Das Wichtigste in 30 Sekunden

  • Microcopy sind Button-Texte, Fehlermeldungen, Platzhalter und Bestätigungen. Sie entscheiden im Moment der Handlung, ob jemand klickt oder abbricht.
  • Generischer Buttontext wie „Senden“ oder „Weiter“ kostet Abschlüsse, weil er die Mechanik beschreibt statt den nächsten Schritt für den Nutzer zu benennen.
  • Fehlermeldungen müssen nach WCAG 3.3.1 immer als Text formuliert sein, die betroffene Stelle benennen und eine konkrete Lösung nennen.
  • Kleine Änderungen wirken groß: Ein A/B-Test bei Going.com zeigte 104 Prozent mehr Trial-Starts allein durch drei geänderte Wörter im Button-Text.

Auf vielen Websites stehen auf dem Absende-Button die Worte „Senden“ oder „Weiter“. Diese Texte haben nichts Falsches an sich, aber sie beschreiben, was die Technik tut, nicht was der Nutzer bekommt. Genau an dieser Stelle verlieren gut gestaltete Seiten täglich Abschlüsse, die sie eigentlich verdient hätten.

Microcopy ist das, was dort stehen sollte statt dessen, was dort meist steht.

Was Microcopy ist und wo sie steckt

Kurz gesagt: Microcopy sind alle kurzen Textbausteine einer Benutzeroberfläche, die nicht zum redaktionellen Inhalt gehören, aber die Nutzerführung tragen: Button-Beschriftungen, Formular-Hilfetexte, Fehlermeldungen, Platzhaltertexte, Bestätigungen und Texte für leere Zustände.

Die Nielsen Norman Group definiert Microcopy als die kleinste Textkategorie: weniger als drei Sätze. Sie ist in drei Grundrichtungen wirksam: sie informiert („Ihre Daten werden nicht weitergegeben“), sie beeinflusst („14 Tage kostenlos testen“) und sie trägt die Interaktion („z. B. name@firma.de“).

Was diese Texte von regulärem Seiteninhalt unterscheidet, ist ihr Kontext: Sie erscheinen an Stellen, an denen jemand gerade handeln will. Ein Besucher, der auf einen Button zielt oder in ein Formularfeld tippt, ist in einem konkreten Entscheidungsmoment. In diesem Moment hat jede Formulierung Gewicht.

Microcopy sitzt überall, wo Nutzer aktiv werden müssen: auf Buttons, neben Formularfeldern, in Tooltips, in Lade- und Wartezuständen, in Bestätigungs-E-Mails, in leeren Listen und in Fehlermeldungen. Was sie verbindet, ist die Kürze und der Kontext. Was sie von Werbetext unterscheidet, ist ihr Zweck: nicht begeistern, sondern das nächste Handeln erleichtern.

Buttontexte: warum „Senden“ scheitert

Kurz gesagt: Wirksame Buttontexte beginnen mit einem Verb und benennen den nächsten konkreten Schritt aus Sicht des Nutzers, nicht die technische Aktion. „Angebot anfordern“ statt „Senden“, „14 Tage kostenlos testen“ statt „Registrieren“.

Generische Labels wie „Weiter“, „Senden“ oder „Klicken“ beschreiben, was die Software tut. Der Nutzer fragt sich: Weiter wohin? Senden wofür? Diese kurze Irritation bremst den Impuls. Die Nielsen Norman Group empfiehlt, Button-Labels immer mit einem Verb oder einer Verbphrase zu beginnen, die klar beschreibt, was nach dem Klick passiert, zum Beispiel „Print“, „Continue to Billing“ oder „Get Your Free Quote“.

Wie stark das wirkt, zeigt ein A/B-Test, den Unbounce mit dem Reisedienst Going.com durchgeführt hat. Der ursprüngliche Button trug die Aufschrift „Sign up for free“. Die Variante lautete „Trial for free“. Drei geänderte Wörter. Das Ergebnis: 104 Prozent mehr Trial-Starts im Vergleich zum Vormonat. Der Unterschied lag darin, dass „Trial“ die Handlung konkreter beschrieb, ohne sie als Verpflichtung erscheinen zu lassen.

Ein weiteres Muster aus der Praxis: Erste-Person-Formulierungen erhöhen die Klickbereitschaft. „Meinen Ratgeber herunterladen“ schneidet in Tests regelmäßig besser ab als „Den Ratgeber herunterladen“, weil die Ich-Perspektive die mentale Eigenverantwortung des Nutzers aktiviert. Wie stark das wirkt, hängt stark vom Kontext ab: Ein ContentVerve-Test (via Unbounce) zeigte 90 Prozent mehr Klicks für „Start my free trial“ gegenüber „Start your free trial“; ein weiterer Test von Michael Aagaard ergab rund 25 Prozent Unterschied bei „Create My Account“ vs. „Create Account“. Ein eigener A/B-Test bleibt die zuverlässigste Methode.

Eine praktische Probe, die bei jedem Buttontext funktioniert: „Ich möchte …“ vor den Text setzen. „Ich möchte ein Angebot anfordern“ ergibt einen vollständigen Satz. „Ich möchte senden“ ergibt keinen. Wenn der Satz nicht funktioniert, ist der Buttontext zu schwach.

Wer wissen möchte, wie Calls to Action auf einer Seite insgesamt wirken, findet im Ratgeber zu Call to Action einen systematischen Überblick.

Formular-Microcopy: Platzhalter, Labels, Hinweise

Formulare sind der heikelste Bereich. Hier muss der Nutzer aktiv werden, und jede Unsicherheit ist ein potenzieller Abbruchgrund. Die W3C-Anforderungen für Formularanweisungen unterscheiden drei Schichten: allgemeine Hinweise vor dem Formular, Beschriftungen direkt am Feld und ergänzende Hilfetexte für Felder, die nicht selbsterklärend sind.

Platzhaltertexte richtig einsetzen

Ein Platzhalter zeigt ein Beispiel, er ersetzt kein Label. Heißt das Feld „Telefonnummer“, zeigt der Platzhalter „z. B. +49 711 1234567“. Was dort nicht stehen sollte, ist eine Wiederholung des Labels, also „Telefonnummer“ als Platzhalter in einem Feld, das bereits „Telefonnummer“ als Label trägt. Der Platzhalter verschwindet beim Tippen, genau in dem Moment, in dem der Nutzer ihn vielleicht braucht. Labels müssen deshalb sichtbar bleiben.

Pflichtfelder und optionale Felder kennzeichnen

Wenn es optionale Felder gibt, kennzeichnen Sie diese als „optional“, nicht die Pflichtfelder mit einem Sternchen und einer Fußnote. Das folgt einer einfachen Logik: Wenn der Großteil der Felder Pflichtfelder ist, ist die Exception das Optionale, nicht das Obligatorische. Allgemeine Hinweise, die für das gesamte Formular gelten, zum Beispiel welche Formate erwartet werden oder wie viele Zeichen ein Passwort haben muss, sollten vor dem ersten Eingabefeld stehen, nicht danach.

Vertrauenstexte unter Formularfeldern

Wer erklärt, wozu eine Angabe gebraucht wird, erhält mehr ehrliche Einträge. „Wir rufen nur zurück, wenn Sie das explizit wünschen“ unter dem Telefonnummernfeld nimmt eine Frage weg, die viele Nutzer still im Kopf haben. Ähnliches gilt für den Datenschutzhinweis unter dem Absenden-Button: „Ihre Daten werden ausschließlich zur Bearbeitung Ihrer Anfrage verwendet und nicht weitergegeben“ ist keine Pflichtformalie, sondern eine echte Antwort auf einen echten Einwand. Das ist der Unterschied zwischen Microcopy als Fußnote und Microcopy als Einwandbehandlung.

Laut einer Baymard-Untersuchung aus dem Jahr 2025 brechen 19 Prozent der Nutzer einen Checkout ab, weil sie der Seite ihre Zahlungsdaten nicht anvertrauen wollen. Ein kurzer Hinweis auf die verschlüsselte Übertragung direkt neben dem Zahlungsfeld reduziert dieses Vertrauensproblem auf einem der wirksamsten Wege, die kein Redesign erfordert.

Wer Kontaktformulare grundsätzlich verbessern will, findet im Ratgeber zu mehr Formular-Conversion durch weniger Felder die strukturelle Perspektive dazu.

Fehlermeldungen richtig schreiben

Kurz gesagt: Eine gute Fehlermeldung benennt das Problem in Textform, zeigt, welches Feld betroffen ist, und sagt konkret, was zu tun ist. „Ungültige E-Mail“ ist keine Fehlermeldung. „Bitte eine vollständige Adresse eingeben, z. B. name@firma.de“ ist eine.

Fehlermeldungen sind der Moment, in dem Microcopy besonders leicht scheitert. Viele folgen noch dem Muster der frühen Web-Entwicklung: „Ungültige Eingabe“, „Fehler 400“, „Pflichtfeld nicht ausgefüllt“. Diese Texte beschreiben den Systemzustand, nicht das, was der Nutzer als nächstes tun soll.

Die Nielsen Norman Group empfiehlt für Fehlermeldungen drei Grundsätze: Die Meldung erscheint direkt beim betroffenen Feld, nicht am Seitenende. Sie beschreibt das Problem in Alltagssprache ohne Technikjargon. Und sie nennt konkret, was zu tun ist.

Aus WCAG-Sicht ist das mehr als eine Empfehlung. Kriterium 3.3.1 (Error Identification) verlangt, dass erkannte Eingabefehler in Textform identifiziert und beschrieben werden. Ein roter Rahmen allein erfüllt das nicht, weil Farbe als einziges Signal gegen Kriterium 1.4.1 (Verwendung von Farbe) verstößt. 3.3.3 (Error Suggestion) geht weiter und fordert, dass bei erkanntem Format- oder Eingabefehler ein konkreter Korrekturvorschlag gemacht wird, sofern das möglich ist.

Die Meldung sollte nicht zu früh erscheinen. Eine Fehlermeldung, die schon beim ersten Buchstaben in einem E-Mail-Feld warnt, wirkt belehrend und stört. Der richtige Zeitpunkt ist, wenn der Nutzer das Feld verlässt, spätestens nach dem Absenden. Ein Beispiel, das beide WCAG-Kriterien gleichzeitig erfüllt: „Bitte eine vollständige E-Mail-Adresse eingeben, z. B. name@firma.de.“ Es benennt das Problem (unvollständige Adresse), gibt das erwartete Format an und verbindet Identifikation mit Lösungsvorschlag.

Bestätigungen und leere Zustände

Zwei Bereiche, die bei der Microcopy-Optimierung oft vergessen werden, haben überproportionale Auswirkungen auf das Vertrauen: Bestätigungsnachrichten nach einer Aktion und Texte in leeren Zuständen.

Bestätigungen mit konkreter Erwartung

Nach dem Absenden eines Formulars erscheint meist „Vielen Dank für Ihre Nachricht“. Dieser Satz sagt nichts. Was passiert als nächstes? Wann kommt eine Antwort? Wer antwortet?

Eine Bestätigung, die Vertrauen schafft, beantwortet drei Fragen: Hat es funktioniert? Was passiert jetzt? Wann ist mit einer Reaktion zu rechnen? „Ihre Anfrage ist eingegangen. Wir melden uns innerhalb eines Werktags.“ ist präziser und schafft eine konkrete Erwartung. Vorausgesetzt, die genannte Frist stimmt und wird eingehalten. Eine Bestätigung mit falscher Erwartung schadet mehr als keine Erwartung.

Leere Zustände

„Keine Ergebnisse“ ist eine der häufigsten verpassten Gelegenheiten in Web-Interfaces. Wenn eine Suche nichts findet, ist das ein Moment, in dem der Nutzer Orientierung braucht. „Keine Ergebnisse für ‚Kiwi‘. Versuchen Sie es mit einem anderen Suchbegriff oder entfernen Sie einen der aktiven Filter.“ Das ist keine Fehlermeldung, das ist eine Handlungsanleitung.

Dasselbe gilt für leere Listen in Nutzerbereichen. „Sie haben noch keine Bestellungen aufgegeben“ ist neutral. „Sie haben noch keine Bestellungen aufgegeben. Jetzt entdecken“ gibt dem leeren Zustand eine Richtung. Leere Zustände sind keine Sackgassen, solange die Microcopy einen Weg weist.

Ton und Marke: wo Microcopy zur Sprache wird

Microcopy ist auch dann Kommunikation, wenn sie technisch klingt. Wer auf einer Seite konsequent „Sie“ verwendet und im Formular plötzlich zu „du“ wechselt, erzeugt eine Irritation, die kleiner wirkt als sie ist. Konsistenz in der Ansprache ist Voraussetzung, kein Bonus.

Charakter in der Microcopy, also Persönlichkeit und Tonalität, kommt laut der NNG-Analyse der drei C’s an dritter Stelle nach Klarheit und Kürze. Das ist keine Absage an Persönlichkeit, sondern eine Priorisierung: Wer für Charakter die Klarheit opfert, verliert. Wer Charakter auf Basis von Klarheit und Kürze hinzufügt, gewinnt.

Für den Mittelstand gilt eine einfache Grundregel: Der Ton der Microcopy soll zur restlichen Kommunikation passen. Ein Steuerberater sollte auf seinem Kontaktformular nicht schreiben „Super, wir melden uns!“. Ein Streetwear-Label kann das. Die Frage ist nicht, ob der Ton leger oder förmlich sein soll, sondern ob er zur Marke passt und konstant bleibt.

Bestätigungen, leere Zustände, Tooltip-Texte, Formular-Hinweise: All das sind Momente, in denen eine Marke spricht. Wer das ernst nimmt, baut Vertrauen nicht nur durch Design, sondern auch durch Formulierung.

Vergleichstabelle: schwache Microcopy vs. starke Microcopy

Element Schwach Stark Warum es einen Unterschied macht
Absende-Button (Kontaktformular) Senden Angebot anfordern Benennt den Nutzen, nicht die Aktion der Software
Absende-Button (Newsletter) Anmelden Wöchentlichen Ratgeber abonnieren Macht klar, was der Nutzer erhält
Absende-Button (kostenpflichtiger Dienst) Registrieren 14 Tage kostenlos testen Nimmt die Hemmung einer wahrgenommenen Verpflichtung
Platzhalter E-Mail-Feld E-Mail-Adresse z. B. name@firma.de Zeigt das erwartete Format statt das Label zu wiederholen
Fehlermeldung E-Mail Ungültige E-Mail-Adresse Bitte eine vollständige Adresse eingeben, z. B. name@firma.de Benennt Problem und Lösung, erfüllt WCAG 3.3.1 und 3.3.3
Datenschutzhinweis Ihre Daten sind sicher. Ihre Daten werden nur zur Bearbeitung Ihrer Anfrage verwendet und nicht weitergegeben. Beantwortet den konkreten Einwand statt ihn zu behaupten
Formular-Bestätigung Vielen Dank für Ihre Nachricht. Ihre Anfrage ist eingegangen. Wir melden uns innerhalb eines Werktags. Setzt eine klare Erwartung und reduziert Nachfragen
Leerer Suchzustand Keine Ergebnisse. Keine Ergebnisse für „Begriff“. Versuchen Sie einen kürzeren Suchbegriff oder entfernen Sie einen Filter. Gibt dem Nutzer eine Handlungsoption statt einer Sackgasse
Telefonnummer-Hinweis (kein Hinweis) Wir rufen nur zurück, wenn Sie das explizit wünschen. Nimmt die häufigste Hürde bei optionalen Kontaktdaten

Barrierefreiheit und Microcopy

Seit dem Inkrafttreten des Barrierefreiheitsstärkungsgesetzes im Juni 2025 sind viele Anbieter im Geschäftsverkehr verpflichtet, WCAG 2.2 auf Stufe AA umzusetzen. Microcopy berührt dabei direkt mehrere Erfolgskriterien.

Labels müssen programmatisch mit ihren Feldern verknüpft sein. Ein Label, das im Code keinen Bezug zum Eingabefeld hat, existiert für einen Screenreader nicht. Das passiert häufig bei selbst gebauten Formularen oder schlecht konfigurierten Plugins. Kriterium 3.3.2 (Labels or Instructions) verlangt, dass Beschriftungen vorhanden sind, wann immer Eingaben erforderlich sind.

Fehlermeldungen nur durch Farbe anzuzeigen verstößt gegen Kriterium 1.4.1. Ein roter Rahmen allein ist für farbenblinde Nutzer kein Signal. Die Fehlermeldung muss als Text existieren. Das deckt sich mit dem, was gutes Schreiben ohnehin fordert: sagen, was das Problem ist.

Button-Text muss ausreichend Kontrast zum Hintergrund haben: mindestens 4,5:1 für normalen Text nach Kriterium 1.4.3 auf Stufe AA. Graue Buttons auf weißem Hintergrund unterschreiten diesen Wert oft. Und schließlich: vage Linktexte wie „Hier klicken“ oder „Mehr erfahren“ verstoßen gegen Kriterium 2.4.4 (Link Purpose), das verlangt, dass der Zweck eines Links aus dem Linktext allein oder aus dem Kontext erkennbar ist. Sprechende Linktexte sind also sowohl für Screenreader als auch für alle anderen Nutzer die bessere Wahl.

Einen vollständigen Blick auf barrierefreie Formulare aus technischer und rechtlicher Perspektive bietet der Ratgeber barrierefreie Formulare Schritt für Schritt.

Praxisbeispiel: Kontaktformular überarbeitet

In einem Projekt begleiteten wir die Überarbeitung eines Kontaktformulars für ein mittelständisches Beratungsunternehmen. Das ursprüngliche Formular hatte vier Felder (Name, E-Mail, Telefon, Nachricht) und einen Button mit der Aufschrift „Senden“. Unter dem Button stand kein Hinweis. Die Fehlermeldung bei fehlendem Pflichtfeld lautete „Dieses Feld ist erforderlich“.

Wir haben an folgenden Stellen eingegriffen: Der Button-Text wurde zu „Unverbindliche Anfrage senden“ geändert. Unter dem Telefonfeld erschien der Hinweis „Optional. Wir rufen nur zurück, wenn Sie das ausdrücklich wünschen.“ Unter dem Absenden-Button wurde ergänzt: „Ihre Daten werden ausschließlich zur Bearbeitung Ihrer Anfrage verwendet.“ Die Fehlermeldung für das E-Mail-Feld lautete danach: „Bitte eine vollständige E-Mail-Adresse eingeben, z. B. name@firma.de.“ Nach dem Absenden erschien: „Ihre Anfrage ist eingegangen. Wir melden uns innerhalb von 24 Stunden, Werktage.“

Das Formular wurde nicht neu gestaltet. Kein einziger Pixelwert wurde geändert. Nur die Texte. Das Ergebnis war ein messbarer Anstieg der abgesendeten Formulare, vor allem weil die Abbruchrate beim Telefonfeld deutlich zurückging, nachdem der Hinweis erklärt hatte, wozu die Nummer gebraucht wird.

Microcopy ist kein Designprojekt. Es ist ein Schreibprojekt mit direktem wirtschaftlichen Effekt.

Microcopy-Vorlagen: direkt umsetzbar

Die folgenden HTML-Snippets decken die häufigsten Microcopy-Stellen ab. Texte in eckigen Klammern anpassen, danach kopieren und einfügen.

Button mit Nutzen-Formulierung

<button type="submit">Unverbindliche Anfrage senden</button>

<!-- Varianten je nach Kontext: -->
<!-- Angebot anfordern -->
<!-- 14 Tage kostenlos testen -->
<!-- Wöchentlichen Ratgeber abonnieren -->

Fehlermeldung nach WCAG 3.3.1 und 3.3.3

<span role="alert" id="email-error">
  Bitte eine vollständige E-Mail-Adresse eingeben, z.&nbsp;B. name@firma.de.
</span>

<!-- Das aria-describedby am Input-Feld verknüpfen: -->
<input type="email" id="email" aria-describedby="email-error" aria-invalid="true">

Vertrauenstext unter Telefonnummer-Feld

<p class="field-hint">Optional. Wir rufen nur zurück, wenn Sie das ausdrücklich wünschen.</p>

Formular-Bestätigung mit konkreter Erwartung

<div role="status" aria-live="polite">
  <p>Ihre Anfrage ist eingegangen. Wir melden uns innerhalb eines Werktags.</p>
</div>

Leerer Zustand mit Handlungsanleitung

<p>Keine Ergebnisse für <em>[Suchbegriff]</em>. Versuchen Sie einen kürzeren Begriff oder entfernen Sie einen der aktiven Filter.</p>

Wer mehr als ein Formular oder einen Shop mit vielen Interaktionszuständen hat, spart Zeit mit einer professionellen Microcopy-Durchsicht. Wir schauen gerne drauf.

Wer die eigene Startseite insgesamt auf Wirkung prüfen will, findet im Ratgeber zur Startseite, die in fünf Sekunden überzeugt, einen verwandten Blickwinkel.

Sofort-Checkliste: Microcopy prüfen

  • Beginnt jeder Buttontext mit einem Verb, das den nächsten Schritt aus Nutzersicht beschreibt?
  • Ergibt der Test „Ich möchte …“ vor dem Buttontext einen vollständigen Satz?
  • Zeigen Platzhaltertexte ein Beispiel statt das Label zu wiederholen?
  • Sind Labels programmatisch mit den Feldern verknüpft (nicht nur visuell)?
  • Sind optionale Felder als „optional“ gekennzeichnet, nicht Pflichtfelder mit Sternchen?
  • Erscheinen Fehlermeldungen direkt beim betroffenen Feld, nicht am Seitenende?
  • Benennen Fehlermeldungen das Problem als Text und nennen einen Lösungsweg?
  • Gibt es einen Datenschutz- oder Vertrauenshinweis direkt unter dem Absenden-Button?
  • Enthält die Bestätigungsnachricht nach dem Absenden eine konkrete Zeitangabe?
  • Haben leere Zustände („Keine Ergebnisse“, „Noch keine Einträge“) einen Handlungshinweis?
  • Ist die Ansprache (Sie/du) auf allen Seiten konsistent?
  • Haben alle Buttons ausreichend Kontrast (mindestens 4,5:1) nach WCAG 1.4.3?
  • Sind Linktexte sprechend statt „hier“ oder „mehr erfahren“?
Das Wichtigste zum Mitnehmen

  • Microcopy entscheidet im Handlungsmoment: Button-Texte, Fehlermeldungen und Bestätigungen sind keine Randdetails, sondern Conversion-Hebel.
  • Starke Buttontexte beginnen mit einem Verb und benennen den Nutzen, nicht die Technik. „Angebot anfordern“ schlägt „Senden“ in jedem Test.
  • Fehlermeldungen müssen nach WCAG 3.3.1 als Text vorliegen, das betroffene Feld benennen und einen Lösungsweg zeigen. Farbe allein genügt nicht.
  • Kleine Textänderungen liefern große Ergebnisse ohne Redesign: ein gut formulierter Hinweis unter einem Telefonfeld kann die Abbruchrate bei diesem Feld halbieren.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Microcopy und UX Writing?

UX Writing ist der übergeordnete Begriff für alle Texte, die die Nutzung einer digitalen Oberfläche unterstützen. Microcopy ist die kleinste Einheit davon: weniger als drei Sätze, direkt in der Interaktion. Jede Microcopy ist UX Writing, aber nicht jedes UX Writing ist Microcopy.

Brauche ich für gute Microcopy einen eigenen Texter?

Für eine überschaubare Unternehmenswebsite nicht zwingend. Eine strukturierte Durchsicht aller Buttons, Fehlermeldungen und Formularhinweise lässt sich mit der Checkliste in diesem Artikel auch intern durchführen. Bei komplexen Onlineshops oder Softwareprodukten mit vielen Interaktionszuständen lohnt sich jemand mit UX-Writing-Erfahrung.

Wie teste ich, ob meine Microcopy funktioniert?

Der schnellste Weg ist ein kurzer Test mit fünf Personen aus der Zielgruppe: eine konkrete Aufgabe durchführen und beobachten, wo sie zögern oder nachfragen. Wer messbar vorgehen will, testet zwei Button-Varianten gegeneinander und misst Klick- oder Abschlussrate. Selbst kleine Unterschiede werden dabei sichtbar, wie der Unbounce-Test mit Going.com zeigt.

Was gilt für mehrsprachige Websites?

Maschinell übersetzte Microcopy ist oft grammatisch korrekt, aber in der Zielsprache unüblich oder missverständlich. „Submit“ klingt im Deutschen als „Übermitteln“ auf vielen Buttons fremd. Jede Sprache braucht eine eigenständige Formulierung, die zur lokalen Konvention passt. Ein kurzes Gegenlesen durch eine muttersprachliche Person reicht meist aus.

Wie hängen Microcopy und Barrierefreiheit zusammen?

Direkt. Labels, Fehlermeldungen und Linktexte sind explizit durch WCAG-Kriterien geregelt (1.4.1, 1.4.3, 2.4.4, 3.3.1, 3.3.2, 3.3.3). Gute Microcopy erfüllt diese Anforderungen von selbst: Wer Fehlermeldungen als Text schreibt, wer Linktexte sprechend formuliert und wer Labels klar beschriftet, ist in den meisten WCAG-relevanten Microcopy-Punkten konform.