Das Wichtigste in 30 Sekunden

  • WordPress und WooCommerce sind kostenlos. Bezahlt wird alles drumherum: Hosting, Theme, Plugins, Zahlungsgebühren und die laufende Pflege.
  • In Eigenregie kostet ein einfacher Shop im ersten Jahr rund 300 bis 700 Euro, ohne Berücksichtigung des Zeitaufwands für rechtliche Korrektheit. Professionell von einer Agentur gebaut beginnt es bei etwa 5.000 Euro aufwärts.
  • Für den Betrieb sollten Sie 100 bis 200 Euro im Monat für Hosting, Wartung und Plugin-Lizenzen einplanen.
  • Die meistunterschätzte Position sind die Transaktionsgebühren pro Verkauf: PayPal nimmt für Waren und Dienstleistungen 2,49 Prozent plus 0,35 Euro, Stripe ab 1,5 Prozent plus 0,25 Euro.
  • Entscheidend ist die Drei-Jahres-Sicht: Über drei Jahre übersteigen Wartung, Lizenzen und Gebühren oft den einmaligen Aufbaupreis.

Sie wollen einen Onlineshop mit WooCommerce starten und überall liest sich das wie ein Geschenk: kostenlos, Open Source, keine monatliche Gebühr. Das stimmt für die Software und führt trotzdem in der Praxis zu Fehlkalkulationen. Dieser Ratgeber rechnet ehrlich durch, was ein WooCommerce-Shop 2026 wirklich kostet, vom ersten Setup bis zur Gebühr, die bei jedem Verkauf abgezogen wird. Am Ende können Sie Ihr Budget belastbar planen und erkennen Angebote, die zu schön klingen, um seriös zu sein.

Warum WooCommerce kostenlos ist und der Shop trotzdem Geld kostet

Kurz gesagt: WooCommerce ist ein kostenloses, quelloffenes Plugin für WordPress. Geld kostet die Infrastruktur darum herum: ein Server, auf dem der Shop läuft, kostenpflichtige Erweiterungen, die Gebühren der Zahlungsanbieter und die Zeit für Pflege und Updates.

WordPress und das Shop-Plugin WooCommerce stehen beide unter der freien GPL-Lizenz. Sie zahlen für den Download keinen Cent, und niemand kann Ihnen die Software wieder wegnehmen. Genau dieser Punkt macht WooCommerce für kleine und mittlere Händler attraktiv: keine Abhängigkeit von einem Anbieter, der morgen die Preise erhöht.

Nur betreibt sich ein Shop nicht von allein. Ein passender Vergleich ist ein geschenktes Auto. Der Wagen kostet nichts, fahren können Sie ihn erst mit Sprit, Versicherung, Reifen und Inspektion. Beim Shop heißt das: Hosting, Domain, ein paar verlässliche Plugins, ein Zahlungsanbieter, rechtskonforme Texte und regelmäßige Updates. Diese Posten sind überschaubar, aber sie fallen an. Wer sie ignoriert, kalkuliert seinen Verkaufspreis zu knapp.

Die drei Kostenebenen eines WooCommerce-ShopsEin WooCommerce-Shop verursacht Kosten auf drei Ebenen: den einmaligen Aufbau zwischen null Euro im Selbstbau und über fünftausend Euro bei einer Agentur, den laufenden Betrieb mit rund hundert bis zweihundert Euro im Monat für Hosting, Lizenzen und Wartung, sowie die Zahlungsgebühr von etwa eineinhalb bis drei Prozent plus Fixbetrag bei jedem Verkauf.Drei Kostenebenen eines WooCommerce-ShopsEinmaligLaufendPro VerkaufAufbau des Shopsselbst bis AgenturHosting, Wartung,anteilige LizenzenZahlungsgebühr,wächst mit Umsatz0 bis 5.000 €+rund 100 bis 200 € mtl.1,5 bis 3 % + Fix
Die drei Kostenebenen eines WooCommerce-Shops. Die Gebührensätze stammen von den Anbietern, etwa Stripe; die Aufbau- und Betriebsspannen sind Marktbeobachtung von ihp media.

Einmalige Kosten: Was der Aufbau kostet

Die größte Spanne liegt beim Aufbau, und sie hängt nur an einer Frage: Wer baut den Shop? Es gibt drei Wege, und sie unterscheiden sich nicht im Ergebnis-Etikett, sondern in Zeit, Risiko und Folgekosten.

Selbst bauen. Technisch versierte Gründer richten einen einfachen Shop selbst ein. Die Software ist kostenlos, es bleiben Hosting, Domain und einige kostenpflichtige Plugins. Realistisch landen Sie im ersten Jahr bei rund 300 bis 700 Euro, der Hauptpreis ist Ihre Zeit. Für ein Hobby oder einen Test ist das ideal, für einen Shop, von dem Ihr Umsatz abhängt, ist die selbst gebaute Variante oft die teuerste, weil Fehler bei Steuer, Rechtstexten und Sicherheit später Geld kosten.

Freelancer beauftragen. Ein erfahrener Freelancer baut einen soliden Standardshop, meist im niedrigen vierstelligen Bereich. Das Risiko liegt in der Abhängigkeit von einer Person, ein einzelner Freelancer ist anfälliger für Ausfälle und lange Reaktionszeiten als ein Team.

Agentur beauftragen. Ein professionell gebauter Shop mit sauberem Setup für Steuer, Versand, Zahlung und Recht beginnt bei Agenturen meist bei etwa 5.000 Euro und steigt mit jeder individuellen Funktion. Ein Shop stellt höhere Anforderungen als eine reine Informationsseite, weil Zahlungs-Schnittstellen, Produktdaten und Datenschutz zusammenspielen müssen. Was eine Unternehmensseite ohne Verkauf kostet, haben wir getrennt in Was kostet eine professionelle Website 2026 aufgeschlüsselt.

Das Theme gehört in die Rechnung. Das Aussehen bestimmt ein Theme. Das mitgelieferte Storefront ist kostenlos und für den Start brauchbar. Wer mehr Gestaltungsfreiheit will, nimmt ein Premium-Theme. Verbreitet sind Divi für rund 89 US-Dollar im Jahr oder 249 US-Dollar einmalig, das schlanke Astra und das auf Shops zugeschnittene Flatsome für etwa 59 US-Dollar als Einmalkauf. Wir setzen für unsere Projekte Divi ein, weil sich damit Layout und Rechtstexte sauber kontrollieren lassen. Wichtig: Ein Premium-Theme ist selten eine echte Einmalausgabe. Die Lizenz für weitere Updates läuft meist jährlich weiter, und ohne Updates wird ein Theme mittelfristig zum Sicherheitsrisiko.

Diese Setup-Spannen sind keine amtliche Statistik, sondern unsere Marktbeobachtung aus dem deutschsprachigen Raum und aus eigenen Projekten. Einen echten Preis ergibt erst eine konkrete Anforderung, weil die Bandbreite zwischen Standardshop und individueller Lösung sehr groß ist.

Laufende Kosten: Was der Betrieb kostet

Der Aufbau ist einmal, der Betrieb ist für immer. Diese Posten laufen Monat für Monat, unabhängig davon, wer den Shop gebaut hat.

Hosting. Ein Shop braucht mehr Leistung als ein Blog, weil bei jedem Klick dynamisch Warenkorb, Lager und Preise berechnet werden. Einfaches Webhosting beginnt bei wenigen Euro im Monat, für einen ernsthaften Shop ist spezialisiertes oder gemanagtes WooCommerce-Hosting sinnvoll und kostet je nach Anbieter und Traffic etwa 20 bis 50 Euro im Monat. Schnelles Hosting ist kein Luxus, sondern zahlt direkt auf Conversion und Ranking ein.

Domain und SSL. Die eigene Adresse kostet im Schnitt rund 10 bis 20 Euro im Jahr, je nach Endung. Das SSL-Zertifikat für die verschlüsselte Verbindung, im Shop Pflicht, ist bei den meisten gemanagten Hostern über Let’s Encrypt kostenlos enthalten. Nur bei manchen Billigtarifen wird ein Zertifikat mit 5 bis 15 Euro im Jahr extra berechnet, darauf lohnt der Blick ins Kleingedruckte.

Rechtssicherheit für den deutschen Markt. Für einen deutschen Shop ist ein Plugin für rechtskonforme Prozesse in Deutschland Pflicht. Zwei Lösungen teilen sich den Markt: Germanized und German Market. Beide sorgen für korrekte Grundpreise, Widerrufstexte, Rechnungsangaben und die Pflichtfelder im Bestellprozess. Germanized gibt es als kostenlose Basis und als Pro-Version ab rund 85 Euro im ersten Jahr und 65 Euro pro Folgejahr, German Market kostet als Einzelshop-Lizenz 87 Euro im ersten Jahr und 78 Euro zur Verlängerung. In der Sache nehmen sich beide wenig. German Market bringt eigene, aufgeräumte Einstellungsmenüs und wirkt für Einsteiger oft zugänglicher, Germanized ist tiefer in die WooCommerce-Einstellungen integriert. Welches passt, ist eher Geschmack als Funktion.

Weitere Plugins und Lizenzen. Damit die oft genannte Spanne von 150 bis 400 Euro im Jahr nicht abstrakt bleibt, hilft eine Beispielrechnung mit verbreiteten Tools (Stand 2026): ein Caching-Plugin wie WP Rocket für rund 59 Euro im Jahr, ein Security-Plugin wie Wordfence Premium für rund 149 US-Dollar im Jahr, ein Consent-Tool wie Borlabs Cookie ab 49 Euro im Jahr. Schon mit einem Rechtssicherheits-Plugin, Caching, Security und Cookie-Tool liegen Sie bei rund 350 bis 400 Euro jährlich, ein einzelnes SEO-Plugin obendrauf treibt die Summe über die genannte Spanne. Wer Abonnements verkauft, braucht zusätzlich WooCommerce Subscriptions für rund 279 US-Dollar im Jahr (Abrechnung in US-Dollar); worauf es dabei rechtlich und technisch ankommt, steht in Abo und Ratenzahlung in WooCommerce. Wichtig: Die meisten Premium-Plugins werden jährlich abgerechnet, nicht einmalig.

Transaktions-Mails. Ein Posten, der gern vergessen wird: Sobald Bestellbestätigungen, Versandinfos und Passwort-Mails in größerer Zahl rausgehen, ist der eingebaute PHP-Mailversand keine verlässliche Lösung mehr, die Nachrichten landen im Spam oder kommen gar nicht an. Dann braucht es einen Transaktions-Mail-Dienst, der über eine geprüfte Infrastruktur zustellt. Brevo etwa ist bis 300 Mails pro Tag kostenlos, darüber beginnen die bezahlten Pakete bei rund 9 Euro im Monat für 5.000 Mails (Stand Juni 2026). Brevo passt seine Pläne und Preise häufig an. Für einen kleinen Shop kostet das wenig, eingeplant sein sollte es trotzdem.

Wartung. Updates für WordPress, WooCommerce und alle Plugins, dazu Backups und Sicherheitskontrollen, müssen jemand machen. Wer es selbst übernimmt, investiert realistisch zwei bis fünf Stunden im Monat. Wer es abgibt, zahlt für einen Wartungsvertrag. Ein fairer Vertrag nennt die enthaltenen Updates, die Backup-Frequenz und eine Reaktionszeit für Notfälle.

In Summe sind für einen professionell betriebenen Shop rund 100 bis 200 Euro im Monat eine realistische Hausnummer für Hosting, Wartung und Lizenzen zusammen. Ein reiner Einsteiger-Shop in Eigenregie lässt sich auch deutlich günstiger fahren, dann tragen Sie den Wartungsaufwand selbst.

Transaktionsgebühren: die Position, die fast jeder unterschätzt

Kurz gesagt: Bei jedem Verkauf zieht der Zahlungsanbieter eine Gebühr ab. PayPal berechnet für Waren und Dienstleistungen 2,49 Prozent plus 0,35 Euro pro Transaktion, Stripe ab 1,5 Prozent plus 0,25 Euro für Karten aus dem EWR. Diese Gebühr fällt dauerhaft auf jeden Euro Umsatz an und gehört in jede Marge.

Hosting und Plugins sind feste Kosten, die Zahlungsgebühren wachsen mit dem Umsatz. Genau deshalb werden sie am Anfang gern übersehen und tun später am meisten weh. Die meistgenutzten Anbieter im deutschen Handel rechnen so ab:

Bei PayPal gilt für Waren und Dienstleistungen im Inland ein Satz von 2,49 Prozent plus einer Festgebühr von 0,35 Euro pro Verkauf. Kartenzahlungen über die erweiterte Kartenabwicklung schlagen mit 2,99 Prozent plus 0,39 Euro zu Buche. Für Händler mit höherem Volumen nennt PayPal Vorzugskonditionen auf Anfrage. Bei Stripe kosten Standard-Kartenzahlungen aus dem Europäischen Wirtschaftsraum 1,5 Prozent plus 0,25 Euro, für Premium- und Firmenkarten aus dem EWR sind es 1,9 Prozent plus 0,25 Euro. Karten von außerhalb des EWR liegen bei 3,25 Prozent plus 0,25 Euro, eine SEPA-Lastschrift bei 0,35 Euro. Beide Anbieter verlangen keine Einrichtungs- oder Monatsgebühr, abgerechnet wird nur der tatsächliche Verkauf.

Als dritte Option lohnt für den deutschen Mittelstand ein Blick auf Mollie. Der Anbieter aus den Niederlanden bündelt SEPA, Kreditkarte, Klarna und weitere Methoden unter einem Vertrag und verlangt keine Monatsgrundgebühr. Eine Kreditkartenzahlung mit europäischer Verbraucherkarte kostet rund 1,8 Prozent plus 0,25 Euro, eine SEPA-Lastschrift 0,35 Euro. Wer verschiedene Zahlwege anbieten will, ohne mehrere Verträge zu verwalten, hat damit eine praktikable Alternative zu PayPal und Stripe.

Eine vierte Variante kommt direkt von WooCommerce selbst: WooPayments. Der Dienst ist in Deutschland verfügbar, direkt ins Backend integriert und technisch auf Stripe aufgebaut. Entsprechend ähnlich sind die Sätze: Für Karten gelten 1,5 Prozent plus 0,25 Euro, für EU-Karten von außerhalb Deutschlands kommen 2 Prozent hinzu, ebenso für eine Währungsumrechnung. Eine Setup- oder Monatsgebühr gibt es nicht. Zwei Punkte gehören in die Rechnung: Auf die Gebühr selbst fällt Umsatzsteuer an, und einen Preisvorteil gegenüber Stripe gibt es nicht, weil dieselbe Technik dahintersteckt. Der echte Gewinn ist die Bequemlichkeit eines einzigen Systems aus einer Hand, nicht der Preis.

Was das konkret bedeutet, zeigt eine Bestellung über 100 Euro: Über PayPal bleiben nach Abzug der Gebühr 97,16 Euro, über eine EWR-Karte bei Stripe 98,25 Euro. Klingt nach wenig. Bei 50 Bestellungen im Monat zu durchschnittlich 80 Euro sind das über PayPal rund 117 Euro Gebühren monatlich, also mehr als das gesamte Hosting. Bei knapp kalkulierten Produkten entscheidet diese Position darüber, ob am Ende Gewinn übrig bleibt. Ein Posten kommt nur im Streitfall dazu: Widerspricht ein Kunde einer Kartenzahlung, berechnen die Anbieter eine Rückbuchungsgebühr, bei Stripe 15 Euro pro Fall. Bei sauberer Produktbeschreibung bleibt das die Ausnahme, einkalkulieren sollte man es trotzdem.

Eigene Erhebung · ihp media

86 %

der geprüften deutschen Onlineshops bieten PayPal an, den teuersten der großen Zahlungsanbieter.

Was das für die Marge heißt: Bei 50 Bestellungen zu je 80 Euro im Monat kostet allein PayPal rund 117 Euro Gebühren, mehr als das gesamte Hosting. Wer die 2,49 Prozent plus 0,35 Euro nicht einkalkuliert, verschenkt bei jeder Bestellung Geld.

Methodik: Eigene Stichprobe von 142 deutschen Onlineshops aus sechs Produktkategorien, geprüft auf die sichtbar genannte PayPal-Zahlung. Stand: Juni 2026. Keine amtliche Grundgesamtheit.

Drei realistische Szenarien im Vergleich

Die folgende Übersicht fasst zusammen, womit Sie je nach Anspruch rechnen sollten. Die Setup- und Betriebszahlen sind Marktbeobachtungen und Erfahrungswerte, die Gebührensätze sind die offiziellen Konditionen der Anbieter.

Posten Einsteiger, selbst gebaut Solider Shop Agentur-Shop
Aufbau (einmalig) eigene Zeit, ab ca. 0 Euro Software niedriger vierstelliger Bereich ab ca. 5.000 Euro
Hosting (monatlich) ab ca. 5 Euro ca. 20 bis 50 Euro gemanagt, ca. 30 bis 80 Euro
Domain (jährlich) ca. 10 bis 20 Euro ca. 10 bis 20 Euro ca. 10 bis 20 Euro
SSL-Zertifikat meist gratis (Let’s Encrypt) meist gratis, sonst 5 bis 15 Euro/Jahr im Hosting enthalten
Theme gratis (Storefront) oder ab ca. 59 US-Dollar Premium, ca. 60 bis 90 US-Dollar/Jahr im Aufbau enthalten
Plugins und Lizenzen (jährlich) Rechtssicherheit ab ca. 85 Euro ca. 150 bis 400 Euro ca. 300 bis 800 Euro
Wartung selbst, 2 bis 5 Std./Monat Wartungsvertrag Wartungsvertrag inklusive
Zahlungsgebühr je Verkauf PayPal 2,49 % + 0,35 €, Stripe ab 1,5 % + 0,25 € (EWR-Karten), Mollie ab ca. 1,8 % + 0,25 €, WooPayments 1,5 % + 0,25 €

Die Drei-Jahres-Wahrheit: ein Shop ist ein Abo, kein Kauf

Kurz gesagt: Der Aufbaupreis ist der kleinste Teil der Wahrheit. Über drei Jahre summieren sich Wartung, jährliche Lizenzen, Zahlungsgebühren und laufende Sichtbarkeit oft zu einem Vielfachen der Baukosten. Wer den Shop nach dem Anschaffungspreis bewertet, kalkuliert falsch.

Wir haben die Frage aus drei Fachperspektiven durchgespielt, einer technischen, einer kaufmännischen und einer aus dem Marketing. Sie setzen unterschiedliche Schwerpunkte, und genau die Reibung ist aufschlussreich. Die technische Perspektive nennt die laufenden Kosten für Sichtbarkeit zuerst, also SEO und Anzeigen, ohne die ein fertiger Shop keine Besucher bekommt. Die kaufmännische Perspektive hält dagegen: Sichtbarkeit ist optional, die laufende Wartung und die jährlichen Lizenzen sind es nicht, sie binden über die Zeit die meiste Liquidität. Die Marketing-Perspektive löst den Widerspruch auf: Ohne Reichweite amortisiert sich kein noch so sauberer Shop, also ist das Werbebudget keine Kür, sondern Teil der Betriebskosten. Aus unserer Sicht hat die Marketing-Perspektive recht. Der teuerste Fehler ist, den Shop fertigzubauen und dann kein Geld mehr für Reichweite zu haben. Als grobe Hausnummer aus der Praxis: Wer in den ersten zwölf Monaten nicht wenigstens 200 bis 500 Euro im Monat für bezahlte Sichtbarkeit einplant, hat in den meisten Nischen am Ende den besten Shop, den niemand findet. So verschieden die drei ansetzen, in einem Punkt sind sie sich einig: Der Anschaffungspreis ist der kleinste Teil.

Diese Einordnung fehlt in fast jeder Kostenaufstellung, dabei ist sie die wichtigste überhaupt. Ein Onlineshop verhält sich nicht wie ein Möbelstück, das man einmal kauft, sondern wie ein Abonnement auf mehreren Ebenen: Hosting läuft monatlich, Lizenzen verlängern jährlich, die Zahlungsgebühr fällt bei jedem Verkauf an, und Sichtbarkeit kostet dauerhaft. Wir nennen das die Drei-Jahres-Gesamtrechnung, und sie verändert jede Kaufentscheidung.

Ein Rechenbeispiel für einen solide gebauten Shop macht es greifbar. Der Aufbau kostet einmal 6.000 Euro. Der Betrieb liegt bei 150 Euro im Monat, also 1.800 Euro im Jahr, dazu rund 400 Euro Lizenzen jährlich. Über drei Jahre stehen damit neben den 6.000 Euro Aufbau noch einmal rund 6.600 Euro laufende Kosten, die Zahlungsgebühren noch nicht eingerechnet. Schon nach gut drei Jahren hat der Betrieb den Aufbau überholt. Wer nur auf den Angebotspreis schaut, sieht die Hälfte der Rechnung nicht.

Posten Jahr 1 Jahr 2 Jahr 3
Aufbau (einmalig) 6.000 € 0 € 0 €
Betrieb (Hosting, Wartung) 1.800 € 1.800 € 1.800 €
Lizenzen (Theme, Plugins) 400 € 400 € 400 €
Summe je Jahr 8.200 € 2.200 € 2.200 €

Die Zahlen sind ein Beispiel, kein Festpreis, aber das Muster gilt immer: Nach drei Jahren liegt die Gesamtsumme bei rund 12.600 Euro, der einmalige Aufbau macht davon weniger als die Hälfte aus. Genau hier steckt auch die unterschätzteste laufende Kostenposition überhaupt, das Rechtsrisiko.

Ein Beispiel für eine versteckte laufende Kostenposition ist das Rechtsrisiko. Rechtstexte und technische Sauberkeit veralten, und Fehler werden abgemahnt. Das Landgericht München I sprach einem Betroffenen schon 2022 100 Euro Schadensersatz zu, weil eine Website Google Fonts ohne Einwilligung von einem Google-Server lud. Die einzelne Forderung ist niedrig, in der Masse und mit Anwaltskosten wird daraus schnell ein vierstelliger Betrag. Genau solche Posten meinen wir mit der Drei-Jahres-Wahrheit. Sie stehen in keinem Angebot und fallen trotzdem an.

Umzug von einer anderen Plattform

Viele suchen nach den WooCommerce-Kosten, weil sie von Shopify, Wix, Jimdo oder Magento wechseln wollen. Dann kommt ein Posten dazu, der beim Neustart entfällt: die Migration. Produktdaten, Kunden und Bestellungen müssen sauber übertragen werden, alte Adressen brauchen 301-Weiterleitungen auf die neuen URLs, damit Rankings und Verlinkungen nicht verloren gehen. Rechnen Sie außerdem mit einer kurzfristigen SEO-Delle in den ersten Wochen nach dem Umzug, bis Google die neue Struktur eingeordnet hat. Wer das einplant, erlebt keine böse Überraschung, und der Wechsel zahlt sich über die niedrigeren laufenden Kosten meist trotzdem aus.

Für Fortgeschrittene · überspringbar

Profi-Sicht: die versteckten Kosten

Wer schon einen Shop betreibt, kennt die Posten, die in keinem Schnellangebot stehen und trotzdem jedes Jahr fällig werden.

Lizenz-Verlängerungen. Premium-Plugins und -Themes werden in der Regel jährlich neu abgerechnet. Wer im ersten Jahr fünf Erweiterungen kauft, zahlt sie im zweiten Jahr wieder, oft mit moderater Preiserhöhung. Verfällt die Lizenz, bleiben Updates aus, und ein nicht aktualisiertes Plugin ist mittelfristig ein Sicherheitsrisiko.

Performance-Folgekosten. Jedes zusätzliche Plugin lädt mit und kann den Shop verlangsamen. Ein langsamer Shop verliert Käufer und Ranking, also wird irgendwann besseres Hosting oder eine Optimierung fällig. Welche Hebel hier wirklich wirken, zeigen wir in WooCommerce beschleunigen.

Skalierung. Mehr Produkte, mehr Bestellungen, mehr Traffic verlangen über die Zeit stärkere Infrastruktur. Das gehört in die Mehrjahresplanung, damit der Umzug auf größeres Hosting nicht überrascht.

Barrierefreiheit. Seit Mitte 2025 verlangt das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz von vielen Onlineshops eine barrierefreie Gestaltung. Wer neu baut, plant das gleich mit ein, eine spätere Nachrüstung kostet mehr. Wen die Pflicht trifft und was sie umfasst, steht in unserem Ratgeber zum BFSG für Onlineshops.

Aus der Praxis: wenn die Gebühren die Marge fressen

Ein verbreitetes Muster: Ein Händler verkauft dekorative Kleinartikel mit Preisen um 9 bis 15 Euro und wundert sich über stagnierenden Gewinn, obwohl die Bestellungen laufen. Die Rechnung ist schnell gemacht: Bei einem 9-Euro-Artikel über PayPal gehen 0,57 Euro an Gebühren weg, rund sechs Prozent allein für die Zahlung, getrieben von der hohen Fixgebühr bei diesem kleinen Betrag, dazu Verpackung und Versand. Die Lösung ist keine neue Software, sondern eine andere Kalkulation: ein Mindestbestellwert, ein zweiter Zahlungsweg mit niedrigerer Fixgebühr für kleine Beträge und Produktbündel, die den durchschnittlichen Warenkorb anheben. Das Problem ist nicht die Höhe der Kosten, sondern dass sie in der Kalkulation gefehlt haben.

Selbst rechnen statt schätzen

Bevor Sie ein Angebot einholen, hilft eine eigene grobe Schätzung, damit Sie Zahlen einordnen können. Unser kostenloser Rechner gibt Ihnen für Ihre Anforderungen eine realistische Richtwert-Spanne, ohne Anmeldung.

Was kostet Ihr Projekt?

Ein paar Klicks zu Umfang und Funktionen, und Sie erhalten eine grobe Orientierung für Website und Shop.

1. Was brauchen Sie?
2. Umfang
3. Zusatzfunktionen (Mehrfachauswahl)

Bei ihp media arbeiten wir mit Festpreisen statt offener Stundenabrechnung. Sie wissen vor dem Start, was der Shop kostet, und tragen nicht das Risiko, dass die Rechnung am Ende offen nach oben läuft. Welche Shop-Variante zu Ihnen passt, klären wir vorab, und ob WooCommerce überhaupt der richtige Weg ist oder eine Alternative, haben wir in WooCommerce oder Shopify gegenübergestellt.

Checkliste: Kostenfallen vermeiden

  • Sind die Transaktionsgebühren der Zahlungsanbieter in meiner Kalkulation pro Produkt eingerechnet?
  • Sind die genannten Preise als Netto verstanden, und ist die Umsatzsteuer auf die Zahlungsgebühren mit eingeplant?
  • Habe ich nicht nur das erste Jahr, sondern die Gesamtkosten über drei Jahre gerechnet?
  • Weiß ich, welche meiner Plugins und welches Theme jährlich neu zu bezahlen sind und wann?
  • Habe ich ein Budget für Wartung, Backups und Updates, in Geld oder in eigener Zeit?
  • Ist ein verlässlicher Versand für Bestell- und Systemmails eingeplant, statt auf den PHP-Standardversand zu vertrauen?
  • Sind Rechtstexte, Cookie-Banner und Steuerlogik für den deutschen Markt korrekt eingerichtet, und lade ich Schriften lokal statt von Google?
  • Trägt mein Hosting die erwartete Besucherzahl, auch zu Aktionszeiten?
  • Habe ich bei kleinen Produktpreisen einen Mindestbestellwert oder Bündel, damit die Fixgebühr nicht die Marge frisst?
  • Liegt mir ein Festpreis vor oder eine offene Stundenabrechnung mit unklarem Ende?
Das Wichtigste zum Mitnehmen

  • Was kostenlos ist, ist die Lizenz, nicht der Betrieb. Hosting, Theme, Plugins, Zahlungsgebühren und Pflege gehören von Anfang an ins Budget.
  • Rechnen Sie mit 300 bis 700 Euro im ersten Jahr für einen einfachen Selbstbau und ab etwa 5.000 Euro für einen professionell gebauten Shop.
  • Denken Sie in drei Jahren, nicht in einem. Über drei Jahre übersteigen Betrieb, Lizenzen und Gebühren oft den Aufbaupreis. Ein Shop ist ein Abo, kein Kauf.
  • Die Transaktionsgebühr von rund 1,5 bis 3 Prozent plus Fixbetrag pro Verkauf gehört in jede Produktkalkulation, vor allem bei niedrigen Preisen.

Häufige Fragen

Ist WooCommerce wirklich komplett kostenlos?

Das Plugin selbst ja, es steht wie WordPress unter der freien GPL-Lizenz. Kosten entstehen durch Hosting, das Theme, kostenpflichtige Erweiterungen, die Gebühren der Zahlungsanbieter und die Pflege.

Was kostet ein WooCommerce-Shop im ersten Jahr?

In Eigenregie realistisch 300 bis 700 Euro für Hosting, Domain und die wichtigsten Plugins. Professionell von einer Agentur gebaut beginnt der Aufbau bei etwa 5.000 Euro, dazu kommen die laufenden Betriebskosten.

Welche laufenden Kosten habe ich monatlich?

Für einen professionell betriebenen Shop sind 100 bis 200 Euro im Monat realistisch, zusammengesetzt aus Hosting, anteiligen Plugin-Lizenzen und Wartung. Ein Einsteiger-Shop in Eigenregie ist günstiger, wenn Sie die Pflege selbst übernehmen.

Wie hoch sind die Gebühren pro Verkauf?

PayPal nimmt für Waren und Dienstleistungen 2,49 Prozent plus 0,35 Euro je Verkauf, Stripe ab 1,5 Prozent plus 0,25 Euro für EWR-Karten, Mollie ab rund 1,8 Prozent plus 0,25 Euro für europäische Kreditkarten, WooPayments 1,5 Prozent plus 0,25 Euro. Alle verlangen keine Grundgebühr, sondern rechnen pro Transaktion ab.

German Market oder Germanized, welches Plugin ist besser?

Funktional trennt beide wenig. German Market kostet als Einzelshop-Lizenz 87 Euro im ersten Jahr, Germanized Pro 85 Euro. Der Unterschied steckt in der Bedienung: German Market arbeitet mit eigenen Menüs, Germanized integriert sich in die WooCommerce-Einstellungen. Wer zum ersten Mal einen Shop einrichtet, kommt mit German Market oft schneller klar. Wer schon tief in WooCommerce steckt, bleibt eher bei Germanized.

Welcher Zahlungsanbieter ist für kleine Bestellwerte am günstigsten?

Bei niedrigen Beträgen schlägt vor allem die Festgebühr durch. Ein Anbieter mit kleinerer Fixgebühr pro Transaktion, etwa Stripe, Mollie oder WooPayments mit 0,25 Euro statt 0,35 Euro bei PayPal, lohnt sich dann eher. Wer viele Kleinstbestellungen hat, kombiniert das oft mit einem Mindestbestellwert, damit die Fixkosten nicht die Marge aufzehren.

Welche Zusatzkosten entstehen beim Umzug von Shopify oder Wix zu WooCommerce?

Über die normalen Aufbaukosten hinaus fallen die Migration der Produkt-, Kunden- und Bestelldaten an, das Einrichten von 301-Weiterleitungen für die alten URLs und eine kurze SEO-Delle in den ersten Wochen, bis Google die neue Struktur erfasst hat. Mit Planung bleibt der Wechsel überschaubar und rechnet sich meist über die niedrigeren laufenden Kosten.

Lohnt es sich, den Shop selbst zu bauen?

Für einen Test oder ein kleines Sortiment kann sich der Selbstbau lohnen, wenn Sie Zeit und etwas technisches Verständnis mitbringen. Sobald Umsatz und Rechtssicherheit zählen, ist die selbst gebaute Variante oft die teuerste, weil Fehler bei Steuer, Recht und Sicherheit später Geld kosten.

Ist WooCommerce günstiger als Shopify?

Es verlagert die Kosten. WooCommerce hat keine monatliche Plattformgebühr, dafür tragen Sie Hosting, Plugins und Pflege selbst. Was für den Mittelstand wirklich zählt, vergleichen wir im Detail unter WooCommerce oder Shopify.

Quellen und weiterführende Informationen: Stripe-Preise Deutschland, PayPal Händler- und Verkäufergebühren, Mollie-Preise, WooPayments-Gebühren, German Market, Divi-Preise, LG München I, Urteil vom 20.01.2022, Az. 3 O 17493/20, WooCommerce. Stand: Juni 2026. Die genannten Setup-, Hosting- und Wartungskosten sind Marktbeobachtungen und Erfahrungswerte aus dem deutschsprachigen Raum, keine amtliche Statistik. Die Gebühren- und Lizenzsätze entsprechen den zum Stand veröffentlichten Konditionen der Anbieter und können sich ändern.