Das Wichtigste in 30 Sekunden

  • Google überträgt Ranking-Signale per 301-Weiterleitung auf die neue URL, aber nur, wenn das Ziel thematisch passt und der Inhalt qualitativ mindestens gleichwertig bleibt.
  • Vor dem Launch steht ein vollständiges URL-Inventar aus Crawl-Daten und Search-Console-Export. Wer das danach macht, verliert Traffic auf Pfaden, die noch im Index stehen.
  • Pauschale Weiterleitungen auf die Startseite erkennt Google als Soft-404 und ignoriert sie. Jede Traffic-führende URL braucht eine inhaltlich passende Ziel-URL.
  • Monitoring beginnt am Launch-Tag: Search-Console-Indexierungsbericht, Core Web Vitals und 404-Log in den ersten vier bis sechs Wochen täglich prüfen.

Eine neue Website bedeutet oft auch neue URLs, neue Strukturen, manchmal eine neue Domain. Was dabei auf dem Spiel steht: der organische Traffic, den die alte Website über Monate oder Jahre aufgebaut hat. Google kennt jede indexierte URL, jeden eingehenden Link und das Relevanzprofil jeder Seite. Wer beim Relaunch die Verbindung zwischen alt und neu nicht sauber zieht, verliert diesen Wert schnell und baut ihn langsam wieder auf. Dieser Ratgeber zeigt, wie man das verhindert, mit einer konkreten Vorgehensweise von der URL-Inventur bis zum Post-Launch-Monitoring.

Warum Rankings nach einem Relaunch verloren gehen

Kurz gesagt: Ranking-Verluste entstehen fast nie durch schlechten Code, sondern durch fehlende oder falsch gesetzte Weiterleitungen, inhaltliche Verschlechterungen und technische Rückschritte, die erst nach dem Launch auffallen.

Der häufigste Fehler ist timing-bedingt: Teams arbeiten monatelang an Design und Technik, während das SEO-Profil der alten Website ungeprüft bleibt. Am Tag des Launches gibt es keine Redirect-Map, keine Inventur der Traffic-relevanten Seiten, und dann brechen die Rankings ein.

Google beschreibt den Vorgang: Wenn eine Seite umzieht, verliert sie ihre bisherige Position zunächst, weil die neue URL noch keine eigene Crawl-Geschichte hat. Erst wenn Google die Weiterleitung entdeckt, crawlt und als permanent bewertet, werden die Signale der alten URL auf die neue übertragen. Wie lange das dauert, hängt von Größe und Crawl-Frequenz der Website ab, in der Praxis erfahrungsgemäß zwei bis sechs Wochen bei kleinen Websites, bei größeren bis zu drei Monate. Eine fehlende oder falsch gesetzte Weiterleitung verhindert diese Übertragung dauerhaft.

Ein zweiter Verlusttreiber ist die inhaltliche Verschlechterung im Zuge der Modernisierung. Texte werden gekürzt, thematische Fachbegriffe fallen weg, strukturierte Daten entfallen im neuen Template. Aus Sicht von Google handelt es sich dann um eine andere, schwächere Seite, auch wenn die URL dieselbe geblieben ist.

Dritter Faktor: technische Rückschritte. Ein neues Design, das auf mobilen Geräten schlechter lädt als das alte, kostet konkrete Ranking-Positionen, weil Google seit 2021 die Core Web Vitals als Rankingfaktor bewertet.

Abzugrenzen ist dieser Artikel vom technischen Domain- und Hosting-Umzug: Was passiert, wenn die Domain selbst wechselt oder der Server migriert wird, erklärt der Ratgeber Domain und Hosting umziehen. Hier geht es um die Inhalts- und URL-Ebene beim Relaunch auf derselben oder einer neuen Domainstruktur.

Schritt 1: Vollständiges URL-Inventar anlegen

Kurz gesagt: Das URL-Inventar ist die Grundlage der gesamten Migration. Wer diese Aufgabe überspringt, erstellt die Redirect-Map auf Basis von Lücken statt Fakten.

Ausgangspunkt ist ein vollständiger Crawl der bestehenden Website. Geeignete Werkzeuge sind Screaming Frog SEO Spider oder Sitebulb. Beide erfassen alle indexierbaren URLs, einschließlich jener, die in der Navigation nicht sichtbar sind oder nur über interne Links erreichbar werden.

Parallel dazu liefert die Google Search Console die entscheidende Gewichtung: Welche URLs erzeugen tatsächlich Impressionen und Klicks? Im Bericht „Leistung“ lassen sich die Daten der vergangenen 12 Monate exportieren. Wer beide Datensätze zusammenführt, erhält eine vollständige Liste aller URLs mit ihrem jeweiligen SEO-Wert.

Aus dieser Liste entstehen drei Gruppen:

  1. Seiten mit messbarem organischen Traffic, zwingend mit 301-Weiterleitung auf eine inhaltlich passende Ziel-URL migrieren.
  2. Seiten mit externen Backlinks, aber wenig Traffic, ebenfalls weiterleiten, weil hier aufgebauter Linkwert steckt. Backlink-Daten liefern Werkzeuge wie Ahrefs oder Semrush.
  3. Seiten ohne Traffic und ohne externe Links, können mit einem sauberen 404 wegfallen oder in die neue Struktur integriert werden, ohne Weiterleitungspflicht.

Wichtig: Die Inventur muss vor dem Staging abgeschlossen sein, nicht danach. Wer das URL-Mapping erst nach dem Launch nachzieht, arbeitet immer gegen einen bereits laufenden Rankingverlust an.

Schritt 2: Die Redirect-Map erstellen

Die Redirect-Map ist eine tabellarische Gegenüberstellung: alte URL links, neue Ziel-URL rechts. Für große Websites führt man diese Tabelle als CSV oder Spreadsheet und importiert sie später in die Serverconfig oder das CMS.

Jede Zeile enthält mindestens drei Werte: die alte URL, die neue Ziel-URL und den HTTP-Statuscode (301 für permanent, 302 nur in den seltenen Fällen, in denen die Weiterleitung wirklich temporär ist). Optional sinnvoll: eine vierte Spalte mit dem Grund, Seite umbenannt, zusammengeführt, gelöscht, das erleichtert die spätere Qualitätsprüfung und ist bei mehreren Beteiligten unerlässlich.

Wann 301, wann 302?

Laut Google Search Central behandelt Google sowohl 301 als auch 302 für die Zwecke der Signalübertragung ähnlich: Beide können dazu führen, dass Canonical- und Ranking-Signale auf die Ziel-URL übertragen werden. Der praktische Unterschied liegt im Signal an den Browser und damit an externe Tools: 301 sagt dauerhaft umgezogen, 302 sagt vorübergehend. Bei einem Relaunch ist 301 fast immer die richtige Wahl. Eine 302 bleibt sinnvoll, wenn man einen A/B-Test fährt oder eine Seite temporär auf eine andere verweist und die originale URL später wieder aktiviert werden soll.

Weiterleitungsketten vermeiden

Alte Ketten aus früheren Relaunches, Seite A verweist auf B, B verweist auf C, müssen vor dem Launch bereinigt werden. Google folgt Weiterleitungsketten, verliert dabei aber Crawl-Budget und wertet den Signalwert über mehrere Sprünge ab. Die Regel: maximal ein Sprung pro Pfad, jede alte URL verweist direkt auf ihr endgültiges Ziel.

Schritt 3: 301-Weiterleitungen korrekt umsetzen

Google beschreibt im Site-Move-Guide, wie Weiterleitungen bei einem URL-ändernden Umzug gesetzt werden sollen: serverseitig, permanent (301), thematisch passend. Die technische Umsetzung gehört auf Serverebene: in der .htaccess bei Apache, in der server.conf bei Nginx. Weiterleitungen über WordPress-Plugins oder JavaScript sind möglich, aber langsamer und werden von Crawlern teils inkonsistent verarbeitet.

Keine pauschale Weiterleitung auf die Startseite

Das am weitesten verbreitete Fehlmuster: Alle alten URLs, für die keine Ziel-URL bekannt ist, werden auf die Startseite weitergeleitet. Google erkennt dieses Muster als Soft-404, eine Weiterleitung, die inhaltlich nicht passt, und ignoriert sie für die Signalübertragung. Das Ergebnis: Die alten URLs verlieren ihren Wert, ohne dass er auf die neue Seite übergeht.

Wenn für eine Traffic-führende Seite keine direkte Entsprechung in der neuen Struktur vorhanden ist, gilt die Hierarchie: verwandte Unterseite, übergeordnete Kategorie, themenverwandte Übersichtsseite, in dieser Reihenfolge. Erst wenn keine davon passt, ist die Startseite als letzter Ausweg vertretbar, aber nur für Seiten ohne messbaren SEO-Wert.

Weiterleitungen testen

Vor dem Live-Gang werden alle Weiterleitungen auf dem Staging-System geprüft. Ein einfacher Check mit curl -I -L <URL> zeigt den tatsächlichen HTTP-Statuscode und die Ziel-URL. Bei größeren Websites empfiehlt sich ein automatisierter Durchlauf über die gesamte Redirect-Map, zum Beispiel mit einem kurzen Bash-Skript oder dem Screaming Frog im List-Modus.

Schritt 4: Inhaltliche Kontinuität sichern

Kurz gesagt: Google hat über Monate ein Relevanzprofil für jede URL aufgebaut. Wer Thema, Fachbegriffe oder Informationstiefe beim Relaunch stark verändert, riskiert, dass die Seite für ihre bisherigen Suchanfragen nicht mehr als passend eingestuft wird.

Texte dürfen verbessert werden, aber nicht beliebig verändert. Der primäre Suchbegriff und der thematische Kern bleiben erhalten. Fachbegriffe und verwandte Formulierungen, die bislang im Text vorkamen, sollten nicht ersatzlos entfallen. Strukturierte Daten, Schema.org-Auszeichnungen für FAQ, Breadcrumbs, Produkte, müssen im neuen Template mindestens gleichwertig wiederhergestellt werden.

In der Praxis empfiehlt sich ein direkter Textvergleich von alt und neu, bevor eine Seite live geht. Wer die alte Version im Staging-System nebeneinander aufbaut und die URLs einzeln gegenüberstellt, erkennt Lücken, ohne unter Zeitdruck zu handeln. Besonders häufig entfallen beim Relaunch: die FAQ-Sektion, die Meta-Description, Breadcrumb-Schema und strukturierte Produktdaten im E-Commerce. All das war für Google sichtbar und relevant.

Eine weitere Falle sind interne Links. Wenn die neue Struktur andere URL-Pfade nutzt, müssen alle internen Verlinkungen mitgezogen werden. Defekte interne Links kosten kein direktes Ranking, schwächen aber die interne Linkautorität und den Crawl-Pfad. Im WP-Kontext hilft wp search-replace 'alte-domain.com' 'neue-domain.com' für die Datenbankebene; für Pfadänderungen innerhalb derselben Domain empfiehlt sich ein manuelles Audit über den Screaming Frog oder das Broken-Link-Checker-Plugin.

Was man bewusst nicht weiterleiten sollte

Nicht jede alte URL verdient eine Weiterleitung. Die Google-Dokumentation zum Crawl-Budget macht deutlich: Zu viele Weiterleitungen, die auf irrelevante Ziele zeigen, belasten das Crawl-Budget, ohne Nutzen zu bringen.

Seiten ohne organischen Traffic, ohne externe Backlinks und ohne strategischen Wert für die neue Website können mit einem sauberen 410 (dauerhaft gelöscht) oder 404 wegfallen. Das ist kein Fehler, sondern eine saubere Bereinigung. Google verarbeitet 404 und 410 korrekt und entfernt solche URLs mit der Zeit aus dem Index.

Besondere Vorsicht gilt bei automatisch generierten Seiten, die durch Paginierung, Filter, Tags oder Suchergebnisse entstehen: Diese haben selten SEO-Wert, aber viele URLs. Eine pauschale Noindex-Regel ist hier sinnvoller als Weiterleitungen.

Migrationsschritte, Risiken und Maßnahmen im Überblick

Migrationsschritt SEO-Risiko ohne Maßnahme Konkrete Maßnahme
URL-Inventur Redirect-Lücken für Traffic-führende Seiten Crawl (Screaming Frog) + Search-Console-Export vor dem Staging
Backlink-Analyse Linkwert von stark verlinkten Seiten verloren Ahrefs/Semrush-Export, stark verlinkte URLs mit Vorrang weiterleiten
Redirect-Map erstellen Fehlende oder falsch gesetzte Weiterleitungen CSV alt→neu mit HTTP-Code, vor Launch vollständig und geprüft
301 serverseitig implementieren Langsame oder instabile Weiterleitungen per Plugin/JS .htaccess (Apache) oder server.conf (Nginx), max. 1 Hop
Startseiten-Weiterleitung vermeiden Soft-404, kein Signalwert-Transfer Jede Traffic-URL bekommt inhaltlich passendes Ziel
Inhaltliche Kontinuität Relevanzprofil bricht durch Textverlust ein Alt-/Neu-Vergleich, Fokus-Keyword und Fachbegriffe erhalten
Strukturierte Daten Rich Results und Schema-Signale entfallen FAQ, Breadcrumb, HowTo im neuen Template wiederherstellen
Interne Links Defekte Pfade, geschwächter Crawl-Fluss wp search-replace + manuelles Audit nach Pfadänderungen
Core Web Vitals Technischer Rückschritt kostet Ranking-Positionen PageSpeed Insights vor und nach Launch, LCP unter 2,5 s
Monitoring nach Launch Probleme werden zu spät erkannt Search Console täglich (erste 4–6 Wochen), 404-Log, Ranking-Tracker

Schritt-für-Schritt: Content-Migration durchführen

1. URL-Inventar anlegen (4–6 Wochen vor Launch)

Screaming Frog oder Sitebulb crawlen die bestehende Website vollständig. Google-Search-Console-Export für die letzten 12 Monate ergänzt die Traffic-Gewichtung. Ahrefs oder Semrush liefern die Backlink-Daten. Alle drei Datensätze werden in einer Tabelle zusammengeführt.

2. Seiten priorisieren (nach Inventur)

Drei Gruppen bilden: Traffic-führend (Pflicht-Weiterleitung), extern verlinkt (Pflicht-Weiterleitung), ohne Wert (404 zulässig). Für die ersten beiden Gruppen wird sofort die neue Ziel-URL eingetragen.

3. Redirect-Map fertigstellen (2–3 Wochen vor Launch)

Jede Zeile: alte URL, neue Ziel-URL, HTTP-Code (301 oder 302). Alte Ketten aus früheren Relaunches bereinigen: jede alte URL zeigt direkt auf ihr endgültiges Ziel, kein Hop über Zwischenstationen.

4. Staging-Test (1 Woche vor Launch)

Alle Weiterleitungen der Prioritätsliste mit curl -I -L oder im Screaming-Frog-List-Modus prüfen. Statuscode 301 und korrekte Ziel-URL bestätigen. Soft-404-Muster (Weiterleitungen auf die Startseite) identifizieren und ersetzen.

5. Inhaltliche Qualitätsprüfung (1 Woche vor Launch)

Die zehn Traffic-stärksten alten Seiten mit ihrer neuen Version vergleichen. Fokus-Keyword vorhanden? Fachbegriffe erhalten? Strukturierte Daten wiederhergestellt? Worttiefe mindestens gleichwertig?

6. Launch und Sofortmonitoring (Launch-Tag)

Nach dem Launch sofort die Search Console auf Crawl-Fehler prüfen. Das 404-Log des Servers in den ersten 24 Stunden beobachten: Dort tauchen URLs auf, für die Google eine Weiterleitung erwartet, aber keine findet. Jede neue 404-Meldung für eine URL mit SEO-Wert sofort nachtragen.

7. Monitoring-Rhythmus (Wochen 1–6)

Search-Console-Indexierungsbericht täglich, Core-Web-Vitals-Bericht wöchentlich, Ranking-Tracker für die wichtigsten Suchbegriffe täglich. Nach vier bis sechs Wochen sollte der Ranking-Verlauf eine klare Tendenz zeigen: stabil, leichte Erholung oder anhaltend negativ. Letzteres erfordert eine systematische Fehlersuche in der Redirect-Map.

Ein Beispiel aus der Praxis

In einem Relaunch-Projekt für ein mittelständisches Dienstleistungsunternehmen mit ca. 180 indexierten Seiten haben wir 2024 genau diesen Prozess durchlaufen. Die alte Website hatte keine konsistente URL-Struktur: Leistungsseiten lagen unter /dienstleistungen/bereich/, Blogartikel unter /news/, einige historisch gewachsene Seiten unter flachen Pfaden wie /referenz-xyz/. Für die neue Website wurde eine saubere Struktur mit sprechenden Pfaden eingeführt.

Das URL-Inventar ergab 18 Seiten mit messbarem organischen Traffic und 12 URLs mit externen Backlinks, davon vier Überschneidungen. Diese 26 Seiten bildeten die Prioritätsliste. Für weitere 94 Seiten ohne SEO-Wert wurde bewusst keine Weiterleitung gesetzt.

Drei Wochen nach dem Launch waren alle 26 Priority-URLs im Search-Console-Bericht mit dem neuen Pfad indexiert. Der organische Traffic fiel in den ersten zwei Wochen um etwa 15 Prozent, erholte sich in Woche drei bis fünf auf den Ausgangswert und übertraf ihn in Woche sechs um rund 8 Prozent, weil das neue Template technisch deutlich besser performte und die LCP-Werte von durchschnittlich 3,8 auf 1,9 Sekunden sanken.

Der einzige Nachbesserungsbedarf: Zwei Seiten aus dem Blog-Bereich fehlten in der initialen Redirect-Map, weil sie im Navigation-Crawl nicht auftauchten und erst über den Search-Console-Export identifiziert wurden. Das zeigt, warum beide Datenquellen kombiniert werden müssen, der Crawl allein reicht nicht.

Monitoring nach dem Launch

Google beschreibt im Site-Move-Guide explizit, dass nach einem URL-ändernden Umzug eine Überwachungsphase von mehreren Wochen nötig ist. Die konkreten Signale, die täglich geprüft werden sollten:

Search Console, Seiten-Bericht: Zeigt, welche URLs Google crawlt, indexiert und welche als Fehler eingestuft werden. Neue 404-Meldungen für URLs, die noch Traffic führen, sind sofort zu untersuchen.

Server-404-Log: Schneller als die Search Console. Jede Anfrage an eine nicht vorhandene URL erscheint sofort im Log. Für WordPress ist das Zugriffslog des Webservers (nicht das WP-Fehlerlog) die richtige Quelle.

Core Web Vitals, Bericht in der Search Console: Zeigt, ob das neue Design technisch besser oder schlechter ist als das alte. Da Felddaten vier bis sechs Wochen Vorlaufzeit brauchen, empfiehlt sich zusätzlich Google PageSpeed Insights für sofortige Lab-Messungen.

Ranking-Tracker: Die 20 bis 30 wichtigsten Keywords täglich tracken. Ein Rückgang in den ersten zwei Wochen ist normal und erwartet. Ein anhaltender Rückgang nach vier Wochen ist ein konkretes Signal für fehlende oder falsch gesetzte Weiterleitungen.

Zur Gesamtstrategie eines SEO-sauberen Relaunches gehören auch die Aspekte, die über die Content-Migration hinausgehen: Was einen Relaunch überhaupt rechtfertigt und wie die kombinierte Strategie für Google und KI-Suche dabei berücksichtigt wird.

Sofort-Checkliste: Content-Migration absichern

  • URL-Inventur mit Crawl-Tool abgeschlossen, alle URLs exportiert?
  • Google-Search-Console-Export (12 Monate) für Traffic-Gewichtung vorhanden?
  • Backlink-Daten (Ahrefs/Semrush) einbezogen, stark verlinkte URLs identifiziert?
  • Redirect-Map vollständig: jede Traffic-URL hat ein inhaltlich passendes Ziel (kein Startseite-Catch-all)?
  • Weiterleitungsketten aus früheren Relaunches bereinigt, max. 1 Hop?
  • 301-Weiterleitungen serverseitig implementiert (.htaccess oder Nginx-Config)?
  • Alle Weiterleitungen auf Staging mit curl -I -L getestet, Statuscode 301 bestätigt?
  • Die 10 Traffic-stärksten Seiten: inhaltlicher Alt-Neu-Vergleich durchgeführt?
  • Fokus-Keywords und Fachbegriffe auf migrierten Seiten erhalten?
  • Strukturierte Daten (FAQ, Breadcrumb, HowTo) im neuen Template wiederhergestellt?
  • Interne Links nach Pfadänderungen aktualisiert (wp search-replace oder manuelles Audit)?
  • Core Web Vitals im Staging gemessen, LCP unter 2,5 s auf mobilen Geräten?
  • Monitoring-Rhythmus festgelegt: Search Console, 404-Log, Ranking-Tracker ab Launch-Tag?
  • Verantwortlicher für Nachbesserungen in den ersten 6 Wochen definiert?
Das Wichtigste zum Mitnehmen

  • Das URL-Inventar aus Crawl-Daten, Search-Console-Export und Backlink-Analyse muss vor dem Staging stehen, nicht danach. Wer das nachzieht, arbeitet gegen bereits laufende Rankingverluste an.
  • Eine 301-Weiterleitung überträgt Ranking-Signale nur dann vollständig, wenn das Ziel inhaltlich zur alten Seite passt. Pauschale Startseiten-Weiterleitungen erkennt Google als Soft-404 und ignoriert sie.
  • Inhaltliche Kontinuität ist genauso wichtig wie technische Weiterleitungen: Fokus-Keywords, Fachbegriffe und strukturierte Daten müssen im neuen Template mindestens gleichwertig erhalten bleiben.
  • Monitoring beginnt am Launch-Tag: 404-Log, Search-Console-Bericht und Core-Web-Vitals-Messungen in den ersten vier bis sechs Wochen täglich prüfen, um Lücken zu schließen, bevor sie sich im Ranking festsetzen.

Häufige Fragen

Wie lange dauert es, bis Google nach einer Content-Migration neue Rankings zeigt?

Bei kleinen bis mittelgroßen Websites zwei bis sechs Wochen nach dem Launch. Bei größeren Domains oder grundlegenden Strukturänderungen bis zu drei Monate. Google muss die neuen URLs crawlen, indexieren und die übertragenen Ranking-Signale von den alten URLs neu zuordnen. Das dauert bei großen Crawl-Intervallen entsprechend länger.

Muss ich für jede gelöschte Seite eine Weiterleitung einrichten?

Nein. Nur für Seiten mit nachweisbarem SEO-Wert: messbarer organischer Traffic oder externe Backlinks. Seiten ohne beides können mit einem sauberen 404 wegfallen. Eine Weiterleitung bringt dort keinen Nutzen und belastet nur das Crawl-Budget.

Verliere ich Rankings dauerhaft, wenn ich URLs bei einem Relaunch ändere?

Dauerhaft nicht, wenn die Weiterleitung korrekt gesetzt und das Ziel inhaltlich passend ist. Vorübergehend ist ein leichter Rückgang möglich, weil Google Zeit braucht, die Signale zu übertragen. Nach vier bis sechs Wochen sollte der Ausgangswert wieder erreicht oder übertroffen sein, wenn die technische Qualität des neuen Designs besser ist.

Was ist der häufigste Fehler bei der Content-Migration?

Die Redirect-Map wird erst nach dem Launch erstellt, nicht davor. Dann fehlen Weiterleitungen für URLs, die noch im Google-Index stehen und Traffic führen. Bis die Nachbesserungen greifen, ist der Traffic auf diesen Pfaden weg. Die Lösung ist zeitlich: Inventur und Redirect-Map sind Pflichtschritte vor dem Staging, nicht nach dem Launch.

Wie viel des Ranking-Werts überträgt eine 301-Weiterleitung?

Google beschreibt das nicht als prozentualen Wert, sondern als Konsolidierung der Ranking-Signale auf die neue, kanonische URL. Wie viel in der Praxis ankommt, hängt vor allem von der thematischen Nähe zwischen alter und neuer Seite ab. Bei einer sehr ähnlichen Zielseite ist die Übertragung nahezu vollständig. Bei einer inhaltlich weit entfernten Zielseite, oder einer Startseite als Catch-all, ist der Übertragungseffekt gering oder null.

Wann ist eine 302-Weiterleitung beim Relaunch sinnvoll?

Nur in Ausnahmefällen: A/B-Tests mit einer Testvariante als Ziel, oder wenn eine Seite tatsächlich nur vorübergehend unter einer anderen URL erreichbar ist und die originale URL in wenigen Wochen wieder aktiviert wird. Im normalen Relaunch-Kontext ist 301 fast immer richtig.

Wie gehe ich mit Seiten um, die im neuen Design keine direkte Entsprechung haben?

Hierarchisch vorgehen: Gibt es eine thematisch verwandte Unterseite? Dann dorthin. Gibt es eine übergeordnete Kategorieseite? Dann dorthin. Gibt es eine themenverwandte Übersichtsseite? Dann dorthin. Erst wenn keine dieser Optionen passt, ist die Startseite als letzter Ausweg für Seiten ohne messbaren SEO-Wert vertretbar. Für Seiten mit Traffic oder Backlinks muss eine passende neue Seite im Relaunch berücksichtigt werden, notfalls als neue Seite, die die alte inhaltlich weiterführt.