- ChatGPT und Co. kennen viele Unternehmen nicht, kennen sie falsch oder nennen Wettbewerber statt Ihnen. Das prüfen Sie in fünf gezielten Fragen selbst.
- KI-Systeme beziehen ihr Wissen aus Trainingsdaten mit einem festen Stichtag und, bei aktivierter Websuche, aus aktuellen Quellen. Beides liefert unterschiedliche Antworten.
- Halluzinationen sind kein Ausnahmefall: Modelle erfinden Details, wenn ihnen Quellen fehlen, und tun das mit derselben Selbstsicherheit wie bei korrekten Aussagen.
- Wer dort nicht oder falsch auftaucht, verliert Anfragen, ohne es zu merken. Dieser Artikel zeigt, wie Sie das beheben.
Ob ChatGPT Ihr Unternehmen kennt, was es darüber sagt und ob die Antwort stimmt, lässt sich in etwa 15 Minuten selbst prüfen, ohne technische Vorkenntnisse. Das Ergebnis überrascht viele Inhaber: Entweder taucht das Unternehmen gar nicht auf, oder die KI beschreibt es so, wie es vor drei Jahren war, oder sie verwechselt es mit einem gleichnamigen Betrieb aus einer anderen Stadt. Dieser Artikel zeigt, wie Sie den Test durchführen, was die Antworten bedeuten und was Sie tun können, wenn das Ergebnis unbefriedigend ist.
Warum die Prüfung geschäftlich zählt
Mehr als die Hälfte aller Google-Suchen endet heute ohne einen Klick auf eine externe Website (SparkToro, Zero-Click-Studie 2024). Bei Suchanfragen, bei denen eine KI-Antwort direkt erscheint, liegt dieser Anteil noch höher. Für Unternehmen bedeutet das: Ein Geschäftsführer, der fragt, welche IT-Beratung für seinen Mittelstandsbetrieb passt, bekommt von ChatGPT drei Namen. Wer dort nicht steht, verliert die Anfrage, bevor er auch nur ein Angebot stellen kann.
Das ist kein Randphänomen. ChatGPT, Google AI Overviews, Perplexity und ähnliche Werkzeuge sind für viele Entscheider die erste Anlaufstelle bei der Dienstleistersuche. Die Sichtbarkeit dort folgt anderen Regeln als klassisches SEO. Wer dort fehlt oder falsch beschrieben wird, hat keinen Hinweis darauf, außer er schaut selbst nach.
Woher KI ihr Wissen über Unternehmen hat
Bevor Sie den Test machen, hilft ein Blick dahinter: Wie kommt eine KI überhaupt an Informationen über ein Unternehmen?
Trainingsdaten mit festem Stichtag. Modelle wie GPT-4o von OpenAI wurden mit Texten aus dem Internet trainiert, die bis zu einem bestimmten Zeitpunkt gesammelt wurden. GPT-4o hat einen Wissens-Stichtag von Oktober 2023, neuere Modelle wie GPT-5 reichen bis September 2024. Was danach auf Ihrer Website verändert wurde, ist in diesen Trainingsdaten nicht enthalten. Wer 2024 seinen Standort gewechselt oder seine Leistungen umgestellt hat, muss damit rechnen, dass ChatGPT noch den alten Stand wiedergibt.
Websuche bei aktivierter Suchfunktion. ChatGPT Plus, Perplexity und Google AI Overviews können aktuelle Webinhalte hinzuziehen. Perplexity zum Beispiel arbeitet grundsätzlich mit Echtzeit-Websuche: Es stellt Ihre Frage an einen Suchindex, ruft aktuelle Seiten ab und fasst sie zusammen. ChatGPT kann dasselbe tun, wenn die Websuche aktiviert ist. Die Antworten aus Trainingsdaten und aus der Websuche fallen dann unterschiedlich aus. Testen Sie beides.
OpenAI-Crawler in Ihrer robots.txt. OpenAI betreibt drei verschiedene Bots, die Websites unterschiedlich verarbeiten. GPTBot sammelt Inhalte für das Modell-Training. OAI-SearchBot indexiert Seiten für die ChatGPT-Suchfunktion. ChatGPT-User ruft Seiten live ab, wenn ein Nutzer eine Websuche ausgelöst hat. Wer in seiner robots.txt einen alten Pauschal-Block für alle Bots gesetzt hat, sperrt möglicherweise ohne Absicht alle drei aus.
Halluzinationen als Normalfall. Wenn einem Modell konkrete Quellen fehlen, erfindet es Details. Nicht aus Böswilligkeit, sondern weil es statistisch wahrscheinliche Fortsetzungen generiert. Das Ergebnis klingt sachlich und selbstsicher, ist aber erfunden. Für ein kleines regionales Unternehmen mit wenigen öffentlichen Quellen ist das Risiko höher als für einen bundesweit bekannten Konzern. OpenAI selbst beziffert das Problem: Im PersonQA-Test, der Wissen über reale Personen prüft, lagen die Modelle o3 und o4-mini in 33 beziehungsweise 48 Prozent der Fälle daneben, deutlich häufiger als das Vorgängermodell o1 mit 16 Prozent. Die KI ergänzt etwas, weil es statistisch passt, nicht weil sie eine belegte Quelle dafür hat.
Schritt-für-Schritt: So führen Sie den Test durch
Den Test führen Sie direkt in ChatGPT durch, idealerweise einmal ohne und einmal mit aktivierter Websuche. Notieren Sie bei jedem Schritt: Stimmt die Antwort? Was fehlt? Was ist falsch?
Schritt 1: Bekanntheit prüfen
Fragen Sie: „Kennst du das Unternehmen [vollständiger Firmenname, Ort]?“ oder „Was weißt du über [Firmenname]?“
Antwortet das Modell mit konkreten Informationen, prüfen Sie sofort, ob diese stimmen. Antwortet es mit „Ich kenne kein Unternehmen dieses Namens“, hat es zu wenig verlässliche Quellen gefunden, oder Ihr Name ist zu verbreitet, um ohne regionale Eingrenzung eindeutig zugeordnet zu werden.
Schritt 2: Leistungen und Branche prüfen
Fragen Sie: „In welcher Branche ist [Firmenname] tätig, und was bietet das Unternehmen an?“
Weicht die Antwort von Ihrem tatsächlichen Angebot ab, ist das ein Zeichen auf widersprüchliche oder veraltete Quellen. Oft spiegelt das Modell dann die Beschreibung wider, die irgendwann auf einer Verzeichnisseite oder einem alten Brancheneintrag stand.
Schritt 3: Wettbewerbskontext prüfen
Stellen Sie die Frage so, wie ein potenzieller Kunde sie stellen würde: „Welche [Ihre Leistung] empfiehlst du für [Ihre Zielgruppe] in [Ihre Region]?“
Das ist die wichtigste Einzelfrage. Nennt das Modell Wettbewerber, Sie aber nicht, haben diese eine stärkere Präsenz in den Quellen, die das Modell kennt: Fachmedien, Branchenverzeichnisse, Bewertungsplattformen, Partnerseiten.
Schritt 4: Quellen hinterfragen (mit aktivierter Websuche)
Wiederholen Sie die Fragen mit eingeschalteter Websuche und fragen Sie anschließend: „Welche Quellen hast du für diese Aussage verwendet?“
Nennt das Modell konkrete Seiten, prüfen Sie, ob Ihre eigene Website darunter ist. Fehlt sie, obwohl sie zum Thema passt, prüfen Sie, ob ein robots.txt-Eintrag die OpenAI-Crawler blockiert.
Schritt 5: Perplexity als zweite Meinung
Stellen Sie dieselben Fragen auf Perplexity. Perplexity durchsucht das Web bei jeder Anfrage und zeigt die verwendeten Quellen direkt an. Das macht sichtbar, welche Seiten über Ihr Unternehmen sprechen und wie Sie dort beschrieben werden. Die Antwort von Perplexity entspricht damit eher dem, was ein Nutzer mit aktivierter Websuche in ChatGPT sieht.
Führen Sie den Test an zwei oder drei verschiedenen Tagen durch. KI-Modelle antworten nicht immer identisch. Lücken, die trotz unterschiedlicher Formulierungen bestehen bleiben, sind die aussagekräftigen Befunde.
Typische Befunde und ihre Ursachen
| Befund | Wahrscheinliche Ursache | Erste Maßnahme |
|---|---|---|
| Unternehmen unbekannt | Zu wenige öffentliche Quellen, verbreiteter Firmenname ohne regionale Eingrenzung | Einträge in Branchenverzeichnissen prüfen und ergänzen, Google-Unternehmensprofil aktualisieren |
| Bekannt, aber veraltete Angaben | Trainingsdaten-Stichtag überholt neuere Änderungen; alte Quellen dominieren | Veraltete Einträge auf externen Plattformen korrigieren, aktuelle Inhalte auf der eigenen Website |
| Falsche Branche oder falsches Angebot | Widersprüchliche Beschreibungen auf verschiedenen Plattformen | Einheitliche Unternehmensbeschreibung auf Website, LinkedIn, Verzeichnissen |
| Wettbewerber genannt, Sie nicht | Wettbewerber haben mehr Erwähnungen in Fachmedien und Verzeichnissen | Externe Erwähnungen aufbauen: Fachbeiträge, Interviews, Partnerseiten |
| Richtig, aber zu allgemein | Inhalte zu vage, keine spezifischen Leistungen oder Zielgruppen klar benannt | Texte konkretisieren: spezifische Leistungen, Branchen, Regionen benennen |
| Verwechslung mit anderem Unternehmen | Häufiger Name, fehlende regionale oder fachliche Eindeutigkeit | Name, Ort und Tätigkeit überall gemeinsam und einheitlich nennen |
KI-Sichtbarkeit prüfen lassen
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Praxisbeispiel
In einem Projekt mit einem Steuerberatungsbüro aus dem Raum Stuttgart haben wir den Test durchgeführt. Ohne Websuche kannte ChatGPT die Kanzlei nicht. Mit Websuche beschrieb es sie korrekt als Steuerberatung, nannte aber einen Standort, der seit zwei Jahren nicht mehr aktuell war, weil ein alter Eintrag auf einer Verzeichnisseite noch die frühere Adresse enthielt. Bei der Wettbewerbsfrage, welche Steuerberatung für Freiberufler in Stuttgart empfohlen wird, tauchte die Kanzlei nicht auf. Drei Wettbewerber schon, weil alle drei in einschlägigen Fachmedien und auf Plattformen für Freiberufler erwähnt waren.
Die Korrekturmaßnahmen waren überschaubar: Den alten Verzeichniseintrag aktualisieren, einen Artikel für eine regionale Freelancer-Community schreiben und das Google-Unternehmensprofil mit aktuellen Leistungsbeschreibungen versehen. Drei Monate später tauchte die Kanzlei in der Wettbewerbsfrage auf, und die Beschreibung war aktuell.
Was tun, wenn die KI falsch liegt?
Direkt bei OpenAI oder Google korrigieren lässt sich wenig. KI-Modelle haben keine Eingabemaske für Unternehmensprofile. Was Sie beeinflussen können, sind die Quellen, aus denen die Modelle lernen.
Einheitliche Beschreibung auf allen Plattformen. Stimmen Firmenname, Leistungen, Branche und Region auf Ihrer Website, im Google-Unternehmensprofil, auf LinkedIn, in Branchenverzeichnissen und auf Bewertungsplattformen überein? Widersprüche verwirren das Modell. Es wählt dann die Quelle, der es am meisten vertraut, und das ist nicht immer Ihre eigene Website.
Strukturierte Daten auf der Website. Schema.org-Auszeichnungen wie Organization, LocalBusiness und Service helfen Suchmaschinen und Wissensgraphen, Ihr Unternehmen sauber einzuordnen. Sprachmodelle lesen dieses Markup nicht direkt, sie profitieren aber von der besseren Datenbasis, die daraus in den Suchsystemen entsteht.
Externe Erwähnungen aufbauen. Je mehr seriöse Quellen Ihr Unternehmen korrekt nennen, desto verlässlicher ist das Bild, das ein Modell davon hat. Fachbeiträge, Interviews, Partnerseiten, Einträge in Branchenverzeichnissen und Pressemitteilungen wirken stärker als zusätzliche eigene Unterseiten. Was das systematisch bedeutet, erklärt der Artikel Ihre Marke als Entität.
Konkrete Texte statt allgemeiner Beschreibungen. „Wir entwickeln ERP-Lösungen für Fertigungsbetriebe mit 50 bis 500 Mitarbeitern“ ist für ein KI-Modell verwertbar. „Wir sind Ihr Partner für digitale Transformation“ ist es nicht. Formulierungen, die Branche, Zielgruppe und Leistung präzise benennen, erhöhen die Chance, bei spezifischen Suchanfragen genannt zu werden.
robots.txt prüfen. Wer seine Inhalte aktiv in KI-Systemen sichtbar halten will, sollte prüfen, ob die OpenAI-Bots (GPTBot, OAI-SearchBot) in der robots.txt blockiert sind. Ein pauschales User-agent: * / Disallow: / sperrt alle Crawler aus, auch die der KI-Anbieter. Wie das und welche GEO-Maßnahmen insgesamt helfen, erklärt der Artikel Von ChatGPT empfohlen werden: Was GEO ist.
Wer einen strukturierten Blick auf die eigene KI-Sichtbarkeit will, ohne selbst in robots.txt und Verzeichnisse zu graben, findet im Website-Check von ihp media eine vollständige Bestandsaufnahme mit konkreten Handlungsempfehlungen.
Sofort-Checkliste
- ChatGPT ohne Websuche gefragt: Kennt das Modell mein Unternehmen?
- ChatGPT mit Websuche gefragt: Stimmen Branche, Standort und Leistungen?
- Wettbewerbsfrage gestellt: Werde ich genannt, wenn ein Kunde fragt?
- Perplexity als zweite Meinung gefragt und Quellen geprüft
- Unternehmensname, Ort und Leistungen auf allen Plattformen einheitlich
- Google-Unternehmensprofil aktuell und vollständig gepflegt
- Schema.org-Auszeichnung (Organization / LocalBusiness) auf der Website gesetzt
- robots.txt geprüft: GPTBot und OAI-SearchBot nicht pauschal blockiert
- Mindestens zwei externe Erwähnungen in seriösen Quellen vorhanden
- Test in drei Monaten wiederholen
Das Wichtigste zum Mitnehmen
- KI-Modelle kennen viele mittelständische Unternehmen nicht oder nur unvollständig. Das ist kein technisches Versagen, sondern ein Quellenproblem, das sich beheben lässt.
- Der Test kostet 15 Minuten und liefert konkrete Befunde: unbekannt, veraltet, falsch oder zu vage.
- Die wichtigste Einzelmaßnahme ist eine einheitliche Unternehmensbeschreibung auf allen Plattformen, weil Widersprüche das Modell verwirren.
- Halluzinationen entstehen, wenn Quellen fehlen. Mehr verlässliche, öffentliche Quellen bedeuten weniger erfundene Details.
Häufige Fragen
Kann ich ChatGPT dazu bringen, mein Unternehmen positiver darzustellen?
Direkt nicht. ChatGPT gibt wieder, was in seinen Quellen steht. Sie können aber die Quellenlage verbessern: klarere Inhalte auf Ihrer Website, mehr Erwähnungen in seriösen externen Quellen und einheitliche Beschreibungen auf allen Plattformen. Das beeinflusst mittelbar, was Modelle über Sie sagen.
Wie oft sollte ich den Test wiederholen?
Einmal pro Quartal ist ein sinnvoller Rhythmus. Nach größeren Änderungen am Angebot, einem Website-Relaunch oder einer Namensänderung sollten Sie zusätzlich prüfen, weil sich neue Informationen erst über Wochen in den öffentlichen Quellen verbreiten.
Hilft bezahlte Werbung bei Google, um besser in ChatGPT zu erscheinen?
Nein. Bezahlte Anzeigen beeinflussen KI-Sprachmodelle nicht. Relevant sind frei zugängliche, crawlbare Inhalte. Paid Search und KI-Sichtbarkeit sind getrennte Kanäle.
Was ist der Unterschied zwischen ChatGPT mit und ohne Websuche bei diesem Test?
Ohne Websuche antwortet das Modell aus Trainingsdaten mit einem festen Stichtag. Mit Websuche werden aktuelle Seiten hinzugezogen. Testen Sie beides: Die Antwort aus den Trainingsdaten zeigt, wie gut Ihr Unternehmen dauerhaft im Modell verankert ist. Die Antwort mit Websuche zeigt, was heute aus Ihren öffentlichen Inhalten gelesen wird.
Mein Firmenname kommt häufig vor. Warum verwechselt ChatGPT mein Unternehmen?
Bei verbreiteten Namen fehlt dem Modell die regionale oder fachliche Eindeutigkeit, um die richtige Firma zuzuordnen. Nennen Sie Name, Ort und Tätigkeit überall gemeinsam und einheitlich, pflegen Sie ein Google-Unternehmensprofil und achten Sie auf relevante Verzeichniseinträge. So entsteht ein unterscheidbares Profil.
Kann ein KI-Modell meinem Unternehmen durch falsche Angaben schaden?
Ja, das ist möglich. Wenn ChatGPT Ihr Unternehmen einem potenziellen Kunden falsch beschreibt oder mit einem anderen verwechselt, führt das im besten Fall zu keiner Anfrage, im schlechtesten Fall zu Verwirrung oder einem Vertrauensverlust. Deshalb lohnt sich die regelmäßige Prüfung. Eine einmalige Korrektur der Quellen reicht nicht dauerhaft, weil Modelle regelmäßig neu trainiert werden und sich die Web-Indexierung ständig ändert.
Quellen
Der Fünf-Minuten-Selbsttest und die typischen Befunde gebündelt zum Mitnehmen.
