- Vier Zahlungsarten decken den deutschen Markt ab: PayPal (28,5 % Umsatzanteil), Kauf auf Rechnung (25,8 %), Lastschrift (17,3 %) und Kreditkarte (12,3 %). Quelle: EHI Online-Payment 2025.
- Kauf auf Rechnung steigert die Conversion, besonders im B2B und bei Neukunden. Das Ausfallrisiko lässt sich auf Anbieter wie Klarna oder Billie auslagern.
- Seit der PSD2-Richtlinie ist eine starke Kundenauthentifizierung (3D Secure) bei Kartenzahlungen Pflicht. Veraltete Shop-Plugins führen zu abgelehnten Transaktionen.
- Aufschläge für gängige Zahlungsarten sind seit Januar 2018 im Verbrauchergeschäft verboten (§ 270a BGB). Wer eine Methode als Standard vorauswählt, muss diese kostenneutral halten.
Kein anderer Schritt im Checkout entscheidet so direkt über Umsatz wie die Zahlungsarten. Wer seine bevorzugte Methode nicht findet, bricht ab. Meistens kauft er beim nächsten Anbieter, der sie anbietet. Dieser Artikel zeigt, welche vier Methoden in Deutschland unverzichtbar sind, was sie kosten, welche Risiken sie tragen und wann eine weitere Methode den Aufwand rechtfertigt.
Warum Zahlungsarten über Abbrüche entscheiden
Der Mechanismus ist simpel: Wer online kauft, hat eine bevorzugte Zahlungsart. Findet er sie im letzten Schritt nicht, zieht er sich zurück. Er hat keine Zeit, seine Bankdaten neu einzugeben, er vertraut dem unbekannten Shop nicht genug für eine Kreditkartennummer, oder er will einfach erst zahlen, wenn die Ware da ist. Das ist kein irrationaler Widerstand, sondern normales Risikoverhalten.
Für Shopbetreiber hat das eine konkrete Folge: Die Zahlungsseite ist nicht das Ende des Kaufprozesses, sondern einer der kritischsten Punkte. Jede fehlende Methode ist eine messbare Lücke in der Conversion. Wer die häufigsten Abbruchgründe im Überblick verstehen will, findet eine ausführliche Analyse im Artikel zu Warenkorbabbrüchen und ihren Ursachen.
Die Frage ist nicht, ob man möglichst viele Methoden anbieten sollte. Zu viele Optionen überfordern, ein unübersichtlicher Checkout kostet genauso Conversions wie ein zu karger. Die Frage ist, welche vier bis sechs Methoden den deutschen Markt abdecken und ab wann jede weitere Ergänzung mehr kostet als sie bringt.
Marktanteile in Deutschland: was die EHI-Zahlen sagen
Das EHI Retail Institute veröffentlicht jährlich die Studie „Online-Payment“, die belastbarste verfügbare Datenquelle zu Zahlungsarten im deutschen Onlinehandel. Die Ausgabe 2025 basiert auf Daten von 153 Handelsunternehmen mit einem Gesamtnettoumsatz von 45,1 Milliarden Euro im Jahr 2024.
Drei Dinge fallen in diesen Zahlen auf. PayPal hält trotz jahrelanger Diskussion über den Niedergang seine Spitzenposition und hat gegenüber 2023 sogar leicht zugelegt. Kauf auf Rechnung verliert etwas, bleibt aber mit einem Viertel Marktanteil unverzichtbar. Ratenkauf (Buy now, pay later) hat sich laut EHI in drei Jahren verdoppelt. Der absolute Anteil ist noch überschaubar, aber die Richtung ist klar.
Was diese Zahlen nicht zeigen: Sie bilden den Durchschnitt über alle Branchen ab. Für einen Modeshop mit vielen Spontankäufen unter 50 Euro sieht der optimale Zahlungsmix anders aus als für einen B2B-Werkzeughandel mit durchschnittlichen Warenkörben von 300 Euro. Die EHI-Daten sind eine gute Startbasis, ersetzen aber die Analyse der eigenen Zielgruppe nicht.
Die vier Methoden, die jeder Shop braucht
PayPal ist laut EHI-Studie Online-Payment 2025 in 95 Prozent der untersuchten Shops verfügbar. Kein anderer Anbieter kommt auch nur annähernd an diese Verbreitung heran. Der Grund ist nicht das Anbieter-Marketing, sondern das Nutzungsverhalten: Für einen erheblichen Teil der deutschen Online-Käufer ist PayPal die bevorzugte, teils einzig akzeptierte Zahlungsmethode. Käuferschutz, gespeicherte Zahlungsdaten und der schnelle Checkout über die App sind die konkreten Gründe. Wer PayPal nicht anbietet, gibt diesen Anteil bewusst auf.
Kauf auf Rechnung ist das Vertrauensmodell des deutschen Käufers: erst Ware prüfen, dann zahlen. Diese Logik schlägt jedes Sicherheitsargument für den Händler, solange das Ausfallrisiko übertragen werden kann. Auf die konkreten Modelle und Kosten geht der nächste Abschnitt ein.
SEPA-Lastschrift schätzen vor allem Stammkunden, die keine Daten bei Drittanbietern hinterlegen wollen. Der Vorteil für den Händler: niedrige oder keine direkten Transaktionsgebühren bei direkter Bankanbindung. Der Nachteil: Rückbuchungsfristen bis 13 Monate bei nicht genehmigten Lastschriften, und das Verfahren setzt Vertrauen in den Käufer voraus. Für den Kaltstart mit unbekannten Kunden ist es riskanter als für den etablierten Shop mit Stammkundenbasis.
Kreditkarte (Visa, Mastercard) ist besonders für zwei Gruppen wichtig: mobile Käufer, die ihre Karte gespeichert haben, und internationale Kunden, für die Kreditkarte die vertraute Zahlungsmethode schlechthin ist. Technisch läuft sie über denselben Zahlungsdienstleister wie die übrigen Methoden, der Mehraufwand ist gering.
Kauf auf Rechnung: Conversion-Hebel und Risikomanagement
Kauf auf Rechnung ist in Deutschland mehr als eine Option unter mehreren, er ist ein Conversion-Faktor, besonders im B2B-Handel. Geschäftskunden kaufen oft auf Rechnung, weil interne Freigabeprozesse eine sofortige Zahlung per Kreditkarte gar nicht vorsehen. Wer den Rechnungskauf im B2B-Shop nicht anbietet, verliert systematisch an Wettbewerber, die ihn haben.
Im B2C wirkt er ähnlich: Bei unbekannten Anbietern ist die Bereitschaft, Kreditkartendaten einzugeben, deutlich geringer als die Bereitschaft, auf Rechnung zu bestellen. Der Rechnungskauf senkt die Kaufschwelle für Erstkunden erheblich.
Wer auf Rechnung verkauft und die Ware verschickt, ist in Vorleistung. Manche Kunden zahlen nicht. Zwei Modelle lösen das:
Externer Anbieter übernimmt das Ausfallrisiko. Klarna, Billie oder ähnliche Dienste prüfen die Bonität des Käufers in Echtzeit und zahlen dem Händler den Betrag aus, sobald die Bestellung bestätigt ist. Das Forderungsmanagement liegt beim Dienstleister. Der Preis ist eine höhere Transaktionsgebühr: Bei Klarna liegt sie für Rechnung und Ratenkauf nach aktuellen Angaben bei rund 2,99 % + 1,69 € pro Transaktion. Das ist deutlich mehr als bei anderen Methoden, aber oft günstiger als internes Mahnwesen und Forderungsausfälle. Diese Gebühren verhandeln größere Händler individuell, kleine Shops zahlen in der Regel die Standardtarife.
Eigenes Forderungsmanagement. Wer Bonitätsprüfung und Mahnung selbst übernimmt, zahlt keine Dienstleistergebühr, trägt dafür aber Aufwand und Ausfallrisiko selbst. Sinnvoll ab einem stabilen Bestandskundenanteil und einem internen Prozess, der das effizient abbildet.
Für WooCommerce-Shops, die Klarna einsetzen wollen, sind die Plugin-Optionen und deren aktueller Stand wichtig. Welches System für welche Shopgröße passt, beleuchtet der Vergleich WooCommerce oder Shopify.
Gebührenvergleich: Was PayPal, Stripe und Klarna wirklich kosten
Transaktionsgebühren klingen abstrakt, wirken aber direkt auf die Marge. Ein einfaches Beispiel: Bei einem Warenkorb von 80 Euro und PayPal-Zahlung (2,49 % + 0,35 €) zahlt der Händler 2,34 Euro. Bei 1.000 Transaktionen im Monat sind das 2.340 Euro Gebühren allein für diese eine Methode. Es lohnt sich, die eigenen Zahlen zu kennen.
| Zahlungsart / Anbieter | Typische Kosten | Ausfallrisiko | Für wen geeignet |
|---|---|---|---|
| PayPal (Waren/Dienstleistungen Inland) | 2,49 % + 0,35 € | Liegt beim Händler (Käuferschutz = Händler kann Verlieren) | Alle Shops, Pflicht für breite Abdeckung |
| Stripe EU-Karten | 1,5 % + 0,25 € | Liegt beim Händler; Chargeback möglich | Shops mit API-Integration, internationale Skalierung |
| Stripe internationale Karten (Non-EWR) | 3,25 % + 0,25 € | Liegt beim Händler | Shops mit internationalem Umsatzanteil |
| Klarna Rechnung / Ratenkauf | ca. 2,99 % + 1,69 € (Standardtarif, verhandelbar) | Klarna übernimmt Ausfallrisiko | B2C- und B2B-Shops, die Rechnungskauf ohne eigenes Forderungsmanagement wollen |
| SEPA-Lastschrift (direkt) | sehr gering bis 0 bei Direkt-Integration; je nach PSP zzgl. Fixgebühr (Stripe SEPA: 0,35 % + 0,35 €, min. 0,35 €, max. 6 €) | Beim Händler; Rückbuchung bis 13 Monate | Shops mit Stammkundenbasis, B2B mit Vertragskunden |
| Kreditkarte via Stripe | s. Stripe EU/international | Chargeback bis 120 Tage; SCA reduziert Risiko | Mobile-fokussierte Shops, internationale Kunden |
Gebührenangaben für PayPal gemäß PayPal Händlergebühren (Stand: Juni 2026). Stripe-Tarife nach stripe.com/de/pricing. Klarna-Angaben sind Richtwerte, individuelle Verträge können abweichen.
Ein häufiger Denkfehler: Die Gebühren werden isoliert betrachtet, ohne Ausfallrisiko und Rückbuchungsaufwand einzurechnen. PayPal und Kreditkarte sind teurer als Lastschrift, aber die mögliche Chargeback-Quote bei der Lastschrift drückt den Nettovorteil. Bei der Entscheidung immer den Gesamteffekt rechnen: Transaktionskosten + Ausfallquote × durchschnittlicher Warenkorb.
PSD2 und starke Kundenauthentifizierung: was Händler wissen müssen
Die EU-Zahlungsdienstrichtlinie PSD2 verlangt, dass Käufer bei Online-Kartenzahlungen mit zwei voneinander unabhängigen Faktoren authentifiziert werden. Die drei möglichen Kategorien sind Wissen (Passwort, PIN), Besitz (Smartphone, auf das ein Code gesendet wird) und Inhärenz (Biometrie). Mindestens zwei Kategorien müssen kombiniert werden. Die BaFin erläutert die Anforderungen ausführlich auf ihrer Verbraucherseite.
Für Shopbetreiber bedeutet das konkret:
- Kartenzahlungen laufen über 3D Secure 2.x (Verified by Visa, Mastercard Identity Check). Alle relevanten Zahlungsdienstleister setzen das technisch um, vorausgesetzt die Shop-Anbindung ist aktuell.
- Wer ein altes WooCommerce-Zahlungs-Plugin von vor 2020 betreibt, riskiert, dass die Bank Transaktionen ablehnt, weil das Plugin kein SCA-konformes Authentifizierungsverfahren unterstützt. Dieser Fehler fällt oft nicht sofort auf, weil manche Banken SCA noch nicht flächendeckend erzwingen. Wenn dann eine Ablehnung kommt, ist die Ursache schwer nachzuvollziehen.
- SEPA-Lastschrift fällt nicht unter die SCA-Pflicht, weil die Zahlung durch den Zahlungsempfänger ausgelöst wird, nicht durch den Käufer.
Es gibt Ausnahmen von der SCA-Pflicht, etwa für Transaktionen unter 30 Euro (mit Kumulierungsgrenze) und für Händler mit sehr niedrigen Betrugsquoten (Transaction Risk Analysis). Diese Ausnahmen werden automatisch von den Zahlungsdienstleistern geprüft und angewendet. Der Händler muss sie nicht selbst aktivieren, sollte aber wissen, dass sie existieren, sonst fragt man sich, warum manche Käufe ohne zweiten Faktor durchgehen.
Betrugsrisiko nach Zahlungsart
Jede Zahlungsart hat ein anderes Risikoprofil. Wer das nicht kennt, trifft schlechte Entscheidungen: Er schließt eine profitable Methode aus Angst aus, oder er setzt auf eine, die sein konkretes Geschäftsmodell gefährdet.
| Zahlungsart | Hauptrisiko für den Händler | Rückbuchungsfrist | Gegenmittel |
|---|---|---|---|
| Kreditkarte | Chargeback: Käufer fechtet Transaktion bei seiner Bank an | Typisch 120 Tage ab Transaktion | SCA / 3D Secure reduziert Haftung; Liefernachweis aufbewahren |
| SEPA-Lastschrift | Rückbuchung durch Käufer jederzeit möglich | 8 Wochen (autorisiert), 13 Monate (nicht autorisiert) | Limit pro Neukundenbestellung, Bonitätsprüfung, Stammkundensystem |
| Kauf auf Rechnung (extern) | Keines (Ausfallrisiko liegt beim Dienstleister) | – | Anbieter wie Klarna prüfen Bonität in Echtzeit |
| Kauf auf Rechnung (intern) | Zahlungsausfall, Betrug mit falschen Adressen | – | Adressvalidierung, Bonitätsprüfung, Mahnwesen |
| PayPal | Käuferschutz-Missbrauch; Händler kann Streit verlieren | 180 Tage ab Zahlung | Tracking-Nummer hochladen, Liefernachweis führen |
Praktisch relevant ist vor allem die SEPA-Lastschrift bei Neukunden. Eine offene Lastschrift kann bis zu 13 Monate nach Abbuchung zurückgebucht werden, wenn der Käufer behauptet, die Zahlung nie genehmigt zu haben. Wer SEPA im Shop anbietet, sollte es für Erstkäufe entweder auf kleinere Beträge begrenzen oder an eine einfache Bonitätsprüfung koppeln.
Bei Kreditkarten schützt die SCA-Pflicht den Händler: Wenn ein Kauf 3D Secure durchlaufen hat und die Bank den Käufer authentifiziert hat, kann die Bank beim Chargeback die Haftung nicht mehr automatisch auf den Händler abwälzen. Das ist ein handfester Vorteil der PSD2-Pflicht, der oft übersehen wird.
Dienstleister wählen: Stripe, Mollie oder PayPal direkt?
Die meisten Shops brauchen einen zentralen Payment Service Provider (PSP), der mehrere Zahlungsarten über eine einzige Integration bündelt. Die Alternative, jede Zahlungsart direkt bei ihrer Quelle anzubinden, erzeugt technischen Aufwand, mehrere Verträge und schwierigere Verwaltung. Ein guter PSP kostet etwas mehr pro Transaktion, spart aber Entwicklungs- und Wartungsaufwand.
Drei Anbieter dominieren in deutschen KMU-Shops:
Stripe ist technisch der umfangreichste und am besten dokumentierte Anbieter. Die Schnittstellen-Qualität ist hoch, der Methodenmix breit, und die Gebühren sind für EU-Karten mit 1,5 % + 0,25 € konkurrenzfähig. Stripe passt zu Shops, die Wert auf saubere API-Integration legen und perspektivisch international skalieren wollen. Für rein nationale KMU-Shops ohne eigene Entwicklerressourcen ist der Einstieg etwas techniklastiger als bei Mollie.
Mollie ist im deutschsprachigen Mittelstand beliebt, weil der Einstieg unkompliziert ist und das Kundensupport-Niveau als solide gilt. WooCommerce-Plugins gibt es direkt vom Anbieter. Der Methodenmix deckt alle wesentlichen deutschen Zahlungsarten ab. Für Shops ohne eigene Entwickler oft die bessere Wahl gegenüber Stripe.
PayPal direkt ist kein vollständiger PSP, sondern deckt nur PayPal-Zahlungen ab. Viele WooCommerce-Shops nutzen PayPal direkt und ergänzen daneben Stripe oder Mollie für Kreditkarte und Lastschrift. Das ist technisch möglich, erzeugt aber zwei Abrechnungsströme. Einfacher ist eine PSP-Lösung, die PayPal als eine der verfügbaren Methoden integriert.
Die Entscheidung zwischen WooCommerce und Shopify beeinflusst die Wahl des Dienstleisters. Shopify Payments ist nur für Shopify verfügbar und schließt PayPal de facto ein, während WooCommerce mit jedem beliebigen PSP kombiniert werden kann. Die Grundsatzfrage dazu beantwortet der Artikel WooCommerce oder Shopify.
Was Sie weglassen können, und wann nicht
Nicht jede Zahlungsart, die technisch möglich ist, gehört in jeden Shop. Drei Kategorien, bei denen die Entscheidung nicht automatisch klar ist:
Apple Pay und Google Pay gewinnen laut EHI an Bedeutung: 46,8 Prozent der Händler planen, Apple Pay künftig in ihren Zahlungsmix aufzunehmen, 36,2 Prozent wollen Google Pay einführen. Sie erfordern kaum Zusatzaufwand, weil die meisten PSPs sie bereits integriert haben. Der Nutzen hängt davon ab, wie viel Ihres Umsatzes über Mobilgeräte kommt. Wer seinen Shop für mobile Käufer optimieren will, sollte sie aktivieren.
Sofortüberweisung (jetzt: Klarna Sofort) hat eine loyale Nutzergruppe unter Käufern, die kein PayPal-Konto wollen, aber auch keine Kreditkarte eintippen möchten. Sie überweisen direkt aus ihrem Online-Banking. Für viele Shops eine sinnvolle Ergänzung als fünfte oder sechste Methode. Kein Muss zum Start.
Kryptowährungen, Neobank-Wallets und andere Nischenmethoden: Ihr Marktanteil im deutschen Onlinehandel ist minimal, die Integration kostet Zeit, und der typische Stammkunde eines regionalen oder national tätigen B2B-Shops erwartet sie nicht. Erst einführen, wenn ein konkretes Kundenbedürfnis vorliegt.
Ratenkauf (Buy now, pay later) ist eine Ausnahme: Die EHI-Daten zeigen eine Verdopplung des Umsatzanteils in drei Jahren auf 4,3 %. Wer hochpreisige Artikel (ab ca. 200 Euro aufwärts) verkauft, sollte BNPL aktiv prüfen. Klarna und ähnliche Anbieter übernehmen auch hier das Ausfallrisiko gegen die bekannte höhere Gebühr.
Praxisbeispiel: Zahlungsmix für einen mittelständischen B2B-Shop
In einem WooCommerce-Projekt für einen Werkzeuggroßhandel mit B2B-Fokus haben wir folgende Ausgangssituation vorgefunden: Der Shop bot nur PayPal und Kreditkarte an, weil der Inhaber das Risiko des Rechnungskaufs scheute. Gleichzeitig gingen im Kundensupport regelmäßig Anfragen ein, ob auch auf Rechnung bestellt werden könne. Der Abbruchanteil auf der Zahlungsseite lag nach Analytics-Auswertung deutlich höher als der Branchendurchschnitt.
Wir haben drei Dinge geändert. Klarna Rechnung kam rein: Der Händler trägt kein Ausfallrisiko mehr, Klarna prüft die Bonität in Echtzeit. SEPA-Lastschrift haben wir auf eingeloggte Stammkunden beschränkt. Und alle Methoden sind über Mollie auf einer einzigen PSP-Plattform zusammengeführt, was die Verwaltung vereinfacht und zwei Abrechnungsströme auf einen reduziert.
Die Abbruchquote auf der Zahlungsseite sank messbar. Die Rechnungskauf-Anfragen im Support hörten auf. Das Ausfallrisiko blieb bei null, weil Klarna den kompletten Rechnungskauf übernahm. Die höhere Klarna-Gebühr war durch den gestiegenen Umsatz kompensiert.
Was aus diesem Projekt mitgenommen werden kann: Der häufigste Fehler ist nicht, eine Methode falsch einzusetzen. Er ist, eine Methode aus Angst vor dem Risiko gar nicht anzubieten, ohne zu wissen, ob das Risiko überhaupt beim Händler liegt. Bei externen Rechnungskauf-Anbietern liegt es eben nicht beim Händler.
Wie die technische Einrichtung von Versand, Steuern und Rechtstexten in WooCommerce sauber abläuft, erklärt der Artikel Versand, Steuern und Rechtstexte in WooCommerce.
Sofort-Checkliste: Zahlungsarten im eigenen Shop prüfen
- Sind PayPal, Kreditkarte, Lastschrift und Kauf auf Rechnung alle vier aktiv?
- Ist der Zahlungsdienstleister aktuell (Plugin-Version, SCA-Unterstützung für 3D Secure 2.x)?
- Übernimmt ein externer Anbieter das Ausfallrisiko beim Rechnungskauf, oder liegt es beim Händler?
- Ist SEPA-Lastschrift für Neukunden sinnvoll begrenzt (Betragsgrenze, Stammkunden-Pflicht)?
- Werden für gängige Zahlungsarten keine Aufschläge erhoben (§ 270a BGB)?
- Ist die vorausgewählte Standard-Zahlungsart kostenneutral für den Käufer?
- Sind Apple Pay und Google Pay aktiviert, falls der Mobilanteil des Shops über 50 % liegt?
- Ist der Checkout übersichtlich (maximal 6 Methoden sichtbar, keine Auswahlüberflutung)?
- Sind die Datenschutzhinweise der Zahlungsdienstleister in der Datenschutzerklärung korrekt eingebunden?
- Werden Chargeback-Belege und Liefernachweise für 180 Tage aufbewahrt (PayPal-Käuferschutz)?
- PayPal (28,5 %), Rechnung (25,8 %), Lastschrift (17,3 %) und Kreditkarte (12,3 %) decken laut EHI über 80 % des deutschen Onlinehandel-Umsatzes ab. Diese vier sind der Pflichtmix.
- Kauf auf Rechnung steigert die Conversion, besonders bei Neukunden und B2B. Das Ausfallrisiko lässt sich über Anbieter wie Klarna oder Billie vollständig auslagern, zum Preis höherer Transaktionsgebühren.
- PSD2 schreibt für Kartenzahlungen starke Kundenauthentifizierung vor. Wer ein altes Zahlungs-Plugin betreibt, riskiert Transaktionsablehnungen. Der positive Nebeneffekt: SCA reduziert das Händler-Haftungsrisiko bei Chargebacks erheblich.
- Gebühren isoliert zu betrachten ist ein Fehler. Der Gesamteffekt aus Transaktionskosten, Ausfallquote und Rückbuchungsaufwand entscheidet. SEPA-Lastschrift ist günstig, bis eine Rückbuchungswelle den Vorteil auffrisst.
Häufige Fragen
Muss ich PayPal zwingend anbieten?
Eine gesetzliche Pflicht gibt es nicht. Aber PayPal ist laut EHI-Studie Online-Payment 2025 in 95 % der untersuchten Onlineshops verfügbar und trägt 28,5 % des Onlinehandel-Umsatzes. Wer PayPal weglässt, verliert einen messbaren Teil seiner Bestellungen.
Was kostet Kauf auf Rechnung über Klarna?
Der Standardtarif für Rechnung und Ratenkauf liegt bei rund 2,99 % + 1,69 € pro Transaktion. Dafür übernimmt Klarna das vollständige Ausfallrisiko und die Bonitätsprüfung in Echtzeit. Größere Händler können Tarife verhandeln. Die genauen Konditionen hängen vom Umsatzvolumen ab.
Darf ich Aufschläge für bestimmte Zahlungsarten verlangen?
Im Verbrauchergeschäft nein, für die meisten Methoden. § 270a BGB verbietet seit dem 13. Januar 2018 ein gesondertes Entgelt für SEPA-Überweisungen, SEPA-Lastschriften sowie für Zahlungen mit gängigen Debit- und Kreditkarten. Wer eine Zahlungsart als Standard vorauswählt, muss außerdem sicherstellen, dass diese kostenneutral ist.
Was ist 3D Secure und muss ich das einrichten?
3D Secure ist das technische Verfahren hinter der PSD2-Pflicht zur starken Kundenauthentifizierung bei Kartenzahlungen. Es sorgt dafür, dass Käufer beim Checkout einen zweiten Faktor bestätigen, meist per App, SMS oder Fingerabdruck. Aktuelle Zahlungsdienstleister setzen das automatisch um. Ihr einziger Handlungsbedarf: sicherstellen, dass Ihre Plugin-Version 3D Secure 2.x unterstützt.
Wie lange kann eine SEPA-Lastschrift zurückgebucht werden?
Bei einer autorisierten Lastschrift (Käufer hat zugestimmt) sind es 8 Wochen ab Belastung. Bei einer nicht autorisierten Lastschrift (Käufer bestreitet, je zugestimmt zu haben) bis zu 13 Monate. Das ist der Grund, warum viele Shops SEPA-Lastschrift für Neukunden auf kleinere Beträge begrenzen.
Wieviele Zahlungsarten sind zu viele?
Eine Zahl gibt es nicht, aber die Faustregel liegt bei fünf bis sieben sichtbaren Methoden. Mehr erzeugt Entscheidungsstress. Wichtiger als die Zahl ist, dass die tatsächlich nachgefragten Methoden Ihrer Zielgruppe dabei sind und der Checkout übersichtlich bleibt. Ein B2B-Shop mit Gewerbekunden braucht einen anderen Mix als ein Modeshop für Spontankäufe.
Kann ich Zahlungsarten auf bestimmte Kundengruppen beschränken?
Ja, das ist in WooCommerce technisch möglich. Lastschrift nur für eingeloggte Stammkunden, Rechnungskauf nur für verifizierte Geschäftskunden. Beides sind gängige Konfigurationen, die das Risiko begrenzen, ohne die Methode komplett zu streichen.
