebauten Formeln an Grenzen. Das offizielle Plugin Table Rate Shipping erlaubt komplexe Staffeln nach Gewicht, Stückzahl, Warenkorbwert oder Versandklasse, mit beliebig vielen Regeln pro Zone. Für einfachere Anforderungen gibt es freie Alternativen im Plugin-Verzeichnis.

Rechtliche Transparenzpflichten

Kurz gesagt: Nach § 6 PAngV müssen Versandkosten bei Fernabsatzverträgen angegeben werden, sobald sie vernünftigerweise im Voraus berechnet werden können. Der vollständige Betrag muss vor dem letzten Schritt zum Kaufabschluss sichtbar sein.

Die Preisangabenverordnung (PAngV) schreibt für Onlineshops konkret vor, was bei Versandkosten zu tun ist. Die relevanten Stellen:

§ 6 PAngV, Pflicht bei Fernabsatzverträgen. Wer Waren online anbietet, muss neben dem Gesamtpreis angeben, ob zusätzliche Versand-, Fracht- oder Lieferkosten anfallen, und deren Höhe, soweit diese vernünftigerweise im Voraus berechnet werden kann. Das bedeutet: Wer einen Pauschalversand von 4,95 Euro erhebt, muss diesen Betrag sichtbar ausweisen, und zwar bevor der Kunde auf „zahlungspflichtig bestellen“ klickt. Die Versandkosten auf einer Unterseite zu verbergen und erst auf der Bestellbestätigung zu nennen genügt nicht.

In der Praxis heißt das für WooCommerce: Der Versandkostenrechner im Warenkorb und die Versandkostenangabe im Checkout sind keine optionale Komfortoption, sondern Teil der gesetzlichen Transparenzpflicht.

§ 4 PAngV, Grundpreisangabe. Wer Waren verkauft, die nach Gewicht, Volumen, Länge oder Fläche gemessen werden, muss neben dem Gesamtpreis den Grundpreis je Mengeneinheit angeben. Für Produkte, die nach Kilogramm, Liter oder Meter verkauft werden, ist der Grundpreis Pflicht. In WooCommerce löst das das Plugin Germanized, das Grundpreise automatisch berechnet und ausweist, wenn Gewicht und Verpackungsinhalt am Produkt gepflegt sind.

Lieferzeiten angeben. Die Angabe einer Lieferzeit ist zwar nicht direkt in der PAngV, aber in der EU-Verbraucherrechterichtlinie und deren Umsetzung in §§ 312a ff. BGB verankert. Im deutschen Onlinehandel gilt die Lieferzeitangabe als notwendige Pflichtinformation vor Vertragsabschluss. Fehlende oder zu vage Lieferzeitangaben (etwa „in der Regel 2–5 Werktage“ ohne Angabe, ab wann diese Frist gilt) sind ein Abmahngrund. WooCommerce zeigt die Lieferzeitangabe, die Sie am Produkt oder an der Versandmethode hinterlegen, direkt im Checkout an. Bei Nutzung von Germanized gibt es dafür eigene Felder je Versandmethode.

Lieferländer transparent machen. Bieten Sie nur in bestimmte Länder an, muss das für den Kunden erkennbar sein. WooCommerce löst das automatisch: Wer für ein Land keine Versandzone und keine Versandmethode angelegt hat, erhält beim Checkout den Hinweis, dass kein Versand in sein Land verfügbar ist. Trotzdem lohnt es sich, im Shop an sichtbarer Stelle auf die Liefergebiete hinzuweisen, damit Kunden aus nicht belieferten Ländern erst gar nicht einen langen Bestellprozess starten.

Alle weiteren Rechtspflichten, also Widerrufsbelehrung, Bestellbutton, AGB und Pflichtrechtstexte, sind ein eigenes Kapitel und im Artikel Versand, Steuern und Rechtstexte in WooCommerce behandelt.

Aus der Praxis: Versandkosten, die die Marge fressen

In einem Projekt sahen wir einen Händler für Heimtextilien, der seit dem Shop-Launch Versandkosten von 3,90 Euro berechnete und sich über sinkende Gewinne bei zunehmenden Bestellungen wunderte. Die Ursache lag nicht in den Zahlungsgebühren, sondern in den Versandkosten selbst: Viele Bestellungen enthielten mehrere schwere Artikel, die tatsächlichen Paketdienstleister-Kosten lagen je nach Gewicht zwischen 4,90 und 7,50 Euro. Der Shop berechnete immer die Pauschale von 3,90 Euro, unabhängig vom Gewicht.

Die Lösung bestand aus zwei Schritten: erstens drei Versandklassen anlegen (Leicht unter 2 kg, Standard 2 bis 10 kg, Schwer über 10 kg) und die realen Versandkosten je Klasse eintragen, zweitens einen kostenlosen Versand ab 79 Euro als zweite Methode aktivieren, der nur griff, wenn ausschließlich Artikel der Klasse „Leicht“ im Warenkorb lagen. Das war mit einer Plugin-Lösung für bedingte Versandmethoden umsetzbar (etwa dem offiziellen Conditional Shipping and Payments). Ergebnis: Die Versanddeckungslücke schloss sich, ohne dass die Conversion-Rate messbar zurückging, weil die Preise weiterhin im Marktbereich lagen.

  • Ist für jedes Lieferland eine Versandzone angelegt?
  • Haben alle Zonen mindestens eine aktive Versandmethode?
  • Ist der Eintrag „Nicht zugeordnete Standorte“ ohne Methode, damit keine ungewollten Gratis-Bestellungen durchkommen?
  • Steht die engste Zone (einzelne PLZ, Bundesland) in der Liste über der weiteren Zone (Land, EU)?
  • Sind Versandklassen angelegt und jedem betroffenen Produkt zugewiesen?
  • Gilt der kostenlose Versand wirklich erst ab dem richtigen Betrag, auch nach Gutscheinabzug?
  • Sind die tatsächlichen Versandkosten des Paketdienstleisters in die Kalkulation eingeflossen?
  • Zeigt der Warenkorb bereits eine Versandkostenschätzung (Versandkostenrechner aktiv)?
  • Ist die Versandsteuerklasse auf „Basierend auf Warenkorbartikel“ gesetzt?
  • Sind Lieferzeitangaben an allen Versandmethoden gepflegt?
  • Sind Grundpreise für gewichts- oder volumenbezogene Produkte korrekt ausgewiesen?
  • Sind die Versandkosten vor dem letzten Checkout-Schritt vollständig sichtbar?
Das Wichtigste zum Mitnehmen

  • Versandzonen sind die Grundlage. Ohne Zone gibt es keine Versandmethode. Fehlende Zonen führen entweder zu ungewolltem Gratisversand oder zu Fehlermeldungen beim Checkout.
  • Flat Rate mit Versandklassen reicht für viele Shops. Echte Gewichtsstaffeln oder Echtzeit-Abfragen beim Paketdienstleister brauchen ein Plugin.
  • Kostenloser Versand ab Mindestbestellwert steigert den durchschnittlichen Bestellwert, sollte aber mit der Funktion „andere Methoden ausblenden“ kombiniert werden, damit der Checkout übersichtlich bleibt.
  • § 6 PAngV ist klar: Versandkosten müssen vor dem Kaufabschluss vollständig sichtbar sein. Der Versandkostenrechner im Warenkorb ist kein Komfort-Feature, sondern Teil der Transparenzpflicht.

Häufige Fragen

Was passiert, wenn ich keine Versandzone anlege?

Ohne Versandzonen bietet WooCommerce im Checkout keine Versandmethode an. Der Kunde sieht entweder eine Fehlermeldung oder, je nach Shop-Konfiguration, den Hinweis, dass kein Versand in sein Land möglich ist. Bis WooCommerce 2.6 gab es eine einfachere Legacy-Konfiguration ohne Zonen. In aktuellen Versionen sind Versandzonen der einzige unterstützte Weg.

Kann ich für verschiedene Postleitzahlen unterschiedliche Preise setzen?

Ja. Legen Sie mehrere Versandzonen mit PLZ-Filtern an und weisen Sie jeder Zone eigene Flat-Rate-Methoden mit unterschiedlichen Beträgen zu. Achten Sie auf die Reihenfolge in der Zonenliste: WooCommerce wählt die erste passende Zone.

Wie richte ich kostenlosen Versand ab 50 Euro ein?

Fügen Sie in der gewünschten Zone die Versandmethode „Kostenloser Versand“ hinzu. Wählen Sie als Bedingung „Mindestbestellwert“ und tragen Sie 50 als Betrag ein. Optional können Sie die Flat-Rate-Pauschale für diese Zone ausblenden, sobald die Bedingung erfüllt ist. Die Option dafür heißt „Andere Versandmethoden ausblenden, wenn der kostenlose Versand verfügbar ist“ und liegt unter WooCommerce > Einstellungen > Versand > Versandoptionen.

Muss ich Versandkosten auf der Produktseite angeben?

Eine Pflicht zur Angabe direkt auf der Produktseite gibt es nicht, wohl aber die Pflicht, die Versandkosten spätestens vor dem Kaufabschluss vollständig anzuzeigen (§ 6 PAngV). Der gängige und rechtlich akzeptierte Weg ist ein Hinweis auf der Produktseite wie „zzgl. Versandkosten“ mit einem Link zu einer Seite, die die Versandkosten nach Region aufschlüsselt, und eine vollständige Anzeige im Warenkorb und Checkout.

Wie berechnet WooCommerce Versandkosten bei gemischten Warenkörben mit 19 % und 7 % MwSt.?

Das regelt die Versandsteuerklasse in der Flat-Rate-Methode. Setzen Sie sie auf „Basierend auf Warenkorbartikel“, berechnet WooCommerce die Steuer auf Versandkosten anteilig entsprechend der Steuersätze im Warenkorb. Das ist der korrekte Ansatz, weil Versandkosten steuerlich als Nebenleistung dem Hauptprodukt folgen.

Reichen die WooCommerce-Bordmittel oder brauche ich ein Plugin?

Für Pauschalversand, kostenlosen Versand ab Mindestbestellwert, Versandklassen mit Aufschlägen und lokale Abholung reichen die Bordmittel. Sobald Sie echte Gewichtsstaffeln, Echtzeit-Preise vom Paketdienstleister, Lieferzeitfenster oder Mehrdepot-Logik brauchen, ist ein Plugin der sauberere Weg.

Wie weise ich Versandklassen zu mehreren Produkten auf einmal zu?

In der WordPress-Produktliste wählen Sie die betroffenen Produkte per Checkbox aus, öffnen die Bulk-Aktion „Bearbeiten“, klicken auf „Anwenden“ und setzen im erscheinenden Dialog die Versandklasse. Nach dem Klick auf „Aktualisieren“ übernimmt WooCommerce die Klasse für alle ausgewählten Produkte.