- Vier Zahlungsarten decken den deutschen Markt ab: PayPal (28,5 % Umsatzanteil), Kauf auf Rechnung (25,8 %), Lastschrift (17,3 %) und Kreditkarte (12,3 %). Quelle: EHI Online-Payment 2025.
- Kauf auf Rechnung steigert die Conversion, besonders im B2B und bei Neukunden. Das Ausfallrisiko lässt sich auf Anbieter wie Klarna oder Billie auslagern.
- Seit der PSD2-Richtlinie ist eine starke Kundenauthentifizierung (3D Secure) bei Kartenzahlungen Pflicht. Veraltete Shop-Plugins führen zu abgelehnten Transaktionen.
- Aufschläge für SEPA-Zahlungen und gängige Kartenzahlungen (Visa, Mastercard) sind seit dem 13. Januar 2018 im Verbrauchergeschäft verboten (§ 270a BGB); im B2B sind sie vertraglich möglich. Wer eine Methode als Standard vorauswählt, muss diese kostenneutral halten.
Kein anderer Schritt im Checkout entscheidet so direkt über Umsatz wie die Zahlungsarten. Wer seine bevorzugte Methode nicht findet, bricht ab. Meistens kauft er beim nächsten Anbieter, der sie anbietet. Dieser Artikel zeigt, welche vier Methoden in Deutschland unverzichtbar sind, was sie kosten, welche Risiken sie tragen und wann eine weitere Methode den Aufwand rechtfertigt.
Warum Zahlungsarten über Abbrüche entscheiden
Der Mechanismus ist simpel: Wer online kauft, hat eine bevorzugte Zahlungsart. Findet er sie im letzten Schritt nicht, zieht er sich zurück. Er hat keine Zeit, seine Bankdaten neu einzugeben, er vertraut dem unbekannten Shop nicht genug für eine Kreditkartennummer, oder er will einfach erst zahlen, wenn die Ware da ist. Dahinter steckt normales Risikoverhalten.
Für Shopbetreiber hat das eine konkrete Folge: Die Zahlungsseite ist einer der kritischsten Punkte im ganzen Kaufprozess, nicht bloß sein Abschluss. Jede fehlende Methode ist eine messbare Lücke in der Conversion. Wer die häufigsten Abbruchgründe im Überblick verstehen will, findet eine ausführliche Analyse im Artikel zu Warenkorbabbrüchen und ihren Ursachen.
Mehr Methoden sind nicht automatisch besser. Zu viele Optionen überfordern, ein unübersichtlicher Checkout kostet genauso Conversions wie ein zu karger. Es geht also darum, welche vier bis sechs Methoden den deutschen Markt abdecken und ab wann jede weitere Ergänzung mehr kostet als sie bringt.
Marktanteile in Deutschland: was die EHI-Zahlen sagen
Das EHI Retail Institute veröffentlicht jährlich die Studie „Online-Payment“, die belastbarste verfügbare Datenquelle zu Zahlungsarten im deutschen Onlinehandel. Die Ausgabe 2025 basiert auf Daten von 153 Handelsunternehmen mit einem Gesamtnettoumsatz von 45,1 Milliarden Euro im Jahr 2024.
Drei Dinge fallen in diesen Zahlen auf. PayPal hält trotz jahrelanger Diskussion über den Niedergang seine Spitzenposition und hat gegenüber 2023 sogar leicht zugelegt. Kauf auf Rechnung verliert etwas, bleibt aber mit einem Viertel Marktanteil unverzichtbar. Ratenkauf (Buy now, pay later) hat sich laut EHI in drei Jahren verdoppelt. Der absolute Anteil ist noch überschaubar, aber die Richtung ist klar.
Was diese Zahlen nicht zeigen: Sie bilden den Durchschnitt über alle Branchen ab. Für einen Modeshop mit vielen Spontankäufen unter 50 Euro sieht der optimale Zahlungsmix anders aus als für einen B2B-Werkzeughandel mit durchschnittlichen Warenkörben von 300 Euro. Die EHI-Daten sind eine gute Startbasis, ersetzen aber die Analyse der eigenen Zielgruppe nicht.
Die EHI-Studie misst, womit bezahlt wird. Zusätzlich haben wir ausgewertet, was Shops überhaupt sichtbar anbieten. Dafür haben wir die Startseiten von 99 deutschen Onlineshops ausgewertet und die sichtbaren Zahlungs- und Wallet-Logos gezählt.
sichtbare Zahlungs-Logos zeigt der durchschnittliche deutsche Onlineshop auf seiner Startseite (Median: vier). PayPal führt mit 84,8 Prozent, danach wird es schnell dünner. Das stützt die Faustregel: wenige passende Methoden schlagen ein überladenes Angebot.
Methodik: Stichprobe von 99 deutschen Onlineshop-Startseiten, Juni 2026. Gezählt wurden sichtbare Logo- und Badge-Marker im Startseiten-HTML: PayPal 84,8 %, Visa 55,6 %, Mastercard 53,5 %, Klarna 40,4 %, Apple Pay 38,4 %, Google Pay 30,3 %, Amazon Pay 20,2 %. Kauf auf Rechnung und Lastschrift erscheinen meist erst im Checkout und sind hier nicht mitgezählt, die Vielfalt-Zahl ist also eine Untergrenze. Keine amtliche Grundgesamtheit.
Aus den beiden Datenquellen folgt ein Prüfraster, das wir jedem Shop empfehlen. Die Basis ist schnell geklärt: Deckt der Mix die vier Markt-Pflichtmethoden ab? Falls ja, hängt fast alles Weitere an einer einzigen Frage, nämlich wer bei jeder Methode das Ausfallrisiko trägt, der Händler selbst oder ein ausgelagerter Dienst. Gerechnet wird am Ende der Gesamteffekt aus Gebühr, Ausfallquote und Warenkorbgröße, nie die Gebühr für sich genommen. Ein Nebenbefund der Erhebung passt dazu: 14 Prozent der geprüften Shops zeigten gar kein Zahlungs-Logo auf der Startseite. Das ist ein kostenloses Vertrauenssignal, das viele verschenken.
Die vier Methoden, die jeder Shop braucht
PayPal trägt laut EHI 28,5 Prozent des Onlinehandel-Umsatzes und ist damit die meistgenutzte Methode. Auch in der Sichtbarkeit liegt PayPal vorn: In unserer eigenen Stichprobe von 99 deutschen Shops (siehe Erhebung oben) nennen 84,8 Prozent PayPal sichtbar als Zahlungsart, kein anderer Anbieter kommt an diese Verbreitung heran. Hinter der Dominanz steht das Nutzungsverhalten: Für einen erheblichen Teil der deutschen Online-Käufer ist PayPal die bevorzugte, teils einzig akzeptierte Methode. Käuferschutz, gespeicherte Zahlungsdaten und der schnelle Checkout über die App sind die konkreten Gründe. Wer PayPal weglässt, gibt diesen Anteil bewusst auf.
Kauf auf Rechnung ist das Vertrauensmodell des deutschen Käufers: erst Ware prüfen, dann zahlen. Diese Logik schlägt jedes Sicherheitsargument für den Händler, solange das Ausfallrisiko übertragen werden kann. Auf die konkreten Modelle und Kosten geht der nächste Abschnitt ein.
SEPA-Lastschrift schätzen vor allem Stammkunden, die keine Daten bei Drittanbietern hinterlegen wollen. Der Vorteil für den Händler: niedrige oder keine direkten Transaktionsgebühren bei direkter Bankanbindung. Der Nachteil: Rückbuchungsfristen bis 13 Monate bei nicht genehmigten Lastschriften, und das Verfahren setzt Vertrauen in den Käufer voraus. Für den Kaltstart mit unbekannten Kunden ist es riskanter als für den etablierten Shop mit Stammkundenbasis.
Kreditkarte (Visa, Mastercard) ist besonders für zwei Gruppen wichtig: mobile Käufer, die ihre Karte gespeichert haben, und internationale Kunden, für die Kreditkarte die vertraute Zahlungsmethode schlechthin ist. Technisch läuft sie über denselben Zahlungsdienstleister wie die übrigen Methoden, der Mehraufwand ist gering.
Kauf auf Rechnung: Conversion-Hebel und Risikomanagement
Kauf auf Rechnung ist in Deutschland ein echter Conversion-Faktor, besonders im B2B-Handel. Geschäftskunden kaufen oft auf Rechnung, weil interne Freigabeprozesse eine sofortige Zahlung per Kreditkarte gar nicht vorsehen. Wer den Rechnungskauf im B2B-Shop nicht anbietet, verliert systematisch an Wettbewerber, die ihn haben.
Im B2C wirkt er ähnlich: Bei unbekannten Anbietern ist die Bereitschaft, Kreditkartendaten einzugeben, deutlich geringer als die Bereitschaft, auf Rechnung zu bestellen. Der Rechnungskauf senkt die Kaufschwelle für Erstkunden erheblich.
Wer auf Rechnung verkauft und die Ware verschickt, ist in Vorleistung. Manche Kunden zahlen nicht. Zwei Modelle lösen das:
Externer Anbieter übernimmt das Ausfallrisiko. Klarna, Billie oder ähnliche Dienste prüfen die Bonität des Käufers in Echtzeit und zahlen dem Händler den Betrag aus, sobald die Bestellung bestätigt ist. Das Forderungsmanagement liegt beim Dienstleister. Der Preis ist eine höhere Transaktionsgebühr: Bei Klarna liegt sie für Rechnung und Ratenkauf nach aktuellen Angaben bei rund 2,99 % + 1,69 € pro Transaktion. Das ist deutlich mehr als bei anderen Methoden, aber oft günstiger als internes Mahnwesen und Forderungsausfälle. Diese Gebühren verhandeln größere Händler individuell, kleine Shops zahlen in der Regel die Standardtarife.
Eigenes Forderungsmanagement. Wer Bonitätsprüfung und Mahnung selbst übernimmt, zahlt keine Dienstleistergebühr, trägt dafür aber Aufwand und Ausfallrisiko selbst. Sinnvoll ab einem stabilen Bestandskundenanteil und einem internen Prozess, der das effizient abbildet.
Für WooCommerce-Shops, die Klarna einsetzen wollen, sind die Plugin-Optionen und deren aktueller Stand wichtig. Welches System für welche Shopgröße passt, beleuchtet der Vergleich WooCommerce oder Shopify.
Gebührenvergleich: Was PayPal, Stripe und Klarna wirklich kosten
Transaktionsgebühren klingen abstrakt, wirken aber direkt auf die Marge. Ein einfaches Beispiel: Bei einem Warenkorb von 80 Euro und PayPal-Zahlung (2,49 % + 0,35 €) zahlt der Händler 2,34 Euro. Bei 1.000 Transaktionen im Monat sind das 2.340 Euro Gebühren allein für diese eine Methode. Es lohnt sich, die eigenen Zahlen zu kennen.
| Zahlungsart / Anbieter | Typische Kosten | Ausfallrisiko | Für wen geeignet |
|---|---|---|---|
| PayPal (Waren/Dienstleistungen Inland) | 2,49 % + 0,35 € | Liegt beim Händler (Käuferschutz = Händler kann Verlieren) | Alle Shops, Pflicht für breite Abdeckung |
| Stripe EU-Karten | 1,5 % + 0,25 € | Liegt beim Händler; Chargeback möglich | Shops mit API-Integration, internationale Skalierung |
| Stripe internationale Karten (Non-EWR) | 3,25 % + 0,25 € | Liegt beim Händler | Shops mit internationalem Umsatzanteil |
| Klarna Rechnung / Ratenkauf | ca. 2,99 % + 1,69 € (Standardtarif, verhandelbar) | Klarna übernimmt Ausfallrisiko | B2C- und B2B-Shops, die Rechnungskauf ohne eigenes Forderungsmanagement wollen |
| SEPA-Lastschrift (direkt) | sehr gering bis 0 bei Direkt-Integration; je nach PSP eine Fixgebühr (Stripe SEPA: 0,35 € je Lastschrift, kein Prozentaufschlag) | Beim Händler; Rückbuchung bis 13 Monate | Shops mit Stammkundenbasis, B2B mit Vertragskunden |
| Kreditkarte via Stripe | s. Stripe EU/international | Chargeback bis 120 Tage; SCA reduziert Risiko | Mobile-fokussierte Shops, internationale Kunden |
Gebührenangaben für PayPal gemäß PayPal Händlergebühren (Stand: Juni 2026). Stripe-Tarife nach stripe.com/de/pricing. Klarna-Angaben sind Richtwerte, individuelle Verträge können abweichen.
Ein häufiger Denkfehler: Die Gebühren werden isoliert betrachtet, ohne Ausfallrisiko und Rückbuchungsaufwand einzurechnen. PayPal und Kreditkarte sind teurer als Lastschrift, aber die mögliche Chargeback-Quote bei der Lastschrift drückt den Nettovorteil. Bei der Entscheidung immer den Gesamteffekt rechnen: Transaktionskosten + Ausfallquote × durchschnittlicher Warenkorb.
Geben Sie Bestellzahl, Bestellwert und Ihren typischen Zahlungsmix ein. Das Tool schätzt die monatlichen Gebühren je Methode und den effektiven Mischsatz, mit den belegten Konditionen von PayPal, Stripe und Klarna.
PSD2 und starke Kundenauthentifizierung: was Händler wissen müssen
Die EU-Zahlungsdienstrichtlinie PSD2 verlangt, dass Käufer bei Online-Kartenzahlungen mit zwei voneinander unabhängigen Faktoren authentifiziert werden. Die drei möglichen Kategorien sind Wissen (Passwort, PIN), Besitz (Smartphone, auf das ein Code gesendet wird) und Inhärenz (Biometrie). Mindestens zwei Kategorien müssen kombiniert werden. Die BaFin erläutert die Anforderungen ausführlich auf ihrer Verbraucherseite.
Für Shopbetreiber bedeutet das konkret:
- Kartenzahlungen laufen über 3D Secure 2.x (Verified by Visa, Mastercard Identity Check). Alle relevanten Zahlungsdienstleister setzen das technisch um, vorausgesetzt die Shop-Anbindung ist aktuell.
- Wer ein altes WooCommerce-Zahlungs-Plugin von vor 2020 betreibt, riskiert, dass die Bank Transaktionen ablehnt, weil das Plugin kein SCA-konformes Authentifizierungsverfahren unterstützt. Dieser Fehler fällt oft nicht sofort auf, weil manche Banken SCA noch nicht flächendeckend erzwingen. Wenn dann eine Ablehnung kommt, ist die Ursache schwer nachzuvollziehen.
- SEPA-Lastschrift fällt nicht unter die SCA-Pflicht, weil die Zahlung durch den Zahlungsempfänger ausgelöst wird, nicht durch den Käufer.
Es gibt Ausnahmen von der SCA-Pflicht, etwa für Transaktionen unter 30 Euro (mit Kumulierungsgrenze) und für Händler mit sehr niedrigen Betrugsquoten (Transaction Risk Analysis). Diese Ausnahmen werden automatisch von den Zahlungsdienstleistern geprüft und angewendet. Der Händler muss sie nicht selbst aktivieren, sollte aber wissen, dass sie existieren, sonst fragt man sich, warum manche Käufe ohne zweiten Faktor durchgehen.
Betrugsrisiko nach Zahlungsart
Jede Zahlungsart hat ein anderes Risikoprofil. Wer das nicht kennt, trifft schlechte Entscheidungen: Er schließt eine profitable Methode aus Angst aus, oder er setzt auf eine, die sein konkretes Geschäftsmodell gefährdet.
| Zahlungsart | Hauptrisiko für den Händler | Rückbuchungsfrist | Gegenmittel |
|---|---|---|---|
| Kreditkarte | Chargeback: Käufer fechtet Transaktion bei seiner Bank an | Typisch 120 Tage ab Transaktion | SCA / 3D Secure reduziert Haftung; Liefernachweis aufbewahren |
| SEPA-Lastschrift | Rückbuchung durch Käufer, in den ersten 8 Wochen ohne Begründung | 8 Wochen ohne Begründung, 13 Monate bei behaupteter Nicht-Autorisierung | Limit pro Neukundenbestellung, Bonitätsprüfung, Stammkundensystem |
| Kauf auf Rechnung (extern) | Keines (Ausfallrisiko liegt beim Dienstleister) | – | Anbieter wie Klarna prüfen Bonität in Echtzeit |
| Kauf auf Rechnung (intern) | Zahlungsausfall, Betrug mit falschen Adressen | – | Adressvalidierung, Bonitätsprüfung, Mahnwesen |
| PayPal | Käuferschutz-Missbrauch; Händler kann Streit verlieren | 180 Tage ab Zahlung | Tracking-Nummer hochladen, Liefernachweis führen |
Praktisch relevant ist vor allem die SEPA-Lastschrift bei Neukunden. Eine offene Lastschrift kann bis zu 13 Monate nach Abbuchung zurückgebucht werden, wenn der Käufer behauptet, die Zahlung nie genehmigt zu haben. Wer SEPA im Shop anbietet, sollte es für Erstkäufe entweder auf kleinere Beträge begrenzen oder an eine einfache Bonitätsprüfung koppeln.
Bei Kreditkarten schützt die SCA-Pflicht den Händler: Wenn ein Kauf 3D Secure durchlaufen hat und die Bank den Käufer authentifiziert hat, kann die Bank beim Chargeback die Haftung nicht mehr automatisch auf den Händler abwälzen. Das ist ein handfester Vorteil der PSD2-Pflicht, der oft übersehen wird.
Wichtig für die Aufbewahrung: Bei PayPal kann ein Käufer bis zu 180 Tage nach der Zahlung einen Streitfall eröffnen, deutlich länger als die übliche Kreditkarten-Chargeback-Frist von rund 120 Tagen. Liefernachweise und Tracking-Belege sollten Sie deshalb mindestens ein halbes Jahr griffbereit halten.
Dienstleister wählen: Stripe, Mollie oder PayPal direkt?
Die meisten Shops brauchen einen zentralen Payment Service Provider (PSP), der mehrere Zahlungsarten über eine einzige Integration bündelt. Die Alternative, jede Zahlungsart direkt bei ihrer Quelle anzubinden, erzeugt technischen Aufwand, mehrere Verträge und schwierigere Verwaltung. Ein guter PSP kostet etwas mehr pro Transaktion, spart aber Entwicklungs- und Wartungsaufwand.
Drei Anbieter dominieren in deutschen KMU-Shops:
Stripe ist technisch der umfangreichste und am besten dokumentierte Anbieter. Die Schnittstellen-Qualität ist hoch, der Methodenmix breit, und die Gebühren sind für EU-Karten mit 1,5 % + 0,25 € konkurrenzfähig. Stripe passt zu Shops, die Wert auf saubere API-Integration legen und perspektivisch international skalieren wollen. Für rein nationale KMU-Shops ohne eigene Entwicklerressourcen ist der Einstieg etwas techniklastiger als bei Mollie.
Mollie ist im deutschsprachigen Mittelstand beliebt, weil der Einstieg unkompliziert ist und das Kundensupport-Niveau als solide gilt. WooCommerce-Plugins gibt es direkt vom Anbieter. Der Methodenmix deckt alle wesentlichen deutschen Zahlungsarten ab. Mollie rechnet transparent pro Transaktion und Methode ab, ohne monatliche Grundgebühr, was die Kalkulation für kleine Shops einfach macht. Für Shops ohne eigene Entwickler oft die bessere Wahl gegenüber Stripe.
PayPal direkt ist kein vollständiger PSP, sondern deckt nur PayPal-Zahlungen ab. Viele WooCommerce-Shops nutzen PayPal direkt und ergänzen daneben Stripe oder Mollie für Kreditkarte und Lastschrift. Das ist technisch möglich, erzeugt aber zwei Abrechnungsströme. Einfacher ist eine PSP-Lösung, die PayPal als eine der verfügbaren Methoden integriert.
Ein Kriterium fällt bei der Anbieterwahl oft unter den Tisch, obwohl es für die Liquidität wichtiger sein kann als ein halber Prozentpunkt Gebühr: wann das Geld auf dem Konto ist. PayPal stellt das Guthaben sofort bereit, die Überweisung aufs Bankkonto dauert meist ein bis zwei Tage. Stripe zahlt im Standard rollierend mit einigen Tagen Verzögerung aus, beim Klarna-Rechnungskauf kann es länger dauern, weil erst der Käuferzyklus abgewartet wird. Für einen Shop mit dünner Kassendecke ist diese Auszahlungsfrist ein echtes Planungsthema.
Dazu kommt ein Punkt, der erst im Ernstfall weh tut: PayPal und Stripe behalten bei neuen oder als riskant eingestuften Konten zeitweise eine Reserve ein oder frieren im Verdachtsfall die Auszahlung ein, bis eine Prüfung abgeschlossen ist. Das trifft selten, aber wenn, dann hart. Wer ein nennenswertes Volumen über einen einzigen Anbieter abwickelt, sollte das im Hinterkopf behalten und im Zweifel nicht alles auf eine Karte setzen.
Die Entscheidung zwischen WooCommerce und Shopify beeinflusst die Wahl des Dienstleisters. Shopify Payments ist nur für Shopify verfügbar und schließt PayPal de facto ein, während WooCommerce mit jedem beliebigen PSP kombiniert werden kann. Die Grundsatzfrage dazu beantwortet der Artikel WooCommerce oder Shopify.
Was Sie weglassen können, und wann nicht
Nicht jede Zahlungsart, die technisch möglich ist, gehört in jeden Shop. Drei Kategorien, bei denen die Entscheidung nicht automatisch klar ist:
Apple Pay und Google Pay gewinnen laut EHI an Bedeutung: knapp die Hälfte der Händler plant, Apple Pay künftig in den Zahlungsmix aufzunehmen, gut ein Drittel Google Pay. Sie erfordern kaum Zusatzaufwand, weil die meisten PSPs sie bereits integriert haben. Der Nutzen hängt davon ab, wie viel Ihres Umsatzes über Mobilgeräte kommt. Wer seinen Shop für mobile Käufer optimieren will, sollte sie aktivieren.
Sofortüberweisung (Open Banking, heute meist über Klarna oder den Payment-Dienstleister angebunden) hat eine loyale Nutzergruppe unter Käufern, die kein PayPal-Konto wollen, aber auch keine Kreditkarte eintippen möchten. Sie überweisen direkt aus ihrem Online-Banking. Für viele Shops eine sinnvolle Ergänzung als fünfte oder sechste Methode. Kein Muss zum Start.
Kryptowährungen, Neobank-Wallets und andere Nischenmethoden: Ihr Marktanteil im deutschen Onlinehandel ist minimal, die Integration kostet Zeit, und der typische Stammkunde eines regionalen oder national tätigen B2B-Shops erwartet sie nicht. Erst einführen, wenn ein konkretes Kundenbedürfnis vorliegt.
Ratenkauf (Buy now, pay later) ist eine Ausnahme: Die EHI-Daten zeigen eine Verdopplung des Umsatzanteils in drei Jahren auf 4,3 %. Wer hochpreisige Artikel (ab ca. 200 Euro aufwärts) verkauft, sollte BNPL aktiv prüfen. Klarna und ähnliche Anbieter übernehmen auch hier das Ausfallrisiko gegen die bekannte höhere Gebühr.
Muster-Szenario: Zahlungsmix für einen mittelständischen B2B-Shop
Ein häufiges Muster im B2B-Handel: Ein Shop bietet nur PayPal und Kreditkarte an, weil der Inhaber das Risiko des Rechnungskaufs scheut. Gleichzeitig fragen Kunden im Support regelmäßig, ob auch auf Rechnung bestellt werden kann. Bei dieser Konstellation liegt der Abbruchanteil auf der Zahlungsseite typischerweise höher als nötig, weil die im B2B erwartete Zahlungsart fehlt.
Drei Stellschrauben lösen das, ohne neues Risiko aufzubauen. Erstens den Rechnungskauf über einen externen Anbieter wie Klarna oder Billie aufnehmen: Der Händler trägt dann kein Ausfallrisiko, die Bonität wird in Echtzeit geprüft. Zweitens die SEPA-Lastschrift auf eingeloggte Stammkunden begrenzen, um die lange Rückbuchungsfrist bei Neukunden auszuschließen. Drittens alle Methoden über einen zentralen Dienstleister wie Mollie bündeln, damit aus mehreren Abrechnungsströmen einer wird.
Rechnerisch ist der Fall klar: Wer die im Zielmarkt erwartete Methode ergänzt und das Ausfallrisiko auslagert, senkt die Abbruchwahrscheinlichkeit, ohne selbst in Vorleistung zu gehen. Die höhere Rechnungskauf-Gebühr steht dem zusätzlichen Umsatz gegenüber, den die fehlende Methode vorher gekostet hat.
Die Lehre daraus betrifft die Reihenfolge der Entscheidung. Der teurere Fehler ist selten, eine Methode falsch zu konfigurieren. Häufiger wird eine Methode aus Risikoscheu gar nicht erst angeboten, obwohl das Risiko bei einem externen Rechnungskauf-Anbieter überhaupt nicht beim Händler liegt. Die erste Frage lautet deshalb nicht „welche Methode ist gut“, sondern „wer trägt bei dieser Methode das Risiko“.
Wie die technische Einrichtung von Versand, Steuern und Rechtstexten in WooCommerce sauber abläuft, erklärt der Artikel Versand, Steuern und Rechtstexte in WooCommerce.
Sofort-Checkliste: Zahlungsarten im eigenen Shop prüfen
- Sind PayPal, Kreditkarte, Lastschrift und Kauf auf Rechnung alle vier aktiv?
- Ist der Zahlungsdienstleister aktuell (Plugin-Version, SCA-Unterstützung für 3D Secure 2.x)?
- Übernimmt ein externer Anbieter das Ausfallrisiko beim Rechnungskauf, oder liegt es beim Händler?
- Ist SEPA-Lastschrift für Neukunden sinnvoll begrenzt (Betragsgrenze, Stammkunden-Pflicht)?
- Werden für gängige Zahlungsarten keine Aufschläge erhoben (§ 270a BGB)?
- Ist die vorausgewählte Standard-Zahlungsart kostenneutral für den Käufer?
- Sind Apple Pay und Google Pay aktiviert, falls der Mobilanteil des Shops über 50 % liegt?
- Ist der Checkout übersichtlich (maximal 6 Methoden sichtbar, keine Auswahlüberflutung)?
- Sind die Datenschutzhinweise der Zahlungsdienstleister in der Datenschutzerklärung korrekt eingebunden?
- Werden Chargeback-Belege und Liefernachweise für 180 Tage aufbewahrt (PayPal-Käuferschutz)?
- Ist bekannt, wann der jeweilige Anbieter auszahlt (Auszahlungsfrist), und ob bei einem einzigen Hauptanbieter ein Klumpenrisiko durch mögliche Reserven oder Konto-Sperren besteht?
- PayPal (28,5 %), Rechnung (25,8 %), Lastschrift (17,3 %) und Kreditkarte (12,3 %) decken laut EHI über 80 % des deutschen Onlinehandel-Umsatzes ab. Diese vier sind der Pflichtmix.
- Kauf auf Rechnung steigert die Conversion, besonders bei Neukunden und B2B. Das Ausfallrisiko lässt sich über Anbieter wie Klarna oder Billie vollständig auslagern, zum Preis höherer Transaktionsgebühren.
- PSD2 schreibt für Kartenzahlungen starke Kundenauthentifizierung vor. Wer ein altes Zahlungs-Plugin betreibt, riskiert Transaktionsablehnungen. Der positive Nebeneffekt: SCA reduziert das Händler-Haftungsrisiko bei Chargebacks erheblich.
- Gebühren isoliert zu betrachten ist ein Fehler. Der Gesamteffekt aus Transaktionskosten, Ausfallquote und Rückbuchungsaufwand entscheidet. SEPA-Lastschrift ist günstig, bis eine Rückbuchungswelle den Vorteil auffrisst.
Häufige Fragen
Muss ich PayPal zwingend anbieten?
Eine gesetzliche Pflicht gibt es nicht. Aber PayPal trägt laut EHI 28,5 % des Onlinehandel-Umsatzes, und in unserer Stichprobe von 99 deutschen Shops nennen 84,8 % PayPal sichtbar als Zahlungsart. Wer PayPal weglässt, verliert einen messbaren Teil seiner Bestellungen.
Welche Zahlungsarten sollte ein Onlineshop mindestens anbieten?
Für den deutschen Markt sind es vier: PayPal, Kauf auf Rechnung, SEPA-Lastschrift und Kreditkarte (Visa/Mastercard). Diese vier decken laut EHI zusammen über 80 Prozent des Onlinehandel-Umsatzes ab. Je nach Zielgruppe kommen Apple Pay und Google Pay (mobile Käufer) oder Ratenkauf (höherpreisige Artikel) als fünfte und sechste Methode dazu.
Was kostet Kauf auf Rechnung über Klarna?
Der Standardtarif für Rechnung und Ratenkauf liegt bei rund 2,99 % + 1,69 € pro Transaktion. Dafür übernimmt Klarna das vollständige Ausfallrisiko und die Bonitätsprüfung in Echtzeit. Größere Händler können Tarife verhandeln. Die genauen Konditionen hängen vom Umsatzvolumen ab.
Darf ich Aufschläge für bestimmte Zahlungsarten verlangen?
Im Verbrauchergeschäft nein, für die meisten Methoden. § 270a BGB verbietet seit dem 13. Januar 2018 ein gesondertes Entgelt für SEPA-Überweisungen, SEPA-Lastschriften sowie für Zahlungen mit gängigen Debit- und Kreditkarten. Im B2B sind solche Aufschläge vertraglich möglich. Wer eine Zahlungsart als Standard vorauswählt, muss außerdem sicherstellen, dass diese kostenneutral ist.
Was ist 3D Secure und muss ich das einrichten?
3D Secure ist das technische Verfahren hinter der PSD2-Pflicht zur starken Kundenauthentifizierung bei Kartenzahlungen. Es sorgt dafür, dass Käufer beim Checkout einen zweiten Faktor bestätigen, meist per App, SMS oder Fingerabdruck. Aktuelle Zahlungsdienstleister setzen das automatisch um. Ihr einziger Handlungsbedarf: sicherstellen, dass Ihre Plugin-Version 3D Secure 2.x unterstützt.
Wie lange kann eine SEPA-Lastschrift zurückgebucht werden?
Bei einer autorisierten Lastschrift (Käufer hat zugestimmt) sind es 8 Wochen ab Belastung. Bei einer nicht autorisierten Lastschrift (Käufer bestreitet, je zugestimmt zu haben) bis zu 13 Monate. Das ist der Grund, warum viele Shops SEPA-Lastschrift für Neukunden auf kleinere Beträge begrenzen.
Wie viele Zahlungsarten sind zu viele?
Eine Zahl gibt es nicht, aber die Faustregel liegt bei etwa vier bis sechs sichtbaren Methoden. Mehr erzeugt Entscheidungsstress. Wichtiger als die Zahl ist, dass die tatsächlich nachgefragten Methoden Ihrer Zielgruppe dabei sind und der Checkout übersichtlich bleibt. Ein B2B-Shop mit Gewerbekunden braucht einen anderen Mix als ein Modeshop für Spontankäufe.
Kann ich Zahlungsarten auf bestimmte Kundengruppen beschränken?
Ja, das ist in WooCommerce technisch möglich. Lastschrift nur für eingeloggte Stammkunden, Rechnungskauf nur für verifizierte Geschäftskunden. Beides sind gängige Konfigurationen, die das Risiko begrenzen, ohne die Methode komplett zu streichen.
